Über Unkraut und Kinder
Während im hohen Norden unserer herrlichen Fuggerstadt die letzten strittigen Fragen die Schachregeln betreffend geklärt wurden und sich unsere Achte dem übermächtig anmutenden Vierer aus Friedberg stellte, machte sich eine Schar von acht Spielern gen Süden auf, um der dritten Auswahl des TSV Haunstetten zwei wichtige Punkte abzuknöpfen.
Dieses hehre Ziel wurde letztlich leider nicht erreicht, denn am Ende eines langen, überaus kampfbetonten Abends kam es zu einem Unentschieden, welches mit nur etwas mehr Fortune in einen Sieg für unsere Vierte hätte münden können.
Wir sind entschieden noch nicht in der neuen Spielzeit angekommen, wovon die bisherigen Aufstellungen unserer Mannschaften ein beredtes Zeugnis abgeben. Keine Ausnahme hiervon bildete an jenem Abend unsere Vierte, die mit gerade einmal zwei Stammspielern, namentlich Christian und Vincent, antreten konnte.
Ihnen zur Seite standen Alexander R. jun., Dominic, Jonas, Katarina, Michael und Raphael, also Spieler, die erst in der vergangenen Woche sogar in den Schwabenligen haben aushelfen müssen, wo sie sich wahrlich bewährt hatten.
Damit hatten wir aus der Not heraus plötzlich einen spielstarken Achter, was überaus erfreulich war. Denn trotz aller freundschaftlichen Bande hallten uns noch die Worte des größten Spielleiters aller Zeiten, die Respekt und Frust gleichermaßen zum Ausdruck brachten, in den Ohren, wonach wir Schachfreunde wie Unkraut seien. Kaum muss man eine Mannschaft nach oben passieren lassen, schon kommt von unten eine neue nach. J
In Haunstetten angekommen sorgte unser Team beim Einmarsch in den Spiellokal für zusätzliche Verwunderung bei so manchem Südstädter, welche sich in der nachfolgend geschilderten Szene manifestierte:
Zwei Haunstetter Spieler mustern ihre gerade eingetroffenen Gegner:
– „Was is das jetzt für `ne Mannschaft?“
– „Schachfreunde IV.“
– „Vier?“
– Vier.“
– „Hm“ (kurze Pause) „Sind ja lauter Kinder!“
Tatsächlich handelte es sich bei der Mehrheit der angetretenen Spieler um solche, die auch in unseren zahlreichen Jugendmannschaften auf Punktejagd zu gehen pflegen, was jedoch nicht bedeutet, dass sie das nicht auch im Spielbetrieb der Erwachsenen zu tun vermögen.
Diese Erfahrung sollten die Haunstetter alsbald machen, denn als die Uhren angedrückt wurden, da entbrannte ein echter Wettstreit der Ideen, in dem unsere Jugend, aber nicht nur diese, den Mangel an Erfahrung mit viel Herzblut und vor allem Können wieder wettmachten.
Das heißt, einem jungen Schachfreund wurde an jenem verwehrt, sein Können unter Beweis zu stellen. Es handelte sich dabei um Raphael, dem die Rolle des Zuschauers beschieden war, fehlte doch sein Gegner, womit nach Ablauf der Karenzzeit unser Achter in Führung ging – 0:1 aus Haunstetter Sicht.
Es sollte nicht lange dauern, da baute unser perspektivischer Jugendspieler aus Langweid die Führung aus. War war geschehen? In einer von beiden Seiten flott vorgetragenen Partie landeten die Kontrahenten in einem Schwerfigurenendspiel mit reichlich Bauern auf jeder Seite. Hier sollte die Königssicherheit letztlich den Ausschlag geben. Dominic hatte die Schwäche trefflich zu nutzen gewusst und erwies sich ein weiteres Mal in dieser noch jungen Saison als Erfolgsgarant – 0:2 aus der Sicht der Südstädter.
