B-Klasse: 6.Runde; Schachfreunde Augsburg I – SK Göggingen III 6:0

Ein ungleicher Spitzenkampf

 

Am Samstag sollte die Entscheidung hinsichtlich der Meisterschaft in der B-Klasse fallen, für die nur noch die Gögginger und wir in Frage kamen. Und um unseren ersten Erfolg im Spielbetrieb möglichst nicht zu gefährden, hatte unser umsichtiger Mannschaftsführer Bernd alles generalstabsmäßig geplant, weshalb er für die verhinderten Jens und Werner gleich zwei starke Spieler aus der Zweiten einsetzte, nämlich Zarko und Andreas und auf eine Förderung unerfahrener Spieler ausnahmsweise verzichtete. Mit dieser äußerst starken Aufstellung empfingen wir also unsere Gäste aus dem Süden und machten damit von vornherein klar: Wir wollen Meister werden!

 

Trotz aller gewissenhaften Planung wurden wir jäh überrascht, als unsere Gegner eintrafen. Denn nicht nur, dass sie von ihrer Topaufstellung weit entfernt  waren, sie kamen auch noch unvollzählig nach Oberhausen! Und während wir noch mit unserer Verwunderung zu kämpfen hatten, wurde die Spielberichtskarte ausgefüllt, wonach die nächste Überraschung folgte, indem der Gögginger Mannschaftsführer fragte, wer von den anwesenden Spielern denn am zweiten Brett spiele. Als sich Frank daraufhin meldete, da wurde ihm zum kampflosen Sieg gratuliert., wogegen Frank in der Form protestierte, dass er darauf hinwies, dass für die kamflosen Siege eigentlich ich zuständig sei. Doch der zaghafte Protest blieb wirkungslos und so kam es, dass Frank das Coaching übernehmen musste, während sich alle anderen an die Bretter begaben.

 

Kurz nachdem die Uhren angedrückt worden waren, boten sich komplett unterschiedliche Spielverläufe. Denn während Bernds und Isis Gegner schon früh signalisierten, dass sie mit einem Remis zufrieden wären, wurde Andreas von seinem jungen Gegner, sei es aus Unkenntnis oder aus Übermut, mit Schwarz frontal angegriffen und mir wurde das Morra-Gambit vorgesetzt. Lediglich Zarkos Gegnerin schien mit dessen Aufbau nichts anfangen zu können und so kam es, dass sie nach nur wenigen Zügen mit einer Figur weniger weiterkämpfen musste.

 

Dieser Rundgang sollte vorerst mein letzter sein, denn als mir mein Gegner im 8. Zug die Möglichkeit bot, einen weiteren Bauern zu gewinnen, da verfiel ich zur Überraschung meiner Mannschaftskameraden in tiefes Nachdenken. Das war auch bitter nötig, denn mich an das Buch “Schach für Tiger” erinnernd – “Wie man Trampelfanten in die Falle bekommt” – und meinen aktuellen Erfahrungen im Internetschach, wo diese Variante gerade sehr modern ist, schrillten alle Alarmglocken. Nach langem Überlegen und mich auf meine Rechenfähigkeiten verlassend, entschloss ich mich, mich auf den Tanz einzulassen, nur um festzustellen, dass mein Gegner den natürlich anmutenden Zug und eben nicht das logische Folgeopfer brachte. Als er dann noch im 12. Zug einen seiner Türme auf ein vermeintlich falsches Feld stellte, da sah ich mich schon auf der Siegerstraße. Allerdings verflog diese Zuversicht nach nur drei (!!!) weiteren Zügen und ich musste wieder sehr genau rechnen. Und so rechnete ich und rechnete und rechnete ….

 

Zwischenzeitlich hatte Zarko seinen Vorteil technisch sauber verwertet und Andreas war es gelungen, den doch sehr unerfahrenen jungen Mann, von dem wir in Zukunft sicher noch mehr hören und lesen werden, in ein Mattnetz zu locken, sodass wir nun, Franks kampflosen Punkt mit eingerechnet, beruhigend mit 3:0 führten. Auch hatte sich Isis Gegner, mit einer schlechten Stellung und einem Minusbauern konfrontiert, zu einem Figurenopfer hinreißen lassen. Doch Isi ließ sich davon in keinster Weise beeindrucken, machte einige Sicherheitszüge und steuerte Zielstrebig Richtung Sieg. Diesen hätte Bernd bis zu diesem Zeitpunkt auch mehrmals einklagen können, doch man merkte ihm seine Müdigkeit deutlich an – junger Vater und Frühschicht -, weshalb er immer dann, wenn er eine Gewinnstellung auf dem Brett gehabt hatte, vom rechten Weg abgekommen war und einen neuen Anlauf des Gegners Stellung zu stürmen nahm.

 

Nach über 20-minütigem Überlegen hatte ich endlich eine Variante gefunden, um unter Rückgabe eines meiner beiden Mehrbauern und einer damit einhergehenden Tauschorgie in ein gewonnenes Turmendspiel mit ungleichfarbigen Läufern abzuwickeln. Ich führte also meinen 15. Zug aus und konnte mir eine Auszeit gönnen, weil es nun an meinem Gegner war, etwas in der Stellung zu finden. So kam es,  dass ich gerade noch rechtzeitzeitig ans Brett kam, um Isabel zu gratulieren, nachdem ihr Gegner kurz davor aufgegeben hatte. Auch konnte ich eine weitere vergebene Chance bei Bernd bewundern, bevor ich mich wieder an mein eigenes Brett begab, wo ein weiterer Zug gemacht worden war. Dieser wollte aber irgendwie überhaupt nicht zur Stellung passen, weshalb ich selbige nach kurzer Überprüfung als “AEG-Stellung” einstufte. Da ich nun endlich meine Entwicklung bei Beibehaltung meines Materialvorteils beenden konnte, dauerte es nicht mehr lange und um 20.57 Uhr gab nicht nur mein Gegner im 25. Zug auf, sodass wir 5:0 führten, uns war die Meisterschaft auch nicht mehr zu nehmen!

 

Nun hätten wir feiern können, doch da war ja noch Bernd, der mit fortschreitender Stunde weiterhin Möglichkeiten des Siegens ausließ. In dieser Verfassung drohte gar ein Einsteller, sofern der Widerstand des sich tapfer wehrenden Göggingers nicht erlahmen sollte. Also unterstützen wir unseren Kapitän moralisch und so sah sich der allein gelassene Südstädter gefühlten 10000 DWZ-Punkten gegenüber. Doch das schien ihn nur anzuspornen und so zog sich die Partie noch knappe zwei Stunden lang hin bis der Gögginger in nur noch leicht schlechterer Stellung die Zeit überschritt. Damit stand das Endergebnis von 6:0 fest und wir können uns jetzt endgültig Gedanken für die neue Spielzeit machen.

 

Den Göggingern möchte ich zum Mitaufstieg gratulieren und freue mich darauf, wenn wir gemeinsam in der A-Klasse für weiteren Wirbel sorgen werden.

 

Einzelergebnisse:

1. Brett: Vuckovic Aleksandar – Artz Peter                 1:0

2. Brett: Jermann Frank           – Staib Manfred          +:-

3. Brett: Bauer Bernd                 – Reichert Sebastian 1:0

4. Brett: Jermann Isabel          – Artz Tobias               1:0

5. Brett: Vuckovic Zarko          – Artz Joana                1:0

6. Brett: Schädler Andreas     – Schütz Felix                1:0

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