Wie die vier Musketiere
Das Motto „Wer rastet, der rostet!“ im Hinterkopf habend, machten Robert, Zarko und ich uns wieder einmal nach Böblingen auf, um die Schachpause vor dem wichtigen Mannschaftskampf gegen Steppach dazu zu nutzen, in Form zu kommen bzw. zu bleiben. Zu uns gesellte sich Uli, sodass wir als vermeintlich schlagkräftiges Quartett in der verschneiten schwäbischen Stadt eintrafen. Vermeintlich deshalb, weil keinem von uns ein richtig gutes Turnier gelingen wollte und lediglich Uli mit seiner sportlichen Leistung halbwegs zufrieden sein konnte.
Während sich die Nachwuchsstars noch allesamt im B-Turnier tummelten, musste ich aufgrund meiner Wertung im A-Turnier antreten, auch wenn mir die Teilnahme in einem so starken Feld dieses Mal nicht ganz so geheuer war. Warum dem so war, das vermag ich nicht zu sagen, aber auf Fälle steht fest, dass man manchmal auf sein Gefühl vertrauen sollte. Doch dazu später.
– Robert; „An Härte gewonnen!“:
Hatte Robert letztes Jahr noch Dank des Trainings und seiner gewonnenen Reife, er war ein Schüler einer weiterführenden Schule geworden, ein tolles Resultat im C-Turnier erzielt, so hieß es dieses Mal, sich die Sporen im B-Turnier zu verdienen und sich für künftige Herausforderungen zu rüsten.
Bereits in der ersten Runde zeigte er, dass er sich bereits auf dem richtigen Weg befindet, denn er erspielte sich aus der Eröffnung heraus eine tolle Stellung und dominierte die Partie. Doch leider zeigte er mit der Zeit gewisse Ermüdungserscheinungen, sodass ihm nach langem Kampf tatsächlich ein gravierender Fehler unterlief, der ihn um den wohlverdienten Sieg brachte. 🙁
Doch davon unberührt, er hatte ja eigentlich alles richtig gemacht, ging er in die zweite Begegnung, die er sehr forsch anlegte. Man war schon während der Partie versucht zu sagen, dass alles zu forsch war, weshalb auch eine baldige Ruine nicht wirklich überraschte. Allerdings geschah dann Roberts „Wunder von Böblingen“, indem sein Gegner im Rahmen einer Strafexpedition, Roberts Monarch stand kurz vor dem Matt, schlichtweg die eigene Dame vergaß und sie sich ohne jedwede Kompensation schlagen ließ. Dusel! 😉
In der Folge kämpfte, tat und machte er, aber es zeigte sich, dass seine Gegner für ihn noch einen Tick zuviel Erfahrung vorzuweisen hatten, weshalb er nach acht kampfbetonten Runden mit 3/8 geführt wurde. In der Schlussrunde wollte er noch einmal alles geben, dies hatte er zumindest während des Frühstücks gesagt, aber leider war hier eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn nach fünf Schachtagen waren seine kleinen Akkus leer und er willigte recht bald in das dargebotene Friedensangebot ein, das in seiner Verfassung einfach zu verlockend daherkam.
Unabhängig von der Anzahl der erzielten Punkte, die mit 3,5/9 nicht gerade berauschend klingen, kann man aufgrund der überwiegenden Anzahl der Partien das Turnier für Robert als Erfolg werten. Sollte er die neu gewonnene Zähigkeit konservieren, dann wird sich noch so mancher Gegner in der Kreisliga II gegen ihn warm anziehen müssen. 🙂
– Uli; „Solide, aber auch (zu) großzügig!“:
Für Uli bot sich nach dem AFRO im Sommer, das er krankheitsbedingt mit 2/2 hatte abbrechen müssen, endlich wieder die Gelegenheit, an einem großen Open teilzunehmen. Dabei schien ihm das Schicksal dieses Vergnügen nicht gönnen zu wollen, denn nur wenige Tage vor dem Turnier, hatte er sich bei einem Unfall schlimme Verletzungen zugezogen, wodurch seine Teilnahme gefährdet war.
