04.06
Dieser Tag hatte zwei Parallelen mit dem D-Day, zum einem sind wir in Willingen „einmarschiert“ und zum anderen war die Anreise etwas beschwerlich, natürlich nicht ganz vergleichbar.
Wer sind wir?
Das waren Vincent und meine Wenigkeit.
Vincent hat sich für die Deutsche qualifiziert und ich wäre ursprünglich, auch nur für ihn als Betreuer eingeplant.
Netter Weise wurde ich dann als Landestrainer nachnominiert, was eigentlich nur indirekt mit Vincent zu tun hat, da ich somit noch drei andere Teilnehmer*innen betreuen/(eher) vorbereiten durfte.
In Willingen ankommen trafen wir dann die Anderen, die ich betreuen durfte, erkundeten das Gelände, hielten eine kurze Teambesprechung ab und machten noch einen kurzen Spaziergang.
Allgemein war das Freizeitangebot recht bescheiden, im Prinzip hatte man nur die Auswahl zwischen Tischtennis und Spazieren gehen zwischen den Runden.
Das Freizeitteam vor Ort war stets bemüht, in irgendeiner Form Diversität rein zu bringen, Vincent nutze diese Angebote auch zweimal.
Nach unserem Spaziergang und einem Abendessen gab es schon die Begrüßung, bei der unser Youngstar zum ersten Mal das berühmt-berüchtigte Lied „schwarz oder weiß“ hören durfte.
Nach der Siegerehrung wollten wir möglichst viel Schlaf sammeln, da am Folgetag eine Doppelrunde statt fand.
05.06
Nach dem Frühstück ging es dann auch los mit seiner ersten Partie, in der ich nur Mitleid für seinen Gegner empfinden konnte, kurz zusammengefasst:
Matt bei vollem Brett mit Sc4 # nach 22 Zügen.
1/1
In der zweiten Partie bekam er einen etwas ernsteren Gegner, der in dem Versuch Vincent zu überraschen jeglichen Anzugsvorteil aufgeben musste. Dr. Blodig behandelte die Stellung sehr besonnen und erreichte (zumindest für das menschliche Auge) großen Vorteil.
Es hatte den Anschein, als würde das einzige was er an diesem Tag verlöre sein Zahn sein, jedoch im Bestreben seinen Vorteil zu maximieren, übersah er leider einen Gegenschlag, der in letzten Endes die Partie kostete.
In schlechterer Stellung kämpfte er noch mit allen Tricks, doch der Gegner wusste alle Tretminen zu umgehen und kam mit einem blauen Auge und dem Punkt davon.
1/2
06.06
An diesem Tag war nur eine Runde angesetzt.
Er gelang theoretisch in Nachteil, fand dann aber eine nette strategische Idee und knipste den Gegner mit einem hübschen taktischen Schlag aus.
2/3
07.06
Hier bleibt wieder nicht viel zu berichten, es waren erneut 22 Züge und eine saubere Partie der einzige Unterschied zur ersten Runde war, dass er diesmal mit h4 Matt setzte.
3/4
08.06
Diese Partie war sehr interessant, sein Gegner überließ ihm früh das ganze Zentrum und im Prinzip sah es von da an wieder, wie eine Musterpartie. Erwähnenswert ist noch, dass er f5 zog, um dem Gegner jede Hoffnung auf einen Angriff und damit Gegenspiel zu nehmen. Im richtigen Zeitpunkt öffnete er die Stellung mit einem Bauernopfer und wütete im Stile eines echten Blodigs in des Gegners Stellung.
4/5
Die nächste Partie war ein hin und her, leider war sie das nur kurz.
Statt einen Bauern mit Stellung mitzunehmen – (ich wurde sogar während der Runde von einem allseits bekanntem FM und „Pawngraber“ darauf angesprochen,) als ich Vincent, fragte ich weshalb er den Bauern nicht nahm und nach der Analyse waren wir uns einig, dass man ihn hätte nehmen sollen – stellte er eine Qualität und einen Bauern ein.
Das ließ sich der (nominell) starke Gegner nicht mehr nehmen.
4/6
09.06
Nach einem negativen Test, galt es sich dem nächsten Gegner zu stellen.
Es war eine theoretische Debatte, in der Vincent das letzte Wort zu sagen hatte.
Nachdem der Gegner abwich setzte Vincent sehr dynamisch und stark fort (, an dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich selbst nicht begriff wie schlau er eigentlich gespielt hatte, bis er es mir erklärte) . Trotzdem blieb er erfolglos, da sein Gegner danach zwei sehr starke Züge sah, die unser Recke übersah, der erste brachte ihm leichten Vorteil und der zweite gewann zwei Bauern mit Gewinnstellung, die er auch zu verwerten wusste.
4/7
10.06
An diesem Punkt war klar, dass nichts mehr in Richtung Titel zu machen sei, dennoch waren zwei Partie vor uns.
In der achten Runde holte er den wichtigsten Zähler, zwar war es ergebnistechnisch nicht mehr so interessant, jedoch spielte der Gegner London. Nachdem er in der Eröffnung locker Ausgleich holte, drückte er eine remisliche Stellung bis er sich mit einem vollen Punkt belohnen konnte.
5/8
Am Abend gab es noch einen netten internen Konditionsblitzwettkampf zwischen unserem und Janas Team, das wirklich Spaß gemacht hat und noch wichtiger natürlich: wir haben gewonnen.
11.06
Letzte Runde und im Prinzip letzter Tag.
Vincent eröffnete tricky und konnte sich früh den Vorteil des Läuferpaars sichern, dass er diese Partie nicht gewonnen hat ist mir immer noch ein Rätsel.
Im Gegenteil sie verlief genauso wie die vorherige nur unglücklicher Weise andersum.
5/9
12.06
Die Abreise dauerte noch länger als die Hinreise und war auch um einiges anstrengender, gut war jedoch, dass wir angekommen sind und Vincent keine Partie mehr spielen musste, wobei er schon noch gewirkt hat, als könne er noch.
Am Bahnhof wurden wir dann von unseren beiden Dads empfangen, was ein schöner Abschluss für ein schönes Turnier (sowohl schachlich, als auch nicht schachlich) war.
Ich würde mich freuen Vincent und auch gern andere Schachfreunde nächstes Jahr wieder auf der Deutschen zu betreuen.
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