Zu Gast beim Tabellenführer

Kreisliga 2: SG Augsburg II – Schachfreunde Augsburg IV

Am vorletzten Spieltag der Kreisliga 2 war die Ausgangslage klar. Unser Gegner, die SGA II, hatte bislang alle Begegnungen gewonnen (12:0) und für sie war es auch schon der letzte Spieltag der Saison. Wir waren punktgleich mit Gersthofen: beide hatten wir einen Kampf verloren (8:2). Zwei Mannschaften würden aufsteigen – aber vielleicht auch drei oder sogar nur eine, denn so ganz deutlich wird die Turnierordnung da nicht. Jedenfalls wollten wir bei der SGA II gewinnen, um Ligasieger zu werden und gar keine Zweifel zuzulassen.

Aus der Stammmannschaft traten nur zwei Spieler an (Alex R. sen. und Alex D.), aber das sind wir fast schon gewohnt. Wir waren auch dennoch gut besetzt, weil unsere spielfreudige Jugend stets stärker wird und vier Bretter von uns stellte.

Da Raphael und Jonas einen Schirilehrgang in der Zitadelle besuchten, kam die Hälfte von uns auf den letzten Drücker an. Nach freundschaftlicher Begrüßung seitens der SGA wurden daher sogleich die Uhren angedrückt.

Es stellte sich als klug heraus, bereits in der frühen Eröffnungsphase einen kurzen ersten Rundgang zu unternehmen. Denn an Brett 4 hatte Alex R. jun. gegen seine von der Wertung her deutlich überlegene und erfahrene Gegnerin schon nach wenigen Zügen eine Leichtfigur mehr. So sehr man sich auch anstrengte, Kompensation war nicht zu erkennen. Denn es waren zwar zwei Schwerfiguren auf den König gerichtet, der noch auf e8 stand. Gefährlich war das aber nicht. Jedenfalls nicht für Alex, der routiniert gute, aktive Züge fand, sodass seine Gegnerin nach kaum mehr als zehn Zügen die Partie verloren gab (1:0).

Das war ein glänzender Start für uns, zumal unsere Gegner an den ersten vier Brettern nach DWZ deutlich favorisiert waren. Punkte versprachen wir uns daher vor allem an den hinteren Brettern. Es ging auch gut weiter, denn Gunter hatte an Brett 3 mit Weiß eine ruhige Eröffnung gewählt und früh souverän in ein Endspiel abgewickelt. Bei symmetrischer Bauernstruktur, die für beide Farben keine großen Schwächen aufwies, hatte eher noch Gunter Gewinnaussichten, dessen Läufer dem gegnerischen Springer überlegen war. Doch diese waren minimal und Gunter akzeptierte daher das baldige Remisangebot (1,5:0,5).

Dieser erfreuliche Beginn war für uns aber kein dringend benötigtes Polster. Denn an sämtlichen Bretter sah es für uns nach der Eröffnung mehr oder weniger gut aus, und das überraschte dann schon. 

Alex R. sen. (Brett 2) hatte sich mit Schwarz gewohnt solide aufgestellt. Da nicht zu sehen war, wie der Gegner abgesehen von seinem Raumvorteil und leichten Entwicklungsvorsprung vorankommen könnte, begann dieser Risiken einzugehen. So hatte Alex bald am Damenflügel einen Bauern mehr, zudem musste sein Gegner dort mit einem isolierten Doppelbauern leben.

Katarina (Brett 5, Weiß) hatte sich auf einen offenen Schlagabtausch eingelassen, in dem sie mehr Übersicht als ihr Gegner hatte. Dieser versuchte zwar mit Dame und zwei Leichtfiguren ihren König in dessen Rochadestellung anzugreifen. Doch Katarina gelang eine sichere Verteidigung und der Gegner hatte schon einige Schwächen in seiner Stellung.

An Brett 6 sah sich Vincent einer Front aus vier Bauern im Zentrum gegenüber. Mit Schwarz stellte er sich zunächst einmal robust auf und machte sich dann daran, zu beweisen, dass dieses scheinbar furchterregende Zentrum in Wirklichkeit „overextended“ war. Zudem stieß er seinerseits am Damenflügel mit Bauern vor und gewann Raum. Darüber hinaus hatte er schon den Vorteil des Läuferpaars, auch wenn dies wegen der vielen Bauern auf dem Brett noch nicht recht zum Tragen kam.

