Gersthofen – SFA 4, Kreisliga 2, 2. (?!) Spieltag

Ein Kampf auf Biegen und Brechen

Nach unserem fulminanten Neuanfang (7 – 1 gegen Friedberg II) wollten wir in Gersthofen nachlegen. In der Kreisliga 2 spielen schließlich nur noch sechs Mannschaften und jede Begegnung zählt umso mehr. Erneut hatten wir aber Aufstellungssorgen. Noch am Donnerstag und Samstag mussten zwei Spieler aus verständlichen Gründen absagen, aber Raphael und äußerst kurzfristig Gunter sprangen ein – herzlichen Dank dafür! Zum Glück können wir solche Ausfälle dank unserer vielen Spieler stets fast ohne Qualitätsverlust schließen. Zudem hatten wir durch verschiedene Turniere und Ligaspiele mehr Praxis als der Nachbar aus dem Norden.

Die sehr erfahrene Gersthofener Truppe allerdings spielte fast in Bestbesetzung und das verhieß einen anstrengenden Abend für uns, denn an sieben Brettern war uns der Gegner nach DWZ überlegen, meist sogar deutlich. Vor allem galt das für die ersten fünf Bretter. Unser Plan war also, vorne standzuhalten und hinten zu schauen, was geht. Die nachfolgenden Beobachtungen zu den Spielen gehen fast ausnahmslos auf Lukas zurück, da der Verfasser zu vertieft in seine eigene Partie war.

Die abendliche Sonne schien in den Saal des Gasthofs Stern, als die Uhren angedrückt wurden. Auch auf den Brettern war die Stimmung heiter, denn die Eröffnung war zumindest nirgends verpatzt. Jonas gewann früh einen Bauern ohne nennenswerte Kompensation für den Gegner. Gunter stand etwas passiv, aber nicht schlecht. Bei Alex D. wurde das Spiel schnell zweischneidig, da die Frankenstein-Dracula-Variante der Wiener Partie aufs Brett kam und Alex’ einzige entwickelte Figur der König auf f7 war … Dafür dominierte Schwarz das Zentrum. 

Lukas bezeichnet die Eröffnung, die sich bei ihm entwickelte, als „komisch“. Beide Spieler nahmen sich wenig Zeit. Lukas opferte mit Weiß früh einen Bauern und erhielt dafür starkes Figurenspiel, während der Gegner Entwicklungsnachteil hatte. Ein weißer Turm drang zentral auf die siebte Reihe vor. Die Stellung war aber kompliziert und Lukas willigte bald in ein Remis nach Zugwiederholung ein, weil er Kopfschmerzen bekommen hatte. Nach seiner Analyse hätte es für beide Seiten noch interessant werden können. Aber da der Gegner eine Wertungszahl nicht weit unter 2000 hat, war ein frühes Remis an Brett 1 ein ausgezeichnetes Ergebnis, das der Mannschaft Hoffnung machte.

An den übrigen Brettern entwickelte sich durchweg ein zäher Kampf. Nur bei Jonas, dessen zentraler Mehr- und Freibauer langsam vorrückte, schien nicht mehr viel anbrennen zu können. Eine Chance für den Gegner bestand aber eventuell darin, viele Figuren zu tauschen und in ein remisliches Endspiel abzuwickeln. Gunter hatte mittlerweile eine komplizierte Stellung mit gedecktem Freibauern des Gegners, dessen Figuren auch aktiver standen. Aber Gunter suchte Gegenspiel. Raphaels König stand ebenfalls unter Druck, doch die Stellung schien noch zu halten und es gab Chancen für Gegenangriff, die Raphael auch ergriff.

