U20-Bayernliga: 4. und 5. Runde

Entschieden zu wenig

 

 

Das hervorragende Abschneiden unser U20-Mannschaft in der vergangenen Saison, in der sie nur äußerst knapp an der Meisterschaft vorbeigeschrammt war – siehe entsprechenden Bericht – hatte die Phantasie unseres Nachwuchses derart beflügelt, dass man in dessen Reihen die Auffassung vertrat, dass in dieser Spielzeit automatisch mehr möglich sein müsse. Und als dann auch noch Sofie und Uli zu unserer Truppe hinzustießen, da schienen nur noch die starken Oberpfälzer aus Regensburg zwischen den jungen Schachfreunden und dem Titel zu stehen.

 

Doch eine bereits zu Buche stehende Niederlage hat deutlich die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufgezeigt, weshalb sich unser Sechser unvermittelt unter Zugzwang sah, als die erste zentral ausgetragene Runde dieses Jahres stattfand. Denn es galt nicht nur, den Abstand zum amtierenden Meister im Idealfall zu verringern, vor allem wollten sich Alexander B., Jakob, Robert, Sofie, Uli und Zarko vor heimischem Publikum keine Blöße geben.

 

Nimmt man all das als Maßstab, so bleibt leider nichts anderes übrig als zu konstatieren, dass die Umsetzung des hehren Vorhabens komplett daneben gegangen ist, sodass selbst das Minimalziel, nämlich als Vizemeister die Fahrkarte zur Deutschen Meisterschaft zu lösen, in weite, in weiteste Ferne gerückt ist.

 

 

Erstmals in unserer jungen Vereinsgeschichte wurden wir mit der Ausrichtung einer zentralen Runde der U20 beauftragt, was uns ungemein gefreut hat. Wann erhält man schon die Möglichkeit, Bayerns Topteams an einem Ort versammelt zu sehen, ohne dafür lange Fahrten in Kauf nehmen zu müssen?

 

Daher gingen wir seitens der Vereinsführung engagiert zu Werke, um bei den mitgereisten Zuschauern bzw. Betreuern und zuvorderst den Teilnehmern in angenehmer Erinnerung zu bleiben, damit sich in naher Zukunft eventuell gar eine Wiederholung ergibt. Etwas, was aufgrund der verschiedenen positiven Rückmeldungen wohl tatsächlich nicht abwegig ist.

 

Wie dem auch sei, denn in erster Linie ging es an jenem Samstag um Schachpartien und die sich daraus ergebenden Punkte. Hier bescherte uns der Spielplan die Jugend des SK Noris-Tarrasch Nürnberg, die gleichfalls bereits eine Niederlage hatte hinnehmen müssen und sich in der Tabelle als direkter Konkurrent darstellte. Daher war ein Sieg gegen diesen Gegner ausgesprochen wichtig.

 

 

4. Runde: Schachfreunde Augsburg – SK Noris-Tarrasch Nürnberg

 

Ob der Wichtigkeit der Begegnung war es nicht weiter verwunderlich, dass beide Teams in Bestaufstellung antraten. Wobei dies bei uns genau genommen nicht ganz zutraf, hatte sich doch Jakob aufgrund der zeitgleich spielenden vier Mannschaften mit insgesamt 18 Kindern und Jugendlichen etwas kränklich ans Brett geschleppt, um Ausfälle zu vermeiden. Auch Alexander B. war nicht ganz auf der Höhe, wenngleich sich hierfür nicht eine schwächelnde Gesundheit, sondern vielmehr seine bis dato eher magere Punkteausbeute und die damit einhergehende Verunsicherung verantwortlich zeichneten. Beiden Spielern war es ausnahmsweise erlaubt, ihre Partien nicht auszuspielen, sondern ggf. frühzeitig den Remishafen anzusteuern.

