Ein Ritter und drei Knappen
Obwohl mittlerweile schon über einige Mannschaftskämpfe berichtet wurde, stellte doch die Bayerische Meisterschaft im Schnellschach (Oberliga bzw. Landesliga Süd) für uns die eigentliche Saisoneröffnung dar.
Zwei lange Jahre mussten wir darauf warten, was uns nicht gar so schwerfiel, harrten wir doch in der angenehmen Rolle des Titelverteidigers aus. Entsprechend ambitioniert gingen wir ins Turnier, wurden rasch vom hohen Ross geholt und trudelten am Ende mit unserem Vierer als deutlichst geschlagener Dritter ein.
Kein gutes Omen für die Herausforderungen des Ligabetriebs, wo wir doch eigentlich glänzen wollen. Aber wenn gleich drei von vier Spielern fernab der üblichen Form waren, dann werden die Ansprüche eher früher als später heruntergeschraubt werden müssen.
Wenigstens wusste unsere Zweite in der Landesliga Süd mehr als zu überzeugen, denn sie errang in einem kleinen, aber elitären Feld ungeschlagen die Meisterschaft und darf sich nächstes Jahr nur deshalb nicht in der Oberliga versuchen, weil das „Flaggschiff“, das momentan leider eher Ähnlichkeit mit einer abgetakelten Fregatte aufweist, den Aufstieg blockiert. Das soll den Erfolg der Zweiten aber nicht schmälern, weshalb an dieser Stelle ein herzlicher Glückwunsch angebracht ist! 🙂
Trotz der Nähe des Spielorts, unser großer Nachbar im Westen hatte sich als Ausrichter erboten und wieder einmal für hervorragende Spielbedingungen gesorgt, und rechtzeitiger Bekanntgabe des Termins hagelte es Absagen, sodass uns die Befürchtung, wir müssten unterbesetzt antreten, ergriff.
Doch eine letzte E-Mail und einige allerletzte Telefonate sorgten letztlich dafür, dass wir mit einem Vierer und einem Fünfer in der jeweiligen Schnellschachliga auf Punktejagd gehen konnten. Neben meiner Wenigkeit handelte es sich dabei um Christian, Dominic, Kevin, Maximilian, Simon, Uli, Vadim und Zarko.
Am Ort des späteren Geschehens angekommen, schlossen wir uns der Enttäuschung des ausrichtenden Vereins an, denn abgesehen von den wackeren Recken des SC Roter Turm blieben alle Münchner Vereine dem Turnier fern, was das jeweilige Teilnehmerfeld entsprechend schrumpfen ließ. In der Landesliga hatte dies zur Folge, dass dort gerade einmal fünf Teams an den Start gingen, von denen drei eine zweite Mannschaft eines in der Oberliga vertretenen Vereins waren.
Nach einer kurzen Abstimmung, ob angesichts des kleinen Teilnehmerfeldes mit einer reduzierten Rundenzahl im Vergleich zur Ausschreibung gespielt werden solle, fiel die Entscheidung zu Gunsten der ursprünglichen Planung, sodass es in der Oberliga bei einem Siebenründer blieb. Dies galt natürlich nicht für die Landesliga, wo angesichts der geringen Anzahl die Wahl zwangsläufig auf ein Rundenturnier fallen muuste.
Oberliga:
In Anbetracht meines desolaten Zustandes bestand ich darauf, ausnahmsweise nicht nach Wertung aufzustellen, setzte Zarko vor mich ans Spitzenbrett und dahinter reihten sich Vadim und Uli ein. Eine starke Truppe, die gleich zu Beginn ein deutliches Zeichen gegen den SK Mering setzen wollte.
Allerdings wollten sich die Meringer mit der ihnen zugedachten Rolle nicht begnügen, kämpften erbittert und standen plötzlich mehr als gut. Zarko war unter Druck geraten, ich hatte nicht einmal einen klitzekleinen Vorteil, Vadim kam überhaupt nicht zur Entfaltung und Uli lavierte noch.
Plötzlich kippte der Wettkampf, indem Altmeister Neiß völlig grundlos zum schachlichen Selbstmord mit Anlauf ansetzte, Altmeister Krug einen Turmgewinn verschmähte und Uli doch noch zu einem seiner gefürchteten Attacken ansetzen durfte. Wir gewannen diese drei Partien und nur Vadim musste sich geschlagen geben.
Ein deutlicher Warnschuss, der in der zweiten Runde einen Nachklang im Wettkampf gegen den SC Bavaria Regensburg fand. Nach packendem Spielverlauf führten wir 2:1 und nur noch meine Partie lief. Ich hatte zunächst einen gesunden Mehrbauern gehabt, vermochte aber mittels meines fidemeisterlichen Spielverständnisses nicht nur den Bauern zu verlieren, vielmehr verdarb ich auch noch das Remis, indem ich schlicht zuviel wollte und dafür sehenswert abgestraft wurde.