An den anderen Brettern war die Stellung recht ausgeglichen. Alex R. sen. hatte früh in ein Endspiel mit Dame und Turm abgewickelt. Seine Bauernstruktur war dabei etwas schwächer und er hatte lange damit zu kämpfen, den Druck des Gegners zu mindern und seine Figuren besser aufzustellen. Allerdings kam sein Gegner auch nicht recht voran. Alex R. jun. war in eine interessante Stellung geraten, in der er einige Aktivität entwickeln konnte. Seine Doppelbauern auf beiden Flügeln schienen anfällig, doch Alex hatte ganz gutes Figurenspiel. In dieser Phase verbrauchte er allerdings viel Zeit, anders als sein Gegner. Auch Günther hatte eine eher ausgeglichene Stellung, wenn jemand Vorteil hatte, dann war es aber er: Günther drückte am Damenflügel auf einen schwachen Bauern, hatte das Läufer- gegen das Springerpaar. Alex D. hatte seinen König in Sicherheit bringen können, aber der Gegner stellte ihn immer wieder vor ein neues Problem. Mit energischerem Spiel hätte er auch klar in Vorteil kommen können, aber Alex konnte schließlich die Schwerfiguren tauschen und dank aktivem König (4. … Kxf7!!) sah das Endspiel mit Läufer und Springer auf beiden Seiten zumindest nicht nachteilig aus.

Gunter hatte mittlerweile einen zentralen Bauern gewonnen, wodurch auch der gegnerische Freibauer gefährdet schien. Der Preis war aber, dass sein Springer auf Abwege geriet und Turm und Läufer des Gegners sich auf Gunters Grundreihen festsetzten. Das war irgendwann nicht mehr zu halten und ein Qualitätsverlust beendete schließlich die Partie, in der sich Gunter nach längerer Pause sehr gut schlug. Jonas’ neue Dame machte sich neben dem Brett bereits für den bevorstehenden Einsatz warm und sein Gegner sah ein, dass die Partie verloren war. Was Jonas da produzierte, sah wieder einmal sehr souverän aus. Es stand also 1,5 – 1,5.

Es war klar, dass der Mannschaftskampf eng würde, und die übrigen Partien zogen sich entsprechend. Günther war in einem Schwerfigurenendspiel gelandet, das eigentlich nicht schlecht wirkte. Ein Überseher führte dann aber zur Niederlage. Das passiert und mit jeder langen Partie wird die alte Kondition am Brett sicher mehr zurückkommen. Davon kann Alex R. sen. ein Lied singen, der ebenfalls mal eine lange Schachpause eingelegt hatte, sich in seiner Partie nun endlich befreien und in ein Bauernendspiel abwickeln konnte. Mit dieser Wendung der Dinge kam sein Gegner schlecht zurecht. Alex war nun ganz in seinem Element und gewohnt ausdauernd gewann er das Endspiel sicher: 2,5 – 2,5.

Raphaels Gegner hieb indes auf die Uhr ein (man hatte ihm wohweislich eine analoge gegeben) und behandelte Raphaels König ebenso unsanft. Raphaels Gegenangriff schlug leider nicht durch und so musste sich unser Mann an Brett 6 nach hartem Kampf ergeben, worauf sein Gegner sicht- und hörbar hingefiebert hatte. Bei Alex R. jun. hatte sich die Stellung vereinfacht, da Alex gegen seinen erfahrenen Gegner geschickt alle Probleme beseitigt hatte. Auch seine Zeitnot hatte er überstanden. Da es keine Siegchancen mehr gab, einigte man sich auf Remis. Damit stand es 3 – 4.

Alex D. musste in seinem Endspiel mit ausgeglichenem Material nun also einen Gewinnweg finden. Beide Spieler hatten nur noch etwa 20 Minuten und kein Inkrement. Wie der Computer zeigen sollte, gab es auch einen Gewinnweg, doch Alex entschied sich für einen anderen Plan. Die Stellung blieb dennoch kompliziert, mit Mattdrohungen des Weißen mitten auf dem Brett und schwarzer Initiative. Der Gegner entschied sich, seinen Läufer für den Springer zu geben, und Alex konnte die gegnerischen Bauern beider Flügel auf der Felderfarbe seines Läufers festlegen. So gewann er auch einen Bauern. Nur leider brachte das nichts, denn der Mehrbauer war ein Randbauer, dessen Umwandlungsfeld die falsche Farbe hatte. Theoretisch war die Partie schon länger Remis gewesen und nun endete sie so. Die Sonne war auch schon lange verschwunden.

Letztlich hat sich der favorisierte Gegner mit seiner Qualität also sehr knapp durchgesetzt, aber wir haben hart gekämpft und uns gut geschlagen. Details zur Begegung finden sich im Ligamanager (https://www.ligamanager.schachbund-bayern.de/augsburg/ergebnisse/spielplan.htm?ligaId=1818). Als Nächstes spielen wir am 25.06. in Kriegshaber.


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