So hätte es gerne weitergehen können, doch nicht umsonst fürchten wir jedes Duell mit den „Haunis“. Ausgerechnet an jenem Brett, an dem sich zwei Jugendliche gegenübersaßen, geriet unser Alex unter Druck, den er nicht mehr abzuschütteln vermochte. Nach und nach zerbröselte seine Stellung, sodass ihm zum Schluss hin nichts anderes mehr übrig blieb, als die Waffen zu strecken – 1:2 aus der Sicht der Gastgeber.
Ungeachtet des „Anschlusstreffers“ wurde die Hoffnung gehegt, mit einem Sieg nach Hause fahren zu dürfen. Zwar stand Vincent gegen einen äußerst erfahrenen Gegner gedrückt und Jonas hatte gar einen furchtbar schlechten Tag erwischt, aber dafür saß Michael offensichtlich am längeren Hebel und Christian bzw. Katarina standen gar auf Gewinn.
Daher war es auch nicht verwunderlich, als unsere „Amazone“ Vollzug meldete und damit den alten Abstand wiederherstellte. Sie hatte von Anfang an den Gegner beherrscht, hatte ihm auch nicht nur eine einzige Chance zum Gegenspiel gelassen und ihn schließlich ziemlich frustriert von dannen ziehen lassen 1:3 aus der Sicht der Südstädter.
Es blieb jedoch kaum Zeit, sich darüber zu freuen, denn quasi gleich im Anschluss stellte Jonas, der für gewöhnlich für die Teams mittels starken Spiels die Kastanien aus dem Feuer zu holen pflegt, weitere Versuche ein, seine Stellung zu halten, womit die Haunstetter wieder herankamen – 2:3.
Plötzlich ein Paukenschlag! Christian, der gegen den erfahrenen FM Behling lange Zeit alle Register gezogen hatte, drohte zu fortgeschrittener Stunde die Partie zu entgleiten, weshalb er sich mit dem Gegner auf Remis einigte. Ein schöner persönlicher Erfolg, der durchaus hätte noch größer werden können – 2,5:3,5.
Damit nicht genug, denn Vincent, unser Dauerbrenner und „Taktikfuchs“, musste die Überlegenheit seines Gegenübers anerkennen und sich damit eingestehen, dass er noch viele Dinge zu lernen hat. In der Eröffnung hatte er sich nicht ganz auf der Höhe gezeigt, war alsbald in eine unangenehme Stellung geraten und hatte zusehen müssen, wie der Gegner geschickt lavierte, bevor er zum finalen Angriff ansetzte – 3,5:3,5.
Nun hing, wieder einmal, alles von Michael ab, der Schach scheinbar als eine Art „Ersatz-Marathonlauf“ betreibt, wäre er doch anderenfalls nicht regelmäßig jener Spieler, der sich das Kreieren des Endergebnisses vorbehält. Wie dem auch sei, er hatte sich wie eingangs erwähnt, einen kleinen, aber dauerhaften Vorteil gesichert, der den Gegner ständig vor neue Herausforderungen stellte. Allerdings wehrte dieser sich auch bravourös, sodass er immer wieder Michaels Versuche, die Partie siegreich zu gestalten, zu unterbinden wusste. Schlussendlich stand ein Remis zu Buche, welches auch das Unentschieden im Wettkampf zementierte – 4:4.
Fazit:
Eine wirklich spannende Begegnung, die beide Teams im Rennen um den Aufstieg belässt, wobei anzumerken ist, dass in dieser Saison ganz andere „Schwergewichte“ in der Liga zu finden sind, sodass es eher je ein Punkt für den Klassenerhalt sein dürfte.
Natürlich kann man alle Paarungen, Einzelergebnisse und sonstige Statistiken wie gewohnt im Ligamanager finden. Ein Blick lohnt sich gewiss. J
Schreibe einen Kommentar