 

Kurz nach dem Andrücken der Uhren wurde auch deutlich, dass unsere Recken den Sieg unbedingt wollten, denn an den ersten drei Brettern sprangen Zarko, Uli und Sofie ihre Gegner förmlich an. Etwas gemächlicher, aber keineswegs ambitionslos, legten Alexander B. und Jakob ihre Partien an und nur Robert schien seine Fortsetzung gegen den Skandinavier vergessen zu haben und stocherte etwas im Nebel herum. Aber da er zurzeit vor allem taktisch sehr stark ist, musste man sich um ihn keine Sorgen machen.

 

Nach einer gewissen Zeit jedoch, die Franken hatten den ersten Ansturm überwiegend unbeschadet überstanden, zeigten sich erste Wölkchen am ansonsten strahlenden Augsburger Erfolgshimmel. Zwar hatte Zarko nicht nur die Initiative fest an sich gerissen, er hatte der gegnerischen Stellung auch solche positionellen Wunden zugefügt, dass der Zusammenbruch wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte, wofür Uli für seinen übermotivierten Ansturm in Bedrängnis geraten war und Sofie mehrfach die thematisch richtige Fortsetzung ausgelassen hatte.

 

Wenigstens standen unsere beiden angeschlagenen Spieler, sprich Alexander B. und Jakob, keineswegs schlechter und Robert fing so langsam an, einen Plan zu entwerfen, der diesen Namen wirklich verdiente.

 

Plötzlich, ich hatte eigentlich wie ursprünglich abgesprochen ein Remisgebot an diesem Brett erwartet, verzichtete Jakob nicht nur auf eine etwaige Punkteteilung, er brockte sich eine positionelle Ruine ein, die einem Selbstmord mit Anlauf glich. Dieser Einladung zum Siegen leistete der Gegner nur allzu gerne Folge, sodass die Nürnberger alsbald in Führung gingen – 0:1.

 

Da aber kurz danach durch Zarko der Ausgleich erzielt wurde, er hatte schweren Herzen die Dame für drei Figuren geopfert und anschließend des Gegners Stellung zerpflügt, und sich Uli mittlerweile in ein remisträchtiges Turmendspiel mit Minusbauern hatte retten können bzw. aus den anderen drei Partien zwei Punkte zu erwarten waren, gewann das strahlende Leuchten des Augsburger Himmels wieder die Oberhand – 1:1.

 

Dieses wurde dadurch verstärkt, dass Robert, kaum dass er seiner Kreativität freien Lauf gelassen hatte, mit Sh5 und Sa5 zum Sturm auf des Gegners Stellung ansetzte und diese wie ein Kartenhaus unvermittelt zusammenfiel – 2:1

 

Das war es auch schon mit unserer Herrlichkeit, denn Sofie konnte zwar noch einen halben Zähler beisteuern, indem sie eine Zugwiederholung dazu genutzt hatte, um nicht in Nachteil zu geraten, aber Alexander B. und Uli verteilten verspätete Weihnachtsgeschenke an ihre Gegner.

 

Während Ulis Aussetzer, nachdem er im Vorfeld heroisch das Turmendspiel gehalten hatte, unter die Rubrik “Arbeitsunfall” fällt, ist Alexanders Niederlage äußerst ärgerlich. Denn als die Stellung absolut ausgeglichen gewesen war, hätte er sich spätestens dann an die Anweisung des Trainers erinnern und den Remishafen ansteuern sollen, was der Gegner nicht wirklich hätte vermeiden können. Stattdessen hatte unser Jungmeister die Brechstange ausgepackt, dabei einen Bauern verloren und war von da ca. 50 Züge lang auf etwa 50 Sekunden Restbedenkzeit hängengeblieben. Insgesamt betrachtet eine bittere und gänzlich unnötige Niederlage – 2,5:3,5.