Keine guten Voraussetzungen, um in der mittlerweile zum „classico“ stilisierten Begegnung gegen den Traditionsverein SC Tarrasch Nürnberg zu bestehen. Beruhigend war nur, dass mir, ganz wie es sich gebührt, gegen meinen alten Bekannten Thomas Kirchner, wieder einmal die weißen Steine zuteil wurden. Überraschenderweise kamen Uli und Zarko nicht über ein Remis hinaus. Dafür verbuchte Vadim seinen zweiten Zähler in Folge, womit es wieder mir oblag, einen zusätzlichen Punkt zu sichern. Nun, ich tat wie davor alles, um dies zu verhindern, indem ich in Remisstellung gleich zwei Bauern einstellte. Aber Thomas hatte offensichtlich Mitleid mit mir und anstatt diese zu nehmen, stellte er lieber einen Turm ein.
So konnte es bei mir nicht weitergehen, weshalb ich mir gelobte, die nächsten Runden endlich ein gutes Schach aufs Brett zu bringen. Und das gelang mit bisweilen auch, denn in den drei darauffolgenden Partien erspielte ich mir einen Vorteil von insgesamt +17, wobei in keiner Partie weniger als +4 für mich zu Buche stand. Grandios, wie ich daraus drei Remis erspielte und damit das Team zwei Mannschaftspunkte kostete.
So verloren wir gegen die SG Fürth und gegen den späteren Turniersieger SC Gröbenzell mit 1,5:2,5 und nach meinem dritten Remis konnte ein Zuschauer nicht mehr an sich halten und schmetterte mir die bedeutungsschwangere Frage entgegen, warum ich denn nicht Matt gesetzt habe. Selbstredend, weil es unter meiner Würde ist, eine Partie derart profan zu beenden!
Nach diesen Vorstellungen gebrochen, schob ich in der letzten Runde meine Klötzchen, verlor entsprechend sang- und klanglos, weshalb ich auch nichts dazu beitrug, den letzten Wettkampf zu gewinnen und unseren Vierer aufs Treppchen zu hieven.
Herzlichen Glückwünsche an den SC Gröbenzell und den SC Bavaria Regensburg zur Meisterschaft bzw. Vizemeisterschaft.
Einzelergebnisse:
– Zarko: Holte nach anfänglichen Schwierigkeiten souverän 6,5/7 und es war ungemein beruhigend, ihn vorne sitzen zu haben.
– Alex: Dafür, dass das Brett eigentlich nur besetzt war, waren die 3,5/7 wahrlich beeindruckend. Oder kennt sonst jemand ein Freilos, das die 50%-Marke erreicht hat.
– Vadim: Blieb am 3. Brett mit 4/7 unterhalb seiner Möglichkeiten, kämpfte aber kompromisslos, weshalb drei Niederlagen vier Siege entgegenstehen.
– Uli: Was war los mit Uli? Uli musse gewinne die Meisterschaft alleine! 😉 – frei nach Trappatoni! Ernsthaft, die 2,5/7 sind nicht einmal ansatzweise das, was der junge Mann abrufen hätte können.
Landesliga Süd:
Kevin, Maximilian, Christian, Dominic und Simon standen vor dem Dilemma, eine faire „Rotation“ bei nur vier zu spielenden Runden auszuknobeln. Schnell kam man jedoch überein, dass es wohl mannschaftsdienlicher wäre, wenn die ersten drei Bretter durchspielten, während man nur am vierten Brett auf die „Rotation“ zurückgriffe.
Gesagt getan und genau diese Vorgehensweise sollte den maximalen Erfolg bringen. In den ersten drei Runden wurden drei klare Siege eingefahren, wobei Kevin bzw. Christian für die Unentschieden zuständig zu sein schienen.
In der Schlussrunde rissen sich alle noch einmal am Riemen, nahmen einen guten Anlauf und beendeten das Turnier mit einem formvollendeten 4:0-Sieg, der ihnen den Turniersieg bescherte. Wie schön! 🙂
– Kevin: Seine 3/4 bei Ausbleiben jedweder Niederlage sind beachtlich und empfehlen ihn für neue Aufgaben. Sollte Thomas nicht wieder ins Team zurückkommen, dann wüsste ich, wenn er in der Ersten ersetzen könnte.
– Maximilian: Unser wortkarger Niedersachse holte sich mit einer stoischen Ruhe Punkt um Punkt, was in der Endabrechnung 4/4 hieß. Noch ein Kandidat für die Erste, wenngleich es aktuell leider nur ein Brett zu ersetzen gibt.
– Christian: Mit 3/4 war er genau der Mann, der der Hintermannschaft jene Stabilität verlieh, die unter anderem für diesen Erfolg ursächlich war. Weiter so!
– Dominic und Simon: Dass diese beiden Spieler in einem Atemzug genannt werden, das liegt keineswegs darin begründet, dass ihnen nicht der nötige Respekt entgegengebracht wird. Im Gegenteil! Noch am Turniertag aktiviert, gingen sie an die Bretter, holten je 2/2 und zeigten damit einmal mehr, dass unsere Spielerdecke wesentlich dicker ist, als von vielen angenommen. Klasse!
Fazit:
Ein wahrlich schönes Turnier, das wesentlich mehr teilnehmende Mannschaften verdient gehabt hätte. Bleibt zu hoffen, dass dieses nahezu komplette Fernbleiben der Münchner Teams eine Ausnahme bleibt, weil wir uns ansonsten große Sorgen um die Hauptstädter werden machen müssen.
Einen Bericht mit Ergebnissen, Tabellen und Bretterfolgen gibt es auf der Seite des Ausrichters. Viel Spaß beim Lesen. J
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