Schwäbische U14-Mannschaftsmeisterschaft

Eine holprige Titelverteidigung

 

Am Samstag mussten unsere “alten Hasen” – Zarko, Erik, Mehran, Johannes und Paul – innerhalb von nur vierzehn Tagen wieder nach Buchloe, um dieses Mal dort den Titel in der U14 zu verteidigen. Dass dies kein Selbstläufer werden würde, das war allen Beteiligten klar, denn neben dem von mir favorisierten “Rotationsprinzip à la Guardiola” gab es ja da auch noch die Mannschaften aus Rain, Wertingen und vor allen Dingen Buchloe.

 

Letztlich sicherte sich zwar unser U14-Team zum zweiten Mal in Folge den Titel des Bezirksmeisters, allerdings spiegelt die Endtabelle nur eine scheinbare Dominanz wider, sodass man sich noch wird deutlich steigern müssen, wenn man auf bayerischer Ebene bestehen möchte. Doch bis dahin ist es glücklicherweise noch ein Weilchen hin und so dürfen sich unsere Nachwuchsspieler zunächst über die Meisterschaft freuen. Glückwunsch! :)

1. Runde:

 

Nach einer erfreulich kurzen Ansprache durch den Spielleiter der SSJ, Alexander Wodstrschil, der anschließenden Auslosung und dem Verlesen der Paarungen wurden die Bretter freigegeben. Unsere Jungs bekamen es dabei mit den Rainern zu tun, die man von zahlreichen Rapidturnieren her bestens kannte. Und während vier junge Schachfreunde um die ersten Punkte kämpften, musste sich Paul zunächst noch mit der Rolle des Zuschauers begnügen, was ihm angesichts seines teils ungarischen Temperaments nicht unbedingt leicht fiel.

 

Doch als er nach kurzer Zeit dessen gewahr wurde, dass seine Kameraden sehr gut standen, da beruhigte er sich schnell und freute sich, als Johannes, Erik, Mehran und Zarko – in dieser Reihenfolge – nach und nach herauskamen und dabei je einen Sieg vermeldeten. Ein 4:0 war ein Einstand nach Maß. :)

 

2. Runde:

 

In der zweiten Runde sollte dann schon die Vorentscheidung fallen, denn da ging es gegen die starken Buchloer, die ihre erste Begegnung gleichfalls mit 4:0 für sich hatten entscheiden können. Hier kam auch gleich die Rotation zur Anwendung, indem für Johannes Paul in die Mannschaft kam, womit nicht nur die Buchloer verwirrt werden sollten, auch erhoffte ich mir dadurch, den U12-Sieger des letzten Rapids, Gregor, besser neutralisieren zu können.

 

Am Spitzenbrett prallten mit Zarko und Uli zwei Giganten aufeinander, die sich aus zahlreichen Trainingsabenden und -partien bestens kannten. Zarko beschritt einen neuen Weg, um Ulis “Franzosen” zu bezwingen, sicherte sich Raumvorteil und versuchte diesen zu einem weiteren Vorteil auszubauen.

 

Dagegen musste sich Erik mit Schwarz gegen Dilans ambitionierten Aufbau zur Wehr setzen, was ihm anfangs auch sehr gut gelang. Doch dann, vollkommen unnötig, stellte er einen lebenswichtigen Zentrumsbauern ein und suchte von da an sein Heil im Königsangriff.

 

Mehran, der ob seiner Ruhe zweifelsohne der unangenehmste Gegner für den jungen Leon war, sprang den Buchloer mit dem Schottischen Gambit von Anfang an an. Die zu erwartenden Komplikationen umschiffte Leon jedoch gekonnt, musste aber dafür eine etwas gedrückte Stellung in Kauf nehmen. Und als Mehran einmal zu schnell gezogen hatte, da winkte Schwarz schon der Gewinn einer Qualität.

 

Am vierten Brett nahm Paul des Gegners Damengambit unter Beschuss, sicherte sich frühzeitig eine Qualität und durfte auch noch ins Endspiel abwickeln. Trainerherz, was willst Du mehr? :)

 

Während dieses kurzen Rundgangs waren nur wenige Minuten vergangen und so kam es, dass ich die Wende im Mannschaftskampf hautnah miterleben konnte. Denn Mehran hatte lange, in den Augen seines Gegners wahrscheinlich zu lange, nach einer Lösung gesucht, bevor er sich für einen Zug entschloss. Dieser hätte ihn zwar nicht vor dem Verlust der Qualität bewahrt, wenn Leon, den vorteilhaften Tausch vor Augen habend, nicht postwendend reagiert hätte, sodass Mehran plötzlich mit einem Mehrbauern bei besserer Stellung aus der Geschichte herauskam. Dies und eine weitere Ungenauigkeit des jungen Buchloers hatten die 1:0-Führung für unser U14-Team zur Folge.

 

Nahezu zeitgleich erhielt Zarko in einem ausgeglichenen Bauernendspiel ein Remisgebot und Pauls Gegner stand kurz vor der Kapitulation. Angesichts des Mannschaftskampfes nahm unser Spitzenspieler das Remis an und sicherte damit den Sieg, hatte doch Paul unmittelbar davor auf 2:0 erhöht.

 

Als dann auch noch Erik  zunächst eine Figur und später die Partie gewann, da stand der, vor allen Dingen in dieser Höhe, glückliche 3,5:0,5 -Erfolg fest und die Jungs fühlten sich schon wie im Schachhimmel. Daran vermochten leider auch meine mahnenden Worte nichts zu ändern, sodass ich den Ereignissen der letzten Runde in dieser Form beiwohnen musste! :(

 

3. Runde:

 

In ihrer überschwänglichen Freude und befreit vom Druck, schließlich benötigte man nur noch einen Brettpunkt und es ging doch nur gegen Wertingen, begaben sich unsere angehenden Schachmeister an die Bretter, wobei dieses Mal Johannes für Mehran am dritten Brett spielte. Doch selbst diese Änderung wurde von den Heißspornen bestenfalls am Rande wahrgenommen.

 

Kaum dass die Bretter freigegeben wurden, ich hatte mich gerade daran gemacht, den Spielbereich zu verlassen, da musste ich mich schon unter gefühlten Peitschenhieben winden. Johannes verriet die “Französische Idee”, spielte offen und landete prompt in schlimmer Lage im Evans-Gambit. Paul schien den Eindruck zu haben, allein am Brett zu sitzen, opferte zwei Bauern bei völliger Ausblendung des Gegners, spielte munter weiter und stellte erschrocken fest, dass er in einem Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern bei vier (!!!!) Minusbauern gelandet war. Und auch der ansonsten grundsolide Zarko verschmähte einen Bauerngewinn in der Eröffnung, zog schablonenhaft und sah sich plötzlich mit einer Qualität im Rückstand. Lediglich Erik bekam die Gelegenheit, sein Schachverständnis zu zeigen, sodass wenigstens hier die Aussicht auf einen Zähler bestand.

 

Was danach geschah, das zu beschreiben, brächte mir den Titel eines Märchenonkels ein, weshalb ich das geflissentlich unterlasse. Auf alle Fälle ging der Kampf letztlich 3:1 zu unseren Gunsten aus – Siegen von Zarko, Erik und Paul stand nur Johannes Niederlage gegenüber – und die jungen Schachfreunde waren nun auch ganz offiziell Bezirksmeister! Nochmals meinen Glückwunsch.

 

Für alle, die alle Ergebnisse genau in Erfahrung bringen möchten oder denen nach weiteren Bildern ist, die werden hier bzw. hier fündig.

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