 

 

5. Runde: SC Erlangen – Schachfreunde Augsburg

 

Angezählt ob der Vorstellung in der ersten Runde, ging es nach der Mittagspause gegen ein weiteres fränkisches Team. Dieses hätte gegen unsere Recken wohl ein leichtes Spiel gehabt, zu tief saß die Enttäuschung über die zuvor erlittene Niederlage, allerdings hatten die Erlanger gerade einmal die Hälfte der Bretter zu besetzen vermocht, sodass unser Sechser gleich mit 3:0 in Führung ging. Dass von diesen kampflosen Siegen mit Alexander B. und Jakob gleich zwei angeschlagene Spieler betroffen waren, das konnte eigentlich nur gut für uns sein.

 

Mit diesem 3:0 im Rücken und der Gewissheit, dass nur ein Remis vonnöten war, um zwei Mannschaftspunkt zu erzielen, gingen Zarko, Uli und Sofie an Bretter und taten wenig später Dinge, die ich von solch erfahrenen Spielern nicht, zumindest nicht in dieser Geschlossenheit, erwartet hätte.

 

Es fing alles mit Zarko an, der sich in seiner Leib und Magen Eröffnung vom Ungefähren leiten ließ, sodass anstatt eines kleinen, aber dauerhaften Vorteils für Weiß, ein Entwicklungsvorsprung und Initiative für Schwarz heraussprangen. Tatsächlich sollte es nicht lange dauern, bis der Gegner auch einen materiellen Vorteil in Form eines Bauern im Endspiel erzielte, wodurch unser Spitzenbrett in die Beweispflicht geriet, dass die Stellung noch haltbar ist.

 

Am zweiten Brett war Uli mangels Theoriekenntnissen durch Zugumstellung in den Richter-Rauser-Angriff geraten und schlug, man möge mir diesen schmerzlich anmutenden Vergleich mit dem Boxsport nachsehen, immer wieder mit dem Gesicht zu. Entsprechend stand sein König unter stärkstem Beschuss, während sich der weiße Monarch genüsslich aus der Ferne das Elend seines Kollegen anschauen durfte. Auch dies sah nicht gut aus.

 

Blieb damit noch Sofie, die anfangs auf ihre Hausvariante vertraut hatte, sich aber später dazu hinreißen ließ, einen Angriff unter Figurenopfer loszutreten. Dies sollte sich als nicht unbedingt die beste Entscheidung herausstellen, denn der Gegner verteidigte umsichtig, nutzte geschickt jede Möglichkeit zu einem Entlastungstausch und siegte recht schnell, nachdem auch die Damen vom Brett verschwunden waren – 1:3 aus der Sicht der Erlanger.

 

Nun wäre es nur logisch gewesen, wenn die Franken an Ulis Brett den Anschluss erspielt hätten, aber unser Großer hatte durch Zähigkeit und mit tätiger Mithilfe seines jungen Gegners alle Stürme überstanden und war in einem stark remislichen Turmendspiel, dieses Mal ohne Minusbauern,  gelandet, in welchem sich die Protagonisten schnell auf die Teilung des Punktes einigten, womit eine komplette Blamage definitiv abgewendet war – 1,5:3,5 aus der Sicht der Erlanger.

 

Angesichts dieses Zwischenstandes und der Tatsache, dass Zarko einen Weg gefunden hatte, seinen Minusbauern zu kompensieren, erlosch beim Spitzenspieler der gegnerischen Mannschaft der Kampfgeist und er willigte kurz danach gleichfalls in ein Remis ein – 2:4 aus der Sicht der Erlanger.

 

 

Fazit:

 

Dieser Spieltag hat leider weitere Schwächen unseres Teams offenbart, an denen es dringend zu arbeiten gilt. Anderenfalls werden weitere Möglichkeiten ungenutzt bleiben, was zur Folge hätte, dass die Mannschaft nicht jene Erfolge feiern könnte, die zu erringen sie eigentlich durchaus in der Lage ist. Die letzte Doppelrunde am 10. März wird Gewissheit darüber bringen, in welche Richtung unser Sechser künftig tendieren wird.

 

Der Ligamanager hält wie gewohnt alle Paarungen, Ergebnisse und Partien für alle Interessierten bereit. Viel Spaß. :)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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