Kreisliga III: 2. Runde; SV Thierhaupten I – Schachfreunde Augsburg V

Nachts in Thierhaupten

 

 

Einen Mannschaftskampf gänzlich anderer Art durften unsere Recken der Fünften am zweiten Spieltag erleben, denn gegen Thierhauptens erste Auswahl rückten wir in zwei Wellen vor.

 

Das war wahrlich vorausschauend, stand doch wahrscheinlich genau deswegen am Ende eines spannenden Wettkampfs, der vor allem für unsere Jugend als der längste Tag in die Geschichte eingehen dürfte, ein knapper, aber keineswegs unverdienter Erfolg zu Buche. Herzlichen Glückwunsch an alle daran Beteiligten. 🙂

 

 

Bereits die Vorbereitung auf die Begegnung mit dem Spitzenteam der Kreisliga III hatte eine riesige Herausforderung an Spieler und Mannschaftsführer dargestellt. Dies weniger aus sportlicher Sicht, hatte doch niemand die nötige Zeit dazu, sich auf den jeweiligen Gegner einzustellen, weshalb auf die bewährten Systeme vertraut werden musste, als aus logistischer Sicht.

 

Es galt, Spieler von zwei verschiedenen Turnierorten einzusammeln, wurden doch am selben Tag die bayerischen U20-Ligen „angepfiffen“. Und so kam es, dass Werner Jonas, Raphael, Steven und Vincent von Haunstetten aus aufbrachen, während Marika und meine Wenigkeit sich von eben dort nach Oberhausen aufmachten, um Alexander R. jun., Katarina und Michael einzuladen und von der „Zitadelle“ aus in den Norden des Kreisverbandes zu fahren.

 

Soweit der Plan, der jedoch einen gravierenden Schwachpunkt aufwies. Dieser bestand darin, dass die Partien zur Nachmittagsrunde in der U20-Bayernliga erst um 14.45 Uhr freigegeben wurden, was im ungünstigsten Fall hieß, dass alle drei „Oberhauser“ nicht rechtzeitig ins Neue Fischerheim kämen, sofern die Partien nicht spätestens um 18.25 Uhr beendet wären.

 

Ein unvermittelter Anruf während der Hinfahrt ließ aus der Freisprechanlage des Autos vernehmen, dass zumindesteiner der besagten Spieler bereits fertig war. Ausgerechnet Michael, der für gewöhnlich seine Partien maximal auszukosten pflegt, hatte gewonnen, sodass die Fünfte mit mindestens sechs Spielern würde antreten können.

 

Als Marika und ich in der „Zitadelle“ eintrafen, hatte Alexander R. jun. ein Turmendspiel auf dem Brett und Katarina einen überwältigenden bei nur noch vier Minuten Restbedenkzeit bis zur Zeitkontrolle.

 

Wie durch ein Wunder wurden beide Partien alsbald beendet, sodass Alexander R. jun., Katarina, Marika, Michael und ich um 18.28 Uhr im Auto saßen und vom Navi die beruhigende Info erhielten, dass die planmäßige Ankunft um 18.51 Uhr sei – Die Begegnung war auf 18.00 Uhr angesetzt. Auf der Hinfahrt wurden noch einmal drei Minuten herausgeholt, während die drei Helden letzte Tipps vom alten Trainer erhielten.Alles wirkte bestens.

 

In Thierhaupten angekommen wollte es uns jedoch nicht glücken, das neue Spiellokal zu finden, weshalb die Zeit plötzlich gegen uns zu arbeiten schien. Vermutlich hätten wir alsbald die Heimreise antreten dürfen, wenn wir nicht just in dieser Situation einer Einheimischen begegnet wären, die uns einem Engel gleich, den richtigen Weg wies.

 

Um 18.56 Uhr waren dann doch alle Schachfreunde im Spiellokal, wo Jonas, Raphael, Steven, Vincent und Werner bereits reichlich Vorarbeit geleistet hatten. Denn während die Nachzügler zunächst durchschnauften, um anschließend in die Partien zu finden, hatten Jonas und Steven je einen gesunden Mehrbauern. Raphael hatte zwar gleichfalls einen Bauern mehr auf dem Brett, doch schien der Preis hierfür das Folgen einer „Chaostheorie“ zu sein. Vincent dagegen hatte noch nichts Zählbares, war jedoch mit Schwarz bereits am Drücker und nur Werner hatte dem Gegner Ausgleich gegönnt.

 

Zwischenzeitlich lief der Wettkampf etwa zwei Stunden und er begann zu unseren Ungunsten zu kippen. Gleich vier Spieler stellten ohne Not etwas ein. Alexander R. jun. verlor einen Bauern und Jonas bzw. Steven taten es ihm gleich, während Katarina einen schachlichen Selbstmord mit Anlauf verübte und damit quasi den König opferte.

