Schon lange träumte man im Hause Blodig davon, einmal das Land der Großmeister zu besuchen. Dort kommen auf je 100.000 Einwohner 4 GMs, was (abgesehen von Monaco) Weltspitze ist und außerdem auch eine ca. 30x höhere GM-Dichte als in Deutschland bedeutet. Nicht umsonst fand hier auch das „Match des Jahrhunderts“ statt. Im August war es soweit, und natürlich wurde dort auch Schach gespielt!
Nachdem wir uns nach unserer Ankunft zunächst zwei Wochen die Zeit vertrieben mit Wanderungen in epischen Landschaften, dem Besichtigen von unzähligen spektakulären Wasserfällen und ziemlich viel Baden in warmem Wasser, folgte nach unserer Rückkehr in die Hauptstadt der sportliche Höhepunkt unserer Reise: Vincent und Stefan machten sich auf, das wöchentliche Schnellturnier (5 Runden, 10+5) des Hauptstadt-Traditionsvereins „Taflfélag reykjavíkur“ aufzumischen. Der Verein feiert nächstes Jahr sein 125-jähriges Jubiläum und besteht schon länger als der Schachverband des Landes.
Wir wurden freundlich empfangen und mit Kaffee versorgt, und dann ging es zügig los. Von Platz 5 bzw. 7 der Setzliste in dem 22-köpfigen Feld aus gelang ein guter Start: Stefan und Vincent gewannen die beiden ersten Runden, wobei Vincent bereits einen der favorisierten Birkisson-Zwillinge (Setzliste 2&3) besiegte. Bereits in der dritten Runde schlug jedoch dessen Bruder zurück, Vincent musste die erste Niederlage einstecken. Stefan durfte derweil gegen die an 1 gesetzte WGM Lenka Ptacnikova antreten. In einer spannenden und abwechslungsreichen Partie (einheimischer Kibitz: „best game of the tournament“) drohte Stefan nach etwas unpräziser Eröffnungsbehandlung zwar zunächst in einer langfristig ungünstigen Stellung zu landen, konnte aber mit einem Bauernopfer einen Angriff einleiten und jedenfalls recht erfolgreich Verwirrung stiften. Nach einigen Verwicklungen landete er schließlich in einem Endspiel mit D+5 Bauern gegen T+T+L+2, welches sich für die Gegnerin angesichts knapper Bedenkzeit und ständiger Drohung von Doppelangriffen durch die Dame als schwierig spielbar und letztlich nicht mehr haltbar erwies.
In der Folge bekam Vincent noch 2 nominell etwas schwächere Gegner, gegen die er souverän 2 weitere Punkte erzielte und mit 4/5 auf einem hervorragenden zweiten Platz landete. Stefan jedoch, möglicherweise ausgelaugt von seinem erfolgreichem Match gegen die WGM, wurde zweimal nacheinander völlig humorlos von besagten Birkisson-Zwillingen abgefertigt und erreichte Platz 6. (Ergebnisse)
So kehrten wir vom Turnier und kurz darauf von unserer Reise zurück, Vincent mit 50 zusätzlichen Punkten Schnellschach-ELO im Gepäck, Stefan mit seinem ersten „WGM-Skalp“, und freuen uns auf die neue Saison zuhause.
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