Aber was ein echter Schachspieler ist, der lässt sich selbst von einer gebrochenen Nase nicht vom Brett fernhalten, sodass Uli frohgemut zur ersten Runde antrat. Diese legte er auch vorbildlich an, doch schien er sich noch nicht an sein Handicap gewöhnt zu haben, lässt es sich doch nicht anders erklären, dass er zunächst den Faden und später die Partie verlor. Ausgesprochen schade! 🙁
Der zweite Tag mit den Runden zwei und drei sollte ihn aber dafür entschädigen, denn er gewann beide Partien mit großer Leichtigkeit – jeweils unter 30 Zügen – und fand sich unvermittelt in der Spitzengruppe wieder. 🙂
Dass er dort aus hingehörte, das demonstrierte er in der vierten Runde, in der sich zum wiederholten Male gegen einen nominellen Favoriten eine gute Stellung erarbeitete. Allerdings wehrte sich der Gegner nach Kräften, vermochte wahrscheinlich dadurch auszugleichen und als Uli ein bestimmtes Läufermanöver unterließ, da musste er sogar noch mit ansehen, wie seine Stellung nach und nach zusammenbrach.
Die nachfolgenden beiden Runden absolvierte er wieder im Schongang – zwei schön herausgespielte Siege -, bevor er in der 7. Runde wieder auf nennenswerte Gegenwehr stieß. Hier wollte sich einfach auf keiner Seite ein Vorteil manifestieren, sodass man sich letztlich friedlich trennte. Ein Frieden, der in der anschließenden Runde bestensfalls nach den ersten Zügen möglich gewesen wäre. Denn schon sehr früh gingen beide Seiten kompromisslos aufeinander los, wobei dieses Mal der Gegner den besseren Durchblick gehabt hatte, weshalb Uli erstmals vollkommen verdient die Segel streichen musste.
Und weil diese Art von Partien bekanntlich sehr viel Spaß bereiten, sollte in der Schlussrunde eine weitere Partie dieser Art folgen. Dafür war es natürlich förderlich, dass Uli ausgerechnet auf Altmeister Josef Rieder (Stuttgarter Schachfreunde) traf, gegen den ich vor 28 Jahren an selber Stelle als Jüngling angetreten war. Die Begegnung hielt, was sie versprochen hatte, auch wenn sich dieses Mal noch der Altmeister mit taktischem Geschick in einem verlorenen Endspiel in ein Dauerschach zu retten vermochte.
So schloss Uli das Turnier mit 5/9 ab, wobei die Punkte deutlich unter den Möglichkeiten blieben. Dessen ungeachtet ist es doch sehr beruhigend, dass er trotz des Umstandes, dass er gesundheitlich bei weitem nicht auf der Höhe war, kein Glück bemühen musste, sondern gezeigt hat, dass demnächst mehr Punkte folgen werden. In dieser Verfassung wird er eine große Stütze für den geplanten Buchloer Aufstieg in die Schwabenliga II sein. Weiter so! 🙂
– Zarko; „Noch kein Weg aus der Krise!“:
Dass Zarko schon seit Monaten seiner Form hinterher läuft, das liegt sicher nicht nur an den Umstellungen in seinem Repertoire und seiner geringen Turnieraktivität. Dennoch hoffte er, durch eine Erhöhung der Anzahl seiner Turnierteilnahmen, beide Probleme mit einem Streich zu lösen. Entsprechend sehnte er das Böblinger Open förmlich herbei.
Motiviert bis in die Haarspitzen ging er in die erste Runde und errang auch einen schönen Erfolg, den zu wiederholen ihm in der zweiten Runde nicht glückte, klammerte ihn sein erfahrener Gegner förmlich ab.
In der dritten Runde rückte er unverdrossen mit seiner neuen Waffe an, verhedderte sich etwas, befreite sich mit einer erstaunlichen Kampfmoral und erreichte trotz einer zwischenzeitlich verlorenen Qualität eine tolle, wenngleich ungewöhnliche Stellung. Diese schätzte er, wer will es ihm ob seiner Jugend verdenken, falsch ein, sodass er anstatt weiter anzugreifen und wahrscheinlich zu gewinnen, auf Verteidigung umschaltete und verlor. Wirklich sehr bedauerlich! 🙁
Mit einer hohen Erwartungshaltung an sich, was bekanntlich selten ein guter Wegbegleiter ist, ging er in die vierte Begegnung, konnte aber trotz guter Stellung nicht durchzubrechen. Deshalb entschloss er sich zu einem zweifelhaften Opfer, wobei sich die damit verbundenen Hoffnungen nicht erfüllten und er verlor. Die 1,5/4 waren alles andere als er sich vorgestellt hatte.
