Siegpflicht

Schwabenliga 2: Schachfreunde III – Bäumenheim

Wenn man einer Pflicht unterliegt, können einem sonst einfache Dinge schwerfallen, denn das Scheitern hätte schlimme Folgen und schon der Gedanke daran kann eine Last sein. Hat man sich die Pflicht selbst auferlegt, zum Beispiel durch eine positionelle Schwächung zugunsten eines Entwicklungsvorteils, mag das ein gutes Gefühl geben, denn man hat die Verantwortung freiwillig übernommen. Man handelt in Freiheit, autonom, und damit nach Kant „aus Pflicht“ und sittlich – eine sittliche Initiative dank gut entwickelter Figuren! Spürt man aber eine äußere Verpflichtung zu stark, so handelt man in ihrer Erfüllung nur „gemäß der Pflicht“ – man ist nicht mehr autonom. 

So unsittlich erging es uns gegen Bäumenheim. Denn das bislang beste Saisonergebnis unserer Gäste war ein 1:7, das sie dafür aber gleich mehrfach erreicht hatten. Wir hingegen brauchten unbedingt einen Sieg im engen Abstiegskampf der Schwabenliga 2. Ein Pflichtsieg musste also her.

Der wurde uns dadurch deutlich leichter gemacht, dass Bäumenheim mit nur sechs Spielern antrat. Jonas und ich hatten unfreiwillig frei und konnten – mussten, denn es war ja keine autonome Entscheidung – entspannt zuschauen. Das wiederum wurde uns erleichtert, weil sich das Geschehen zu unseren Gunsten entwickelte. Christian packte an Brett 1 in Zug 7 einen taktischen Trick aus, der ihm nicht nur einen glatten Bauern, sondern auch dauerhaften Vorteil im Zentrum einbrachte. Dominic (Brett 3) fackelte nicht lange, griff am Damenflügel an, kaum dass die Eröffnung vorbei war, gewann eine Leichtfigur für einen Bauern und kurz darauf, wie es seine Gewohnheit ist, nach kaum mehr als einer Stunde die Partie (3:0). An Brett 2 kam Günther in ein Mittelspiel mit symmetrischen Bauerngruppen. Weil sein Gegner das wenig ergiebig fand, bot er bereits nach 13 Zügen und Stand 0:3 Remis, was nicht gerade dafür sprach, dass die Bäumenheimer uns einen Kampf aufs Messer liefern wollten. Günther überlegte ein Weilchen, aber da er mit seiner Partie nicht sonderlich zufrieden war und die Mannschaft auch einen halben Punkt gut gebrauchen konnte, nahm er an (3,5:0,5).

Bis das nächste Ergebnis feststand, sollte es ein bisschen dauern. Katarina (Brett 6) hatte eine Stellung mit Rochaden auf entgegengesetzten Seiten, beide Parteien setzten zum Bauernsturm an. Dabei ging Katarina allerdings erheblich zielstrebiger vor und sie hatte auch ihre Figuren geschickter aufgestellt. An Brett 7 wurden bei Raphael bald alle Leichtfiguren abgetauscht. Da hatte er allerdings schon einen gedeckten Freibauern des Gegners zulassen müssen. Außerdem hatte er bald einen Bauern weniger. Aber es gab für den Gegner keine offenen Linien, denn er hatte noch alle Bauern auf dem Brett. Alex R. jun. (Brett 8) hatte Angriff am Königsflügel, kam damit aber nicht recht durch. Sein vorgeschobener h-Bauer wurde darauf Beute der gegnerischen Dame. Das resultierende Leichtfigurenendspiel sah nicht so gut für uns aus.

Bei Raphael wurden die Damen getauscht und sein Gegner sah keine Möglichkeit, für seine Türme eine Linie zu öffnen. Mit ein wenig mehr Mut wäre das wohl schon gegangen, so aber kam es zum Remis (4:1). Katarina hatte mittlerweile die Königsstellung des Gegners mit einigen geschickten Manövern geknackt, und während dieser weiterhin vom eigenen Bauernsturm träumte, schaffte sie Tatsachen, gewann Material und erreichte eine Gewinnstellung (5:1).

So handelte Christian aus Pflicht und längst nicht mehr nur gemäß der Pflicht, als er den Gegner taktisch auseinandernahm und sittlich ebenfalls weiteres Material gewann, denn die Spannung war aus dem Mannschaftskampf längst raus (6:1). Nur Alex’ Läuferendspiel machte nicht so viel Hoffnung, doch da übersah sein Gegner etwas und der Punkt ging auch hier noch an uns (7:1).

Das war am Ende ein etwas zu hoher Sieg für uns, aber die Brettpunkte können wir gut gebrauchen. Es müsste zwar schon einiges dafür zusammenkommen, dass wir noch auf den vorletzten Platz abrutschen, aber in den letzten zwei Begegnungen treffen wir immerhin auch noch auf zwei der besten Mannschaften der Liga, Wertingen und zum Schluss Kriegshaber II. Da sollten wir unbedingt versuchen, gegen Wertingen zu punkten, damit wir gegen Kriegshaber nicht wieder die Autonomie abgeben müssen und in der nicht selbst auferlegten Pflicht stehen.


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