Landesliga Süd: 1. Runde; SC Garching II – Schachfreunde Augsburg I

Kesselschlacht zu Garching

 

 

Obwohl seitdem reichlich Zeit verstrichen ist, ist es doch wert, über unsere Premiere in der Landesliga Süd nachträglich noch zu berichten.

 

 

Ein wechselhafter und daher spannender, phasenweise gar dramatischer Wettkampf gegen Garchings zweite Garnitur verblasste angesichts jener Turbulenzen, die unser Team im Vorfeld des Saisonauftaktes erfasst hatte.

 

 

Letztlich sorgten unser Kampfgeist und vor allem Caissas anhaltendes Wohlwollen für ein glückliches Ergebnis und das Vermeiden eines Fehlstartes.

 

 

Durch den Aufstieg unserer Dritten in die Schwabenliga II Nord mussten wir erstmals in unserer Vereinsgeschichte gleich drei Mannschaften am selben Tag bemannen.

 

 

Mangelnde Erfahrung mit dieser Situation und vor allem ein Festhalten am ambitionierten „Rotationssystem“ hatten die Anzahl der verfügbaren Ersatzspieler merklich reduziert. Und als uns dann noch eine Welle unglücklicher Umstände erfasste, da durften wir uns gleich an unserer ersten Krise erfreuen.

 

 

Fieberhaft wurde nach Lösungen gesucht, die allesamt, kaum gefunden, wieder verworfen werden mussten, weil neue Hiobsbotschaften einschlugen.

 

 

Am Vorabend der Wettkämpfe stellte sich die Situation dergestalt dar, dass die Erste mit Adnan, Luka, Nikola, Robert, Vadim, Zarko und meiner Wenigkeit mit nur sieben Recken antreten sollte, ein Schicksal, das sie mit der Dritten teilte, damit die Zweite, die auch dieses Jahr wieder unbedingt aufsteigen muss und daher höchste Priorität genießt, das Spitzenspiel gegen den SK Mering bestreiten konnte.

 

 

Diese an sich schon unbefriedigende Situation wurde jedoch weiter verschärft, als zunächst mit Adnan ein „fahrender Spieler“ ausfiel und am Sonntag gegen 8.30 Uhr Vadim aufgrund hohen Fiebers abgemeldet wurde.

 

 

Was tun? Mit nur fünf Spielern gegen die starken Garchinger antreten? Glücklicherweise hatte die Zweite ein Heimspiel, sodass wir – Luka, Nikola ich -, während Robert und Zarko als Vorhut schon längst im Zug saßen, ein Umstand, der noch an Bedeutung gewinnen wird, plötzlich bei Yakiv vor der Tür standen, ihn einluden und mit einer für mich als Fahrer ungewohnten Geschwindigkeit nach Garching rasten.

 

 

Dort angekommen wunderten wir uns, dass unsere Vorhut nicht bereits auf uns wartete, hätte sie doch laut Fahrplan schon längst im Spiellokal weilen müssen. Auch die vorgesehene Sitzordnung verhieß nichts Gutes, denn wir sollten innen sitzen, umzingelt von den Garchingern.

 

 

Ein anderes Augsburger Team, nämlich Haunstettens zweite Mannschaft (Regionalliga Süd-West) hatte bereits mit diesem Schicksal zu kämpfen und sollte in der Folge daran zugrunde gehen. Aber das ist eine andere Geschichte!

 

 

Wie dem auch sei, ich gab die Aufstellung ab, wobei ich mangels Ersatzmöglichkeit kurzerhand Alex und Filip in Abwesenheit nominierte, für die zwei kampflosen Niederlagen