 

Wenigstens stand Werner nach wie vor keineswegs schlechter, Michael hatte gleichfalls keine Mühe, mit Schwarz das Gleichgewicht der Kräfte herzustellen, Raphael hatte in schwieriger Stellung nach wie vor seinen Mehrbauern und Vincent hatte sich mittlerweile eine Qualität erspielt. Noch war alles drin!

 

Unvermittelt trudelte das Ergebnis ein, denn Steven hatte, wohl entnervt ob des Einstellers, Remis geboten, welches der Gegner nach kurzem Zögern in ausgeglichener Stellung annahm – 0,5:0,5.

 

Kurz danach, alle waren in ihre Stellungen vertieft, läutete ein Handy! Wessen Telefon war es bloß? Glücklicherweise jenes des Thierhaupters am Spitzenbrett, womit eine verloren geglaubte Partie unverdienterweise für uns entschieden wurde – 0,5:1,5 aus Thierhaupter Sicht.

 

Dieses Intermezzo stellte jedoch nicht nur den Partieverlauf am ersten Brett auf den Kopf, auch andererorts wurde die Gelegenheit dazu genutzt, unerwartete Entscheidungen zu treffen, die in der Summe plötzlich gänzlich andere als zuvor prognostizierte Ergebnisse erwarten ließen.

 

Jonasens Gegner hatte zwar die richtige Idee, die aber falsch ausgeführt und stand nun mit einer Minusqualität auf Bruch, Michael hatte so manch natürlich anmutenden Zug verschmäht und kämpfte nunmehr um Ausgleich, Raphael durfte unter Beibehaltung des Mehrbauern weiteres Material abtauschen, womit er sich endgültig aller Sorgen entledigte, Vincents Qualität verlor zusehends an Bedeutung und Werner wollte, nachdem er mehrere Remisgebote abgelehnt hatte, mit der Brechstange den Sieg erzwingen. Nur bei Katarina hatte sich nichts geändert und sie steuerte unaufhaltsam ihrer Niederlage entgegen.

 

Allerdings war nicht sie es, die den Ausgleich verursachte, vielmehr war Werner dieses zweifelhafte Vergnügen vorbehalten, der seinen Springer ins Abseits gestellt hatte, um ihn nicht abzutauschen, und anschließend von seinem Gegner sehenswert bezwungen wurde – 1,5:1,5.

 

Dann geschah lange Zeit nichts, zumindest nichts, was das Ergebnistechnische anbelangt, ehe Jonas in Gewinnstellung berechtigterweise einen Sieg durch Zeitüberschreitung reklamierte und das Team wieder in Führung brachte – 1,5:2,5 aus Thierhaupter Sicht.

 

Von nun an wurde endgültig mit offenem Visier gekämpft, denn beide Mannschaften strebten nach dem Sieg. Selbst Katarina, die längst Abgeschriebene, versuchte noch das Unmögliche, nämlich mit Turm und Läufer gegen Dame und zwei verbundene Freibauern zu bestehen.

 

Es folgten Punkteteilungen bei Michael und Vincent. Bei Michael war einfach nichts mehr zu holen und Vincent verzichtete fairerweise darauf, in Remisstellung den Gegner in den ihm verbliebenen sieben Sekunden über die Zeit zu heben – 2,5:3,5 aus Thierhaupter Sicht.

Damit verblieben nur noch Katarina und Raphael. Dunkelste Wolken hatten sich über Katarinas Stellung zusammengezogen, während Raphaels von Caissa persönlich mit einem wohlwollenden Lächeln bedacht wurde. Und so gingen die Partien schließlich auch aus, womit der 4,5:3,5-Sieg unserer Fünften endlich feststand! 🙂

Fazit:

Es war wirklich schön als nichtspielender Kapitän dabei gewesen zu sein. Das bezieht sich nicht nur wahrlich schönen Erfolg gegen eine starke Mannschaft, sondern vor allem auf die angenehme Atmosphäre, die es sogar zuließ, dass man gelegentlich gemeinsam draußen scherzte bzw. eine Führung unter Vorstandskollegen durch das schöne Spiellokal ermöglichte.

Besonders stolz war und bin auf unser fünf Jugendlichen, die selbst in der teils dritten Partie des Tages die Vereinsfarben zu vertreten bereit gewesen waren. Dass unter solchen Bedingungen der ein oder andere Fehlgriff erfolgen kann, das sollte niemanden verwundern. Auf jeden Fall speziell an Alexander R. jun., Katarina, Michael, Raphael und Vincent einen zusätzlichen Dank.

Plötzlich ist das Tor zur Kreisliga II weit aufgestoßen und man darf die aktuelle Tabelle entsprechend genießen. Diese ist wie gewohnt im Ligamanager zu finden. Viel Spaß beim Schmökern. 🙂


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