Regionalliga Südwest: 5. Runde; SC Sendling I – Schachfreunde Augsburg I

Der nächste Schritt

Nachdem wir im vergangenen Jahr die ersten 4 Spiele der aktuellen Saison in der Regionalliga erfolgreich bestreiten konnten, galt es am 19.01.2020 nach sechswöchiger Winterpause, mit einem erfolgreichen Auswärtsspiel beim SC Sendling die eigenen Aufstiegsambitionen zu untermauern und an das erfolgreiche letzte Jahr anzuknüpfen. Das sollte uns am Ende mit einem 6:2-Sieg auch gelingen, allerdings war dafür auch ein ganz schönes Stück Arbeit nötig und auch die ein oder andere Partie hätte durchaus zu Gunsten unserer Gegner kippen können.

 

Auf den Weg in die Landeshauptstadt machten sich Alex Colovic, Misa, Alex Vuckovic, Thomas, Zarko, Ich (Uli), Arthur und Sofie, also fast unsere nominelle Bestbesetzung. Nachdem wir uns alle in dem riesigen Gebäude zurechtgefunden und den Spielbereich gefunden hatten, konnten mit etwa 5 Minuten Verspätung die Uhren angedrückt werden.

 

Die Eröffnungen waren an den einzelnen Brettern zum Teil sehr unterschiedlich. Während Alex Colovic an Brett 1 mit Weiß erstmal den soliden Abtauschfranzosen wähle, wurde Misa an Brett 2 bereits im zweiten Zug mit einem Bauernopfer konfrontiert. Alex Vuckovic an Brett 3 hatte ebenfalls eine Art Abtauschfranzose am Brett, durfte aber vorübergehend einfach mal einen Bauern mitnehmen. Thomas sah sich mit dem Königsgambit konfrontiert, entschied sich allerdings gegen eine der kritischen Varianten, sodass die Stellung relativ normal blieb. Zarkos Gegner hatte das Pech, eine der Hauptvarianten gegen das Schottische Gambit zu spielen, sodass er wesentlich mehr Zeit in der Eröffnung aufwenden musste, wohingegen Zarko die Theorie doch sehr weit kannte (!) und schon eine angenehme Stellung vorweisen konnte. Mein Gegner wählte einen ruhigen, geschlossenen Aufbau, wobei ich durchaus einiges an Zeit aufwenden musste um mich letztendlich einen halbwegs sinnvollen Plan zu finde. Auch gegen Arthur kam der Franzose aufs Brett, auch hier eher eine ruhige Variante, in der der Gegner früh paar Figuren tauschen konnte und dadurch sehr solide stand. Und an Brett 8 spielte Sofie gegen das Londoner System, eine bekanntlich sehr sichere Eröffnung.

 

In Anbetracht der Eröffnungen und den bisherigen Auftritten in der Regionalliga ist es wohl wenig verwunderlich, dass Zarko den ersten Punkt holte. Er spielte eine sehr thematische, positionelle Partie, die er zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle hatte, auch wenn es ihm am Ende sein Gegner nicht allzu schwer machte. Nichtsdestotrotz ein schöner Sieg, 1:0 für uns und nebenbei Zarkos 14. Sieg im 14. Spiel in der Regionalliga!

 

Wesentlich früher war jedoch schon Misas Partie entschieden: Er hatte den geopferten Bauern sofort wieder zurückgegeben und dadurch eine recht angenehme Stellung bekommen. Wenige Züge später verrechnete sich sein Gegner allerdings und schlug einen vergifteten Bauern, wodurch Misa nach einem feinen Königszug eine Figur gewinnen konnte und schon früh auf Gewinn stand.

 

Kurz nach dem Ende von Zarkos Partie waren auch Arthurs und Thomas´ Partien beendet. Beide endeten im Remis. Während sich bei Arthur fast alles weggetauscht hatte und nur noch jeweils Dame, Turm und 6 Bauern auf dem Brett waren, weswegen die Punkteteilung durchaus in Ordnung ging, war die Endstellung an Brett 4 etwas interessanter. Nachdem sich durch geschicktes Spiel des Sendlingers 2 Leichtfigurenpaare abgetauscht hatten, unterschätzte dieser wohl ein wenig seine wohl doch recht angenehme Position und willigte in ein Unentschieden ein. 1:2 aus Sicht der Gastgeber.

 

Mittlerweile hatte meine Stellung deutlich verändert, immerhin hatte ich durch einen vorgerückten g-Bauern Raumvorteil am Königsflügel und träumte von einem Angriff gegen den weißen König, der auf f1 allerdings bemerkenswert sicher stand. Etwa in dieser Phase der Partie gab ich das Ruder aus der Hand, indem ich mich ziemlich verkopfte und besonders viel Zeit für wenig besondere Züge verbrauchte. Während ich nicht so recht weiterkam, bereitete mein Gegner doch alles für den unvermeidlichen Durchbruch am Damenflügen vor, was angesichts meiner ca. 10 Minuten für etwa 20 Züge nicht allzu spaßig für mich werden sollte.

 

Ungefähr um diese Zeit endete auch endlich Misas Partie. Wie man erwarten konnte brachte er den Sieg mit der Souveränität eines Großmeisters nach Hause. Sein Gegner hätte im Prinzip auch kurz nach dem Figurenverlust aufgeben können, aber da das ja in einem Mannschaftskampf doch etwas unglücklich wirken würde, setzte er die Partie noch etwa 25 Züge fort, was aber auch nicht so viel Spaß gemacht haben dürfte. Neuer Spielstand 3:1 für uns.