Entsprechend verkrampft ging es weiter, woran auch drei Siege in Folge nichts ändern konnten. Schuld daran war die Qualität seiner Partien, mit der er äußerst unzufrieden war. Als dann noch hinzu kam, dass er eine endlich wieder gut geführte Partie in der achten Runde ins Remis verdarb, da hatte er sichtlich genug. Und nur so ist es zu erklären, dass er, wenigstens eine richtig gute Partie spielen wollend, in der Schlussrunde in der Eröffnung einen für ihn absolut untypischen Figureneinsteller fabrizierte, wonach er sofort aufgab. 🙁
Seine 5/9 muten passabel an, doch sind sie in Anbetracht der Partien nicht gar so hoch zu bewerten. Trotzdem war es gut für ihn, in Böblingen mitgespielt zu haben, hat er so doch nicht nur ein Mehr an Spielpraxis, er hat auch ein besseres Verständnis für seine neuen Systeme entwickelt und neue Ideen verarbeitet.
Gerade das ist wichtig, um sich weiterzuentwickeln und in neue Sphären vorzustoßen. Also Kopf hoch und ab zum nächsten Turnier! 🙂
– Alex; „Ein schachlicher Offenbarungseid!“:
Wie eingangs erwähnt, fühlte ich mich dieses Mal der sportlichen Herausforderung nicht gewachsen und hätte meine Anwesenheit nur auf meine Funktion als Betreuer beschränken sollen. Da ich das aber nicht gemacht habe, erlebte ich das schlechteste Turnier, an das ich mich erinnern kann.! 🙁
Es begann bereits in der ersten Runde, als ich mich dazu hinreißen ließ, gleich in der Eröffnung einen deutlichen Vorteil erzielen zu wollen. Daran ist ja grundsätzlich nichts Verwerfliches, sofern dieses Vorhaben mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg ausgestattet ist. Davon war aber in meiner Partie nie die Rede, sodass ich schon bald eine Ruine verwalten durfte. Dass ich aber am Ende nicht die wohlverdiente Niederlage habe unterschreiben müssen, das hatte ich nur dem Entgegenkommen meines Gegners zu verdanken.
Ich versuchte diese Partie abzuhaken, schließlich durfte ich ja auch einmal Glück haben, aber was danach kam, das war viel schlimmer! Immer wieder stellte ich etwas ein und stand anrüchig bis komplett auf Verlust. Insgesamt in sieben meiner neun Partien, wobei die Krönung dieser „Leistung“ in der vierten Runde geschah, wo ich zwischenzeitlich auf Matt gestanden hatte und mich in ein verlorenes Turmendspiel mit Minusbauern „retten“ durfte, das ich in beidseitiger Zeitnot sogar noch gewann. 🙁
Aus diesen sieben verlorenen Stellungen durfte ich mit Glück, unbeschreiblich viel Glück, ganze fünf Punkte holen, sodass ich laut Tabelle ein relativ normales Turnier gespielt habe. Aber Papier ist bekanntermaßen geduldig und in diesem Fall schmeichelhaft. Deswegen blicke ich dem nächsten Turnier entgegen, das schachlich nur besser sein kann. Ob auch zeitgleich der sportliche Erfolg zurückkehren wird, das wird sich allerdings noch zeigen.
– Schlusswort:
Trotz der dieses Mal gemachten sportlichen Erfahrungen kann ich nach wie vor dieses Turnier all jenen nur wärmstens empfehlen, die sich auf eine starke Gegnerschaft freuen und kurze Wege zum Turniersaal schätzen, bietet doch das Hotel für Schachspieler ein großes Kontingent an günstigen Zimmern. Dies und das rührige Team der Böblinger, das stets um das Wohlergehen der Teilnehmer besorgt ist, sollte zur Teilnahme animieren. Wenn es dann auch noch gelingen sollte, die Platzverhältnisse großzügiger zu gestalten, dann wäre es ein perfektes Turnier. 🙂
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