Kreisklasse A: 1. Runde; Schachfreunde Augsburg IV – SC Gersthofen II

Ein klassisches Drama

 

 

Es sind riesige Fußstapfen, die die Dritte der Vierten hinterlassen hat, denn mit nicht weniger als der Meisterschaft hatte man sich aus der Kreisklasse A verabschiedet. Vielleicht gerade deswegen ging unsere Vierte mit größter Begeisterung ans Werk und wollte gleich in der ersten Runde gegen die starke zweite Auswahl der Gersthofer ein Ausrufezeichen setzen.

 

Bedauerlicherweise erwiesen sich am Ende eines langen Schachkampfes nicht nur die Gegner als etwas routinierter, vor allem der Übereifer unserer jugendlichen Spitzenbretter sollte ausschlaggebend für eine gänzlich unnötige Niederlage sein.

 

 

Aber wenn schon die Vorzeichen ungünstig stehen, dann kann man sich noch so redlich mühen, denn neben dem Ausfall von zwei Spielern galt es zudem den Umstand zu verkraften, dass ausgerechnet der Teamkapitän verhindert war. Deshalb wurden Behzad, Elisha, Paul und Wernfred nominiert, die für einen gelungenen Saisonauftakt sorgen wollten. Und wer weiß, vielleicht hatten die Gäste, deren Erste am selben Tag zeitgleich in der Kreisliga I die neue Spielzeit eröffnete, ebenfalls Probleme zu lösen.

 

Dem war tatsächlich so, erschienen doch die Gegner nur mit drei Mann, was uns einen Vorteil in Aussicht stellte, zumal ja ohnehin nur an vier Brettern gespielt werden sollte. Allerdings sah zur allgemeinen Überraschung die Situation auf unserer Seite nicht besser aus, war doch Behzad beim Andrücken der Uhren gleichfalls nicht anwesend. Und da die jeweils fehlenden Bretter nicht identisch waren, konnte man der seltenen Situation beiwohnen, dass ein Mannschaftskampf an zunächst nur zwei Brettern eröffnet wurde.

 

Kurze Zeit danach erschien unvermittelt ein gänzlich außer Atem geratener Artur, der spontan für Behzad hätte einspringen wollen, weil letzterer krankheitsbedingt kurzfristig hatte absagen müssen. Doch der Spielberichtsbogen war bereits ausgefüllt worden, sodass ein Einsatz nicht mehr in Frage kam, weshalb es plötzlich nicht nur 1:1 nach ca. einer Viertelstunde stand, zudem hatten wir Schachfreunde den zweiten kampflosen Punkt seit unserer Vereinsgründung zu verbuchen.

 

Diese Situation schien die anwesenden Spieler einerseits anzuspornen, andererseits konnte man zugleich eine große Nervosität spüren, die sich verständlicherweise in den Partien niederschlug, würde doch jeder Fehler in der Partie mit dem Verlust des Mannschaftskampfes bestraft. Die erste Gelegenheit bot sich Elisha, dessen Gegner auf eine vermeintliche Bekämpfung des “Igels” aus war, sodass er nach nur sieben Zügen eine deutliche Stellung hätte erreichen können. Sein Gefühl trügte ihn nicht, er schaute lange rein, fand aber leider nicht die offensichtliche Fortsetzung und gestattete damit dem Gegner einen relativ normalen Fortgang der Partie.

 

Dagegen hätte Paul noch viel früher die Schwächen im gegnerischen Aufbau suchen müssen, denn nach 1. e4 c5 2. Sc3 ließ der Gegner 2. … e5?!. Eine typische Stellung, in der man sich eine Auszeit gönnt, eine gute Strategie festlegt und anschließend mit den Abrissarbeiten beginnt. Nun, unserem Paul schien jedoch alles klar zu sein, er zog gewohnt zügig und erreichte eine nur leicht bessere Stellung. Soweit schien alles gut.

 

Allerdings war ihm das entschieden zu wenig, weshalb er sich eines zweifelhaften Plans bediente, irgendwie seltsam vorrückte, dabei eine Qualität einbüßte und von da an mit dem Rücken zur Wand stand. Glücklicherweise verfügte er noch über einen äußerst quirligen Springer, den er geschickt zu platzieren wusste, was der Stellung einen “Haltbar-Anstrich” verlieh.