 

An Brett 1 und 8 waren die Partie noch im einigermaßen frühen Mittelspiel. Alex hatte recht gutes Spiel und auch früh das Läuferpaar, allerdings stand der Gegner doch erstaunlich sicher. Ich hatte den Eindruck, dass es eine Art Stellung ist, in der beide Seiten ganz gute Chancen haben, aber auch in der der bessere Spieler seine Klasse ausspielen kann. Müsste also ganz gut für uns sein, war also meine Einschätzung, als ich kurz Zeit fand, mich den anderen Brettern zu widmen.

 

Sofies Stellung war auch sehr überzeugend, sie hatte den Gegner am Damenflügen ziemlich eingedrückt und infolgedessen auch eine Qualität gewonnen. Da auf die Schnelle auch kein wirkliches Gegenspiel für den Gegner in Sicht war, wandte ich mich frohen Mutes wieder den mittleren Brettern zu.

 

Doch was für einen Schrecken bekam ich, als ich an Brett 3 bei Alex Vuckovics Stellung vorbeikam! Sein ehemals halbwegs solider Mehrbauer ging durch einen kleinen taktischen Trick des Gegners verloren. Nur wenige Züge später wählte unser FM anstatt eines Sicherungszuges, ähnlich wie vor seinem Bauernrückverlust, eine agressivere Idee, deren taktische Begründung jedoch eigentlich gar nicht funktionieren durfte. Ok, Alex durfte eine Figur mitnehmen aber sein König stand nun im Zentrum im Kreuzfeuer sämtlicher gegnerischer Figuren. Auch sein Gegenspiel war nicht existent und es schien nur eine Frage der Zeit bis er die Partie aufgeben müsste. Auch wenn auf die Schnelle kein Matt zu finden war, musste für Schwarz etwas gehen. Wer die Partie im Ligamanager nachspielen möchte, wird sich beim Blick auf die beinahe zweistellige Stellungsbewertung zugunsten von Schwarz bestätigt fühlen. Es schien mannschaftstechnisch wieder einiges für die Gastgeber drin zu sein.

 

Ich selbst hatte dann allerdings bald gar nicht die Zeit, um mich groß mit den anderen Partien zu beschäftigen, da meine Stellung genug Probleme aufwies. Unmittelbar nach dem absehbaren Bauerndurchbruch des Gegners konnte ich zwar ein paar Figuren tauschen und dabei sogar noch einen, zugegeben recht unwichtigen, Bauern gewinnen, dafür war mein König recht luftig und auch meine Bedenkzeit war auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Eigentlich konnte ich die Stellung noch einigermaßen gut zusammendecken, verlor aber 2 Züge vor dem 40. Zug glatt eine Figur durch einen simplen taktischen Trick und stand dann natürlich klar auf Verlust. Wenige Züge später musste ich dann leider aufgeben.

 

Als ich dann etwas enttäuscht vom Brett aufstand, sah ich, dass auch Alex Vuckovic´s Partie mittlerweile beendet war. Ich ging natürlich vom 3:3 Ausgleich aus und wollte schon zu den letzten verbleibenden Partien schauen, da sah ich, dass Alex anscheinend doch gewonnen haben sollte!

 

Etwas ungläubig stellte ich dann im Analyseraum fest, dass dem tatsächlich so war. Wegen einiger kraftloser Angriffszüge des Gegners konnte Weiß sich überraschend gut konsolidieren. Kurz darauf verbockte schwarz, höchstwahrscheinlich auch in Zeitnot, die Partie komplett, sodass am Ende Alex´ Mehrfigur tatsächlich den Unterschied machte. Der Umstand, dass wir hier mit mindestens 2 blauen Augen davongekommen sind, war wohl ein wesentlicher Faktor in diesem Match – 4:2 für uns.

 

Sofies Stellung, die mehr und mehr in ein Endspiel mündete, schien derweil konstant gut zu sein. Nachdem ihr Gegner versäumt hatte, ihrem schwarzfeldrigen Läufer die Rückzugsfelder zu nehmen, und anschließend die Damen tauschte, hatte Sofie bei der sehr souveränen Verwertung ihrer Mehrqualität wenig Mühen. Nach der Aktivierung all ihrer Figuren, der Bildung eines starken Freibauers, sowie einem weiteren Turmtausch, konnte Sofie diese ausgesprochen hübsche Partie für sich entscheiden und damit gleichzeitig auch den Mannschaftssieg klarmachen – 5:2 für uns.

 

Bald darauf endete auch Alex Colovic´s Partie, auch hier mit dem besseren Ende für uns. Nach einem Damentausch im frühen Mittelspiel fanden Alex´ Figuren einfach schneller in die Partie. Zusammen mit seinen Bauern am Königsflügel, die ihm auch einen deutlich Raumvorteil brachten, konnte er Stück für Stück seine Stellung verbessern und so im Endeffekt auch die Partie entscheiden. Auch hier eine sehr schöne positionelle Vorstellung, in der Alex viele kleine Vorteile am Ende verwertete.

 

Fazit:

 

Das Endergebnis von 6:2 klingt zwar recht deutlich, allerdings hätte auch die ein oder andere Partie eine andere Wendung nehmen können. Es lohnt sich wie immer sehr, die Partien im Ligamanager nachzuspielen. Am nächsten Spieltag steht ein erneutes Auswärtsspiel in München, diesmal beim MSC 3, an. Auch da gilt es, einen weiteren Schritt in Richtung Aufstieg zu machen.

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