8 + 1 = 5,5

Kreisliga 2: Schachfreunde V – Kriegshaber IV

Macht ihr das auch so, vor dem Spiel noch mal die ganze Mannschaft durchzählen, ob auch keiner fehlt? Zum Appell angetreten: acht Bäuerlein, Ross und Gaul, Ihro Majestät und die übrige Bagage, jawoll, alle da. Das sollte man natürlich auch vor einem Mannschaftskampf tun, damit es keine Überraschung gibt. Acht Bäuerlein waren auch da, die gegen Kriegshaber IV antreten wollten, nur dass es halt sogar neun waren. Mit der modernen Kommunikation ist und bleibt es nun mal ein Kreuz und künstliche Intelligenz wird das auch nicht besser machen. Irgendwo zwischen Augsburg, Dinkelscherben und Thierhaupten ging eine E-Mail verloren und so wurde noch am Freitag ein achter Spieler gesucht und mit Dominic auch gefunden, wo wir doch nichts ahnend schon acht waren. Das führte zu maximalem Chaos, da der zweite Achte unser erstes Brett war und unsere Leute an den Brettern 2 bis 6 somit alle mit anderen Farben spielten als erwartet. Ein großer Dank geht an Erich, der sich opferte und den Zuschauer gab, obwohl er sich gewiss auf seinen Einsatz gefreut hatte. Ebenso sei Alex Vučković herzlich gedankt, der den ganzen Tag in der Zitadelle verbrachte und die Jugend betreute und dann sogar noch unseren Wettkampf begleitete und aufräumte.

Die Vielzahl an Spielern half uns aber nicht darüber hinweg, dass nur die Hälfte davon Stammspieler waren. So war es klar, dass wir vor allem an den ersten Brettern würden punkten müssen, während das gerade an Brett 7 und 8 gegen die sehr homogene Mannschaft unserer Gäste schwieriger sein würde.

Max saß in dieser Saison zum zweiten Mal für die Schachfreunde an einem Brett und stellte sich an Brett 1 mit Schwarz erst mal solide auf. Der Gegner hatte mehr Raum, aber die schwarze Stellung war fest. An Brett 2 hatte Jonas als Weißer eine Art französische Struktur vor sich, die für Schwarz wenig vorteilhaft aussah. Daraus entwickelte sich eine königsindische geschlossene Stellung, in der kein Hebel für Schwarz in Sicht war. Dominic an Brett 3 konnte recht schnell ausgleichen und hatte in der Eröffnung keinerlei Probleme. Er besetzte mit zwei Türmen die einzige offene Linie, während sein Gegner mit einem schlechten Läufer am Damenflügel zurechtkommen musste. Auch bei Alex D. entwickelte sich nach Damentausch im achten Zug eine ausgeglichene Stellung, was weniger günstig war, denn hier hatten wir ja Weiß. Der schwarze Damenflügel war noch nicht entwickelt, dafür hatte Alex einen isolierten Doppelbauern auf der b-Linie. Gunter (Brett 5) geriet bald etwas in die Defensive, sein Gegner hatte viel Raum, um sich gut aufzustellen. Denis an Brett 6 hatte fast einen perfekten Stierkopf hingezaubert, wie ihn König Schwarz in Fritz & Fertig nicht besser hinbekommen hätte, mit Bauern auf d4 und e4, Springern auf c3 und f3 und noch einem Läufer neben den zentralen Bauern. Jeder Fan von Kanalratte Fred Fertig weiß: Das ist vielversprechend. Bei Karl (Brett 7) kam eine Karlsbader Struktur aufs Brett und es wurden früh einige Leichtfiguren getauscht. Bedrohlich sah das für uns nicht aus. Alexandra entwickelte sich an Brett 8 solide und es entstand eine eher ruhige Partie.

Gunter kam mit dem Druck seines Gegners im Mittelspiel irgendwann nicht mehr gut zurecht und musste einen Bauern lassen. Darauf folgte ein zweiter, als er am Königsflügel versuchte, Initiative zu erlangen und die Bauern seines Gegners mit seinen eigenen Bauern anzugreifen. So kam es zu einem Endspiel, das hoffnungslos war (0:1). Frohe Botschaften kamen aber von Brett 7, wo Karl gegen seinen favorisierten Gegner standgehalten hatte und dieser in Zeitnot in ein Remis einwilligte (0,5:1,5).

So lagen wir zwar zunächst hinten, aber an Brett 1 hielt Max weiter stand und an den übrigen Brettern sah es jeweils zumindest leicht vorteilhaft für uns aus. Eine klare Eins zeichnete sich dabei vorerst jedoch nur bei Dominic ab. Er hatte die Probleme des Gegners auf dem Damenflügel ausnutzen und auf der a-Linie einen gedeckten Freibauern bilden und weiter vorstoßen können. Nach Tausch der Türme konnte Weiß diesen Bauern nicht mehr aufhalten, da er von beiden Läufern und der Dame sicher eskortiert wurde (1,5:1,5). Max’ Gegner drückte und drückte, aber es war kein Durchkommen, obwohl Max recht beengt stand und seinen Turm auf dem Damenflügel nicht entwickeln konnte. So kam es zum Remis (2:2). Als Denis sich schließlich optimal aufgestellt hatte, setzte er zum Sturm auf den gegnerischen König an, der noch nicht rochiert hatte. Mit einem Leichtfigurenopfer sorgte er für ein so großes Durcheinander beim Gegner, dass dieser bald aufgeben musste. Das sah nach einer sehr schönen Partie aus (3:2).

Es überraschte etwas, dass unser Mannschaftssieg jetzt schon festzustehen schien, denn ganz so klar hatte es an vielen Brettern zunächst nicht ausgesehen. Aber in den drei Partien, die noch liefen, schien eine Niederlage für uns kaum möglich und Jonas stand sogar bald klar auf Sieg, als er bei weiter geschlossener Stellung mit seinem Raumvorteil zunächst einen Bauern am Damenflügel gewann, dann mit einem Turm auf der siebten Reihe eindrang und der Gegner sogar eine Leichtfigur geben musste (4:2). Alexandra hatte zunächst ein Mittelspiel mit wenigen verbliebenen Figuren erreicht, das wegen ihres Läuferpaars sogar leicht vorteilhaft schien. Dieses konnte sie aber nicht halten und sie musste schließlich sogar einen isolierten Bauern in einem Springerendspiel hinnehmen. Sie verteidigte ihre Stellung aber geschickt, indem sie König und Springer zentralisierte, und der Gegner bot auch hier Remis (4,5:2,5). Damit hatte Alexandra den entscheidenden halben Punkt geholt. Alex D. hatte mittlerweile einen Bauern gewonnen, doch der isolierte Doppelbauer sah anfällig aus. Doch Schwarz geriet zusehends in Zeitnot und machte zwar keine groben Fehler, fand aber mehrfach keinen guten Zug. So konnte Weiß den Doppelbauern auflösen und beide Bauern vorstoßen. Als ein weiterer schwarzer Bauer verloren ging, war es bald vorbei (5,5:2,5).

Recht überraschend liegt die Fünfte nach drei Spieltagen nun auf Platz 2 der Tabelle, während die ambitionierten Mannschaften von Göggingen und Gersthofen eine negative Bilanz haben. Bei Haunstetten IV, derzeit Tabellenletzter, könnten wir in zwei Wochen den Klassenerhalt schon klarmachen. Bis dahin haben wir vielleicht auch das Zählen und Kommunizieren verfeinert. Könnte womöglich ja helfen.


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