 

Nahezu zeitgleich hatte sich Elisha unnötig in Schwierigkeiten gebracht, ohne jedoch beim Publikum für Nervosität zu sorgen, schien doch der Gegner mit dem immensen Raumvorteil ohne Damen nichts anfangen zu wissen.

 

Dann spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu! Paul hatte nämlich, aufgrund welcher Stellungsbeurteilung auch immer, die recht sichere Auffangstellung verlassen und zur Attacke geblasen, wobei er in einen konsequent vorgetragenen gegenangriff geraten war, wohingegen Elisha seine erste Chance zur Befreiung ungenutzt hatte verstreichen lassen. Trotzdem erhielt er ein Remisgebot, welches vielleicht mannschaftsdienlich gedacht war, die Hilflosigkeit des Gegners in dieser komplizierten Stellung aber schonungslos offenbarte.

 

Elisha wollte zunächst das Geschehen am Nebenbrett etwas beobachten, ließ viel Zeit verstreichen und entschloss sich, nachdem an Pauls Brett die Niederlage nicht mehr abzuwenden war, war, weiterzuspielen. Doch schon im nächsten Zug fing er sich gleich wieder ein Remisgebot ein und das Prozedere ging von vorne los. Vorsichtshalber stellte Elisha eine Frage nach der Bedenkzeit, welche entsprechend beantwortet worden war, indem man ihn wissen ließ, dass er nach der Zeitkontrolle weitere dreißig Minuten erhielte.

 

Kurz danach wurde Pauls König in hoffnungsloser Stellung Matt gesetzt, womit es 1:2 stand.

 

Wieder entschloss sich Elisha zum Weiterspielen, die Bedenkzeit bis zur Zeitkontrolle verdiente diese Bezeichnung nicht mehr, und er machte sich des Gegners planloses Spiel zunutze. Prompt erging das nächste Remisgebot des Gegners, welches postwendend, ohne sich jedoch über die vielen Remisgebote zu beschweren, mit dem Ausführen eines Zuges abgelehnt wurde. Hier hatte Elisha noch 2.38 Min. für die restlichen sechzehn Züge!

 

Ganz gelassen stand Elisha auf, holte sich ein Getränk, öffnete quälend langsam die Flasche und gönnte sich offensichtlich dringend benötigte Flüssigkeit, bevor es in die Verwertung der unnmehr gewonnenen Stellung ging. so meinte man zumindest.

 

Denn nachdem der Gegner seinen Zug ausgeführt hatte, dieses Mal ohne ein Remisgebot, gönnte sich Elisha etwas über eine Minute, um einen wahrlich schönen Zug auszupacken. Doch würde es für die Zeitkontrolle reichen?

 

Ein weiterer Zug des Gegners, den unser junges Spitzenbrett bereits etwas flotter beantwortete, ohne jedoch auch nur den Hauch von Nervosität anzudeuten. Im Gegensatz zum Gegner, dem das Ganze offensichtlich zuviel zu sein schien.

 

Nachdem das nächste Zugpaar gemacht worden war, zeigte die Uhr erbarmungslos an, dass Elisha noch 14 Sek. für dreizehn Züge geblieben waren! Und als ein weiterer Zug des Gersthofers erfolgte, da schaute sich Elisha die Stellung in aller Ruhe an und wurde von des Gegners “Zeit!” ziemlich überrascht. Denn seine Annahme war, wie sich später herausstellte, dass er nach Ablauf von zwei Stunden automatisch dreißig Minuten hinzubekäme. Ein Irrtum, der brutalstmöglich ausgeräumt wurde – 1:3.

 

So unterlag unsere Vierte einem keineswegs überlegenen Gegner, zeigte aber zugleich, wieviel Potential im Team steckt, weshalb ich jetzt schon behaupte, dass ein Abstieg für diese Mannschaft kein Thema ist, wenngleich bei nur fünf Runden die Meisterschaft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verloren ist.

 

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