Dann stell ich das Schachbrett auf, Nik’laus legt gewiss was drauf

Nikolausturnier 2023

Nikolaus war so was wie der Chuck Norris der Spätantike: Er stellte sich ans Steuer eines Schiffes, das im Sturm in Seenot geraten war, gleichzeitig setzte er noch die Segel und servierte dem Kapitän eine selbst geangelte Bachforelle, die er nebenbei gebraten hatte. Als Nikolaus begraben wurde, quoll am Kopfende des Sargs Öl hervor und am Fußende Wasser. Weihrauch entschwebte seiner letzten Wohnung. Der Sarg verwandelte sich in ein Klavier, das von selbst „Smoke on the Water“ intonierte, lief auf seinen vier hölzernen Beinen zur Grube und versenkte sich selbst.

41 Teilnehmer an unserem Nikolausturnier (Schnellschach, 6 Minuten plus 9 Sekunden Inkrement) vollbrachten ähnliche Wunder, denn plötzlich prallten Läufer wie beim Billard vom Brettrand ab, Bauern schlugen geradeaus und gingen schräg voran, das Brett drehte sich gar wie von Geisterhand für drei Züge herum. Bei „Fritz und fertig“ heißt das Riesenradschach, bei den 41 Nikoläusen war aber Samuel-Schach angesagt, denn sein Kartenset gab die unvermittelten Regeländerungen vor, die in jeder Runde alle paar Minuten verkündet wurden.

So leise wie bei der Ansage der neuen Regeln ist es bei einem Schachturnier selten. So laut wie danach nie. Künftige oder bereits vereidigte Rechtsanwälte gaben sich dadurch zu erkennen, dass sie sogleich den Schiri bestürmten und die Grenzen der neuen Vorschriften zu dehnen versuchten. „Wenn der Läufer vom Rand abprallt, darf er dann zwei Figuren schlagen?“ „Wenn ein Bauer geradeaus schlägt, kann er von der zweiten Reihe aus auch mit einem Doppelzug schlagen?“

So wundersam wie auf den Brettern ging es auch in der Tabelle zu. Die jüngeren Spieler kamen mit dem ausbrechenden Chaos oft besser zurecht. Hilfreich war möglicherweise auch eine eigene eher chaotische Geisteshaltung. Gleichmut (Nikolaus am Steuer des Schiffes in Seenot!) war ebenso eine Tugend, die vorne spielende Teilnehmer auszeichnete.

Nach vier Runden hatten nur zwei Spieler vier Punkte: Dominik und Gabriel. Der Jüngere der beiden setzte sich durch und zeigte in der darauffolgenden Runde, was einen Champion im Riesenradschach (und wohl auch im echten Schach) auch auszeichnet: psychologisches Geschick und Chuzpe. Wenige Züge bevor Jens ihn zwingend matt setzen würde, forderte Dominik vom Spielleiter mit unschuldiger Miene eine Regeländerung, weil es ihm „langweilig“ geworden sei. Dem wurde nachgekommen und kurze Zeit später hatte er auch diese Partie gewonnen.

In der letzten Partie remisierte er schlau und gewann das Turnier somit mit 6,5/7 und großem Vorsprung vor Gabriel, Jens, Vasil, Raphael und Robert (alle 5). Manche der älteren Spieler hatten dabei noch Glück, etwas später ins Turnier eingestiegen zu sein, denn andernfalls hätten sie sich von Dominik vielleicht auch noch vorführen lassen müssen.

Dominik (l.) und Benjamin Schrumpf, auch in der Familienwertung ganz weit vorne, weil die Blodigs, Bruggers, Daos, Kouteckys und Schrimpfs schwächelten oder zu viel Döner im Sinn hatten und die Vučkovićs meinten, hier mit einem einzigen Spieler mithalten zu können

Wie durch ein Wunder endete das Turnier dem Plan gemäß um 21:30. Dass es nur 7 statt 8 Runden dauerte und mit einer guten halben Stunde Verspätung angefangen hatte, war nicht mehr so wichtig, denn die meisten schienen dreieinhalb Stunden Spaß zu haben. Der Nikolaus hätte sicher gern mitgemacht. Schade, dass es nicht klappte, denn seine Plätzchen und Schokolade wären gern gesehen gewesen. So behalf sich die eine Hälfte mal wieder mit Döner, die andere hungerte. Was machte sich in der Schlusstabelle wohl positiver bemerkbar?

Abschlusstabelle (aus technischen Gründen ist die Rundenzahl bei den meisten um eins zu hoch angegeben)

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