Neugier trifft Erfahrung
Im Nebenraum wurde noch über etwaige Regelverstöße diskutiert, unser „Thronsaal“ musste aufgrund der Häufung der Veranstaltungen zweigeteilt werden, als deutlich vor 18.00 Uhr die Protagonisten dieser denkwürdigen Begegnung eintrafen.
Denkwürdig deshalb, weil es sich hierbei um zwei Teams handelte, die in dieser Spielzeit neu formiert wurden. Doch während unsere Recken noch keine große Routine haben entwickeln können, vermochte allein das Spitzenbrett der Gäste, seines Namens Altmeister Eberhard Hager, mehr Turniererfahrung vorzuweisen, als alle Spieler unseres Vierers gemeinsam.
Trotzdem wurde es ein spannender Wettkampf, an dessen Ende eine knappe Niederlage stand. Bedauerlich, denn der Verlauf hatte durchaus Hoffnung geboten, dass wenigstens ein Zähler in Oberhausen verbleibt.
Leider wurde auch diese Mannschaft von der bei uns aktuell herrschenden Personalnot erfasst, weshalb mit Karl nur ein Stammspieler zur Verfügung stand. Und da er eigentlich das vierte Brett zieren soll, war er doch etwas überrascht, als ihm die Verantwortung des Spitzenbrettes aufgebürdet wurde. Ihm zur Seite gestellt wurden Alexandra, Colin und Thomas, die allesamt frohen Mutes waren, wähnten sie sich doch durch den regelmäßigen Besuch des Trainings bestens vorbereitet.
Mit dem Eintreffen der Gäste wurde jedoch schnell klar, dass sich die Friedberger gegen eine achte Mannschaft keine Blöße zu geben gedachten, denn neben dem eingangs erwähnten Altmeister Hager konnte man auch Peter Miller erblicken, womit eine starke Doppelspitze aufgefahren wurde.
Als die Uhren um kurz nach dem offiziell angesetzten Spielbeginn angedrückt wurden, da bot sich den Zuschauern ein überwiegend erfreuliches Bild. Zwar drohte Karl nach nur wenigen Zügen die Segel streichen zu müssen, an der Eröffnungsbehandlung muss dringend gearbeitet werden, doch die anderen Bretter boten Grund zur Freude. Alexandra hatte ihren routinierten Gegner mit einem Gambit angesprungen, Thomas wandelte auf Tarraschs Spuren gegen das Damengambit und Colin spielte in der zweiten Turnierpartie seines jungen Lebens den „Italiener“ umsichtig, weshalb er es auch vermied in die „Schablonefalle“ zu tappen, als sein Gegner ihn mittels Zugumstellungen durcheinander zu bringen versuchte.
Es sollte auch nicht lange dauern, bis man den Eindruck hatte, dass in Oberhausen auch am Abend die Sonne scheint. Ursächlich hierfür war Karl, dem es dank Mithilfe des Gegners gelungen war, die Eröffnung zu überleben und eine höchst interessante Materialverteilung zu erzielen, womit kein Schachfreund mehr schlecht stand.
Im Gegenteil: Alexandra hatte sich einen Mehrbauern erarbeitet und steuerte auf ein klar besseres Schwerfigurenendspiel zu, Thomas drückte mit Schwarz und Colin war gerade dabei den Gegner schwindelig zu spielen.
Colin war es dann auch, der die Partie virtuos zu Ende brachte und so für die Führung unseres Vierers sorgte – 1:0.
Doch dies schien den noch spielenden Schachfreunden nicht gut zu tun. Sie schienen vielmehr ihr bis dato äußerst zielstrebiges Spiel aus den Augen zu verlieren, indem sie offenbar in Richtung Ergebnis dachten. So verlor Karl einen seiner zahlreichen Mehrbauern, Alexandra strebte krampfhaft ein Abtauschen der verbliebenen Schwerfiguren an, was ihr auch zu denkbar ungünstigsten Bedingungen gelang und Thomas vernachlässigte bei aller Offensivkraft die Verteidigung, verlor zwei Figuren und wenig später die Partie – 1:1.
Nun war selbst das Unentschieden in weite Ferne gerückt. In derart weite Ferne, dass es für den Rest des Abends unerreichbar bleiben sollte. Karl und Alexandra mühten sich zwar redlich, aber die komplizierten Stellungen vermochten sie gegen die Routiniers nicht mehr zu halten, was zwei weitere Niederlagen an den Brettern bedeutete – 1:3
Fazit:
Wahrscheinlich war die Enttäuschung recht groß, doch es besteht kein Grund dazu, hatte man doch einem starken Team lange Paroli geboten und sogar kurzzeitig an einem Sieg schnuppern dürfen. Mit dieser Leistung werden die ersten Punkte ganz sicher nicht lange auf sich warten lassen.
Alle Ergebnisse und Statistiken sind wie gewohnt im Ligamanager. Viel Spaß beim Schmökern.
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