Kreisliga 2: Gersthofen – Schachfreunde Augsburg V
Nach unserem erfolgreichen Auftakt gegen Göggingen II (4:4) wartete der nächste schwere Brocken auf uns, denn wir mussten nach Gersthofen fahren. Dort hatte die Vierte in der letzten Saison zwar nur knapp und einigermaßen unnötig verloren. Aber nun kamen wir halt als Fünfte und unser Kader sah mehr nach elementarem Endspiel als nach Anfangsaufstellung aus: Nicht nur mussten wir auf mehrere Jugendspieler verzichten, weil die für die U20 im Einsatz waren, sondern es gab auch sonst reihenweise Absagen, sogar noch am Spieltag. Zuletzt schien es, dass wir zu sechst würden antreten müssen. Aber Alexandra und Thomas erklärten sich kurzfristig bereit einzuspringen – die eine zu ungewohnt später Stunde und nach einem anderen Sportturnier, der andere an Krücken und sich noch mit Mühe fortbewegend.
Da einige von uns auch noch die Blitzvereinsmeisterschaft mitspielten, waren nicht einmal alle ganz pünktlich im Spiellokal. Gersthofen trat mit einer wie erwartet starken Mannschaft an. Während sich einige aber noch in der Eröffnung befanden, war die Partie für Thomas schon wieder vorbei. In seiner wohl ersten Partie für eine Achtermannschaft hatte er den Gegner schnell überwältigt. Nach einem sauberen Läuferopfer drang er mit seinem schönen Angriff durch, indem er es ausnutzte, dass der Gegner auf eine Rochade verzichtet hatte. Nach nur 17 Zügen hatte dieser mit einem Minusturm und kaputter Stellung genug gesehen (1:0). Auch bei Dominic an Brett 2 fand die Sache ein schnelles Ende. Sein erfahrenes Gegenüber übersah eine Fesselung und verlor einen Bauern, bald darauf einen zweiten und damit die Partie. Damit hatte Dominic gezeigt, dass die Überlegenheit des Gegners nur auf dem Papier bestand und er an Brett 2 genau richtig aufgestellt war. Gunter hatte an Brett 5 starke Initiative, sein Turm stand auf der vorletzten Reihe des Gegners und auch sonst hatten sich seine Figuren breitgemacht. Dann aber erarbeitete sich der Gersthofener Gegenchancen, und da dieser nach DWZ ebenfalls überlegen war, war es verständlich, dass Gunter in ein frühes Remis einwilligte. So stand es früh 2,5:0,5 für uns. An allen übrigen Brettern sah es eher besser für uns aus. Sollte hier wirklich was für uns gehen?
Bei Jonas an Brett 1 war noch viel auf dem Brett. Zwei Leichtfiguren des 1900er-Spielers waren in seine Rochadestellung eingedrungen, aber Jonas konnte sie vertreiben und hatte einen Mehrbauern. Jedoch blieb die Stellung einigermaßen kompliziert. An Brett 3 stand Alex’ Gegner nach frühem Damentausch beengt, Weiß konnte in der Folge einen Bauern gewinnen und behielt die Initiative. Raphael hatte sich an Brett 4 erst einmal solide aufgestellt, aber seine Figuren harmonierten gut und ließen Angriffspotenzial erkennen. Denis an Brett 6 hatte im Mittelspiel Initiative für einen Bauern und auch hier sah es recht vielversprechend aus. Alexandra schließlich hatte an Brett 7 Königsangriff, nachdem sie mit einem geschickten Turmschwenk eine Schwerfigurenbatterie auf den gegnerischen Monarchen gerichtet hatte.
Als Erstes kam die an diesem Abend sicher schönste Partie zu einem Abschluss. Raphael hatte sich entschieden, nicht wie Carlsen, sondern wie Tal (oder wie Uli) zu spielen, und ein positionelles Figurenopfer im Zentrum gebracht. Der Gegner – mit über 300 DWZ-Punkten mehr als Raphael – musste es annehmen und Raphael hatte dadurch nicht nur eine halboffene Linie für seine Türme auf die gegnerische Rochadestellung, sondern auch kreuzgefährliche Diagonalen für die Dame und einen Läufer. Ein paar taktische Winkelzüge später standen Turm und Dame unmittelbar vor dem König und es war aus. Sollte der Verein sich irgendwann mal umbenennen wollen, so kommt nach dieser Glanzpartie sicher „Offerspill Oberhausen“ in die engere Wahl. 3,5:0,5.
Bei Denis hatte sich die Partie beruhigt und es kam zu einem weiteren Remis, das nur uns weiterhalf, denn somit hatten wir schon mal einen Mannschaftspunkt gesichert (4:1) und der zweite schien fast zwingend zu folgen. Denn Jonas befand sich in einem Doppelturmendspiel, in dem dank Freibauer nur er Gewinnchancen zu haben schien, bei allerdings wenig Bedenkzeit. Alex war ebenfalls in einem Turmendspiel gelandet, sogar mit zwei Mehrbauern. Alexandra stand auch lange überlegen, auch wenn der Königsangriff letztlich nicht durchdrang. Aber irgendwie verlor sie leider nach fast vier Stunden Spielzeit – es war vermutlich eine ihrer längsten Partien bislang, noch dazu abends – den Faden. Ihr berechtigtes Remisangebot schlug der Gegner aus. Danach geriet sie in Nachteil, die Partie entglitt ihr und ging schließlich verloren. Das war persönlich schade, machte aber für die Mannschaft nichts. Und ohne Alexandras Bereitschaft, kurzfristig einzuspringen, hätte es für uns duster ausgesehen. Außerdem zeigte diese über weite Strecken überlegen geführte Partie gegen einen Gegner mit DWZ 1591 ihr Potenzial.
Bei Alex war der Turm des Gegners vorgedrungen und es gab Komplikationen, trotz mittlerweile drei Mehrbauern. Die Engine sollte noch immer eine Gewinnstellung ausweisen, aber Alex wollte nichts anbrennen lassen, machte Remis und holte den zum Sieg fehlenden halben Punkt (4,5:2,5). Jonas hatte mittlerweile nur noch zwei, drei Minuten auf der Uhr, sein Gegner eine halbe Stunde. Ohne Inkrement schien es kaum möglich, das mittlerweile auch recht ausgeglichene Turmendspiel noch zu gewinnen. Doch mit einem Remis wäre sein Gegner nun sicher auch nicht mehr einverstanden gewesen. Als Jonas nur noch Sekunden hatte, fand er sich in einem verlorenen Bauernendspiel wieder. Schade, aber Jonas hat einmal mehr gezeigt, in welcher Liga er eigentlich spielt.
So gewannen wir in Gersthofen mit 4,5:3,5, und das war für die Gastgeber schmeichelhaft. Phasenweise sah es eher nach einem 7:1 aus, was aber auch zu viel des Guten gewesen wäre. Ende Januar geht es für die Fünfte weiter. Da wird sich zeigen, ob wir als Favoritenschreck auch gegen einen Gegner zurechtkommen, der auf dem Papier eher unserer Spielstärke entspricht: Kriegshaber IV kommt in die Zitadelle.
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