Raphael (Brett 7, Weiß) kannte sich in der Eröffnung besser aus als sein Gegner, der etwas zu ungestüm vorging. So hatte Raphael bald das Läuferpaar, das ausgezeichnet positioniert war. Außerdem hatte er das Zentrum besetzt und leichten Entwicklungsvorsprung.

An Brett 8 erspielte sich Jonas mit Schwarz wie gewohnt Zug um Zug einen Vorteil. Er beließ den König lange in der Mitte und nutzte das eingesparte Tempo gut. Sein Gegner vermochte weder die Königsstellung noch den unentwickelten Turm auszunutzen. So gewann Jonas bald einen Bauern, ohne dass der Gegner Kompensation gehabt hätte.

Alex D. (Brett 1, Weiß) hatte Entwicklungsvorsprung und konnte seine Figuren harmonischer aufstellen als sein Gegner. Dessen Läuferpaar brachte ihm zunächst nicht viel. Stattdessen musste er bald mit gleich drei Isolani leben, die Alex zu belagern begann.

Katarina war die Erste, die ihre überlegene Stellung in einen Sieg umwandeln konnte. Mit seinen Angriffsbemühungen hatte ihr Gegner seine Stellung zu sehr geschwächt und Katarina gewann mit geschicktem Spiel genug Material, um den Gegner zur Aufgabe zu zwingen (2,5:0,5).

Wenig später folgte Vincent am Nachbarbrett ihrem Beispiel. Sein Gegner hatte die Bauernphalanx im Zentrum lockern und dadurch Felderschwächen hinnehmen müssen. Ein Läufer von Vincent stand mächtig im Zentrum und bald war die Stellung für Weiß nicht mehr zu halten (3,5:0,5).

An Brett 7 und 8 schien der Sieg für uns kurz bevorzustehen. So nahm Alex D. trotz positionell gewonnener Stellung ein Remisangebot des Gegners an, denn die Verwertung hätte sich noch in die Länge ziehen können (4:1).

Tatsächlich hatte Rapheal kurz darauf entscheidenden Materialvorteil erzwungen. Er hatte seinen Gegner nie ins Spiel kommen lassen, der die Partie nun folgerichtig aufgab (5:1).

An Brett 8 meinte Jonas’ Gegner ein Endspiel mit vier Bauern weniger verteidigen zu müssen. Als sein letzter Bauer fiel, sah er aber ein, dass das aussichtslos war (6:1).

Alex R. sen. hatte irgendwann leider eine Abbiegung verpasst und sich zu sehr hinten reindrängen lassen. Turm und Läufer auf dem Damenflügel waren noch unentwickelt, schlimmer noch: Sie waren eingesperrt. Zwar versuchte Alex auf dem Königsflügel Initiative zu erlangen und seine Dame ins Spiel zu bringen. Aber als der Mannschaftserfolg schon sicher war, übersah er eine Taktik und musste gegen seinen starken Gegner aufgeben (6:2). Wenn man für die Mannschaft das Kinn hinhält, bekommt man manchmal eben doch auch einen Schlag ab, den man nicht aushalten kann. Aber Alex hatte über weite Strecken der Partie ausgezeichnet mitgehalten.

Am letzten Saisonspieltag empfangen wir Steppach, die bislang erst einen Mannschaftspunkt holen konnten. Da uns ein Erfolg in beliebiger Höhe für den ersten Platz reicht, kommt es vor allem darauf an, eine wettbewerbsfähige Truppe zusammenbekommen. Aus unserer Jugend werden nämlich einige bei den Deutschen Jugendmannschaftsmeisterschaften der U20 in Kiel sein.

Im Ligamanager finden sich Details zu unserer gestrigen Begegnung: https://www.ligamanager.schachbund-bayern.de/augsburg/ergebnisse/spielplan.htm?ligaId=1818&runde=8


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