Schwabenliga I: 1. Runde; Schachfreunde Augsburg I – BC Aichach I

Ein erbaulicher Auftakt

 

 

Obwohl wir seit unserer Vereinsgründung jedes Jahr mit der ersten Mannschaft ein Neuling in einer Liga waren, stellt es nach wie vor eine Besonderheit dar, in der jeweils nächsthöheren Spielklasse als Aufsteiger den ersten Wettkampf zu bestreiten. Mit der entsprechend nachvollziehbaren Anspannung gingen wir an die Bretter, galt es doch, ausgerechnet gegen die als spielstark eingestuften Aichacher zu bestehen.

 

Allerdings hatten unsere Gäste keinen guten Tag erwischt, sodass sich bereits früh ein Sieg für uns abzeichnete, welcher schließlich tatsächlich eintrat und mit 6,5:1,5 nicht nur recht hoch, sondern vor allem auch in der Höhe mehr als verdient ausfiel.

 

 

Trotz des Umstandes, dass mich im Vorfeld die ein oder andere Absage erreicht hatte, plagten mich als Mannschaftsführer keinerlei Aufstellungssorgen, denn die Anzahl derer, die bereit waren, einzuspringen, war erfreulich groß. Aber da man bekanntlich nur acht Spieler aufstellen darf, kam es dazu, dass es letztlich Alexander B., Andreas, Hannes, Hermann, Jakob, Uli, Zarko und meiner Wenigkeit vorbehalten war, die Vereinsfarben in unserem ersten Spiel in der Schwabenliga I zu vertreten.

 

Als dann die Aichacher anrückten und die Mannschaftsaufstellung, die den kompletten Stammachter umfasste, abgaben, da wurde uns klar, dass unsere Gäste mit dem festen Vorsatz gekommen waren, unsere “Zitadelle” zu erobern und die Punkte aus Augsburg zu entführen.

 

Es sollte jedoch nicht lange dauern und man klärte uns auf, dass das dritte Brett verwaist bleiben werde, hatte doch ausgerechnet der nominell stärkste Aichacher kurzfristig absagen müssen, sodass keine Zeit mehr verblieben war, einen Ersatz aufzutreiben. Wenngleich dies bedauerlich war, zumal Hannes einem entsprechenden Kräftemessen förmlich entgegenfiebert hatte, so war es doch klar, dass wir damit frühzeitig in Führung gehen würden.

 

Mit dem Andrücken der Uhren ging auch für die Erste endlich die Saison los und man merkte, wie sich in unseren Reihen die Anspannung etwas löste, wofür ein hohes Maß an Konzentration einsetzte. Diese war bitter nötig, denn wir wurden teils mit uns unbekannten Problemen konfrontiert. So mussten Alexander (5. Brett) und ich bereits nach dem dritten bzw. vierten Zug des Gegners eine Auszeit nehmen, um uns mit Ideen und Plänen zu versorgen, waren uns doch die Eröffnungen nicht geläufig. Auch Uli (4. Brett) und Hermann (6. Brett) schienen sich zu dieser Zeit nicht ganz sicher, wohin die Reise gehen würde, weshalb sie sich wenig später am Brett gleichfalls in stille Klausur begaben. Dafür verlief der Beginn bei Andreas (7. Brett) und Jakob (8. Brett) einigermaßen normal und nur Zarko (2. Brett) schien sich seiner Variante absolut sicher zu sein, denn er zog recht flott, worin ihm zu diesem Zeitpunkt sein Gegner in keinster Weise nachstand.

 

Meine umfangreichen allgemeinen Überlegungen sollten nicht unbelohnt bleiben, denn ich fand eine Variante am Brett, die in den 20-er Jahren des vorherigen Jahrhunderts entwickelt worden war, heute aber kaum noch gespielt wird. Letzteres erwies sich als Glücksfall, denn meinem Gegner schien die Fortsetzung nicht bekannt zu sein, weshalb es nun ihm oblag, etwas zu finden, während mir eine Flut gelernter Varianten erspart blieb. Überhaupt entwickelte sich der Kampf sehr gut für uns, wofür sich nicht unbedingt der zwischenzeitlich eingetragenen kampflose Punkt verantwortlich zeichnete, lediglich Hermann schien mit leichtem Nachteil aus der Eröffnung gekommen zu sein – 1:0.

 

Nach bereits zwei Stunden sah es sogar dermaßen gut aus, dass die Höchststrafe für unsere Gäste möglich erschien, hatten doch Jakob, Uli und Zarko je einen gesunden Mehrbauern, ich verwaltete eine Mehrqualität und Hermann war es gelungen, seine Stellung in leichten, aber unangenehmen Vorteil zu wandeln. Die anderen beiden hatten zwar noch nichts mehr, doch verfügten sie über Druckstellungen, die einem Grund zur Zuversicht boten.

 

Als es in Richtung Zeitkontrolle ging, zwischenzeitlich war kein Ergebnis einzutragen gewesen, da setzte eine Phase der Entscheidungen ein, die durch Zarko eingeläutet wurde. Allerdings geschah dies anders, als von den Anwesenden erwartet, denn in Erwartung den gegnerischen König in seiner luftigen Stellung zu erlegen, hatte Zarko die Dame ins gegnerische Lager beordert, wo sie mittels einer überraschenden Ansammlung an Fesselungen verlustigt ging und mit ihr der Punkt – 1:1.

 

Das sollte jedoch der einzige Ausrutscher bleiben, denn Jakob verwandelte kurz danach sicher und Andeas war es vorbehalten, mit einem sehenswerten Matt mit zwei Springern unsere Führung auszubauen – 3:1.

 

Wenig später durfte ich unseren Punktestand um einen weiteren Zähler erhöhen. Mein Gegner hatte versucht, die Stellung geschlossen zu halten, um ein Eindringen meiner Türme zu verhindern. Da ihm das aber nicht gelungen war und sich sein König unvermittelt in einem Mattnetz verfangen hatte, hatte er die Waffen gestreckt – 4:1.

 

Damit nicht genug, denn Hermann und Uli legten zwei Siege nach. Während Hermann davon profitiert hatte, dass dessen Gegner aufgrund des Standes des Mannschaftskampfes ein übertrieben hohes Risiko eingegangen, wofür er von Hermann sehenswert abgestraft worden war, hatte Uli seine positionellen Vorteile mit feinsten Manövern, wirklich beeindruckend, stetig vergrößert und letztendlich sicher verwandelt – 6:1.

 

Nun hätte noch Alexander B. einen schönen Schlusspunkt setzen können, die Stellung hätte es zweifelsfrei hergegeben, aber leider musste er dem vorherigen hohen Zeitverbrauch Tribut zollen, weshalb er des Gegners Remisgebot annahm und damit den Endstand herstellte.

 

Fazit:

 

Mit diesem hohen Sieg haben wir für den weiteren Saisonverlauf eine solide Ausgangslage geschaffen, müssen die anderen Mannschaften die Aichacher doch erst einmal, von dieser Höhe ganz zu schweigen, schlagen. Sollten wir zudem in der nächsten Runde gegen die gleichfalls siegreichen Friedberger nachlegen können, dann wären die Aussichten blendend.

 

Aber jedwede Spekulation bringt uns nicht weiter, heißt es doch nicht umsonst: “Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!”. Und da sich die erfahrenen Friedberger sicher zu wehren wissen werden, werden wir erst nach dem nächsten Spieltag wissen, wie die Aussichten unserer Ersten tatsächlich einzustufen sind.

 

Wer jetzt schon einen Blick in den Ligamanager werfen möchte, der kann sich hier umfangreich informieren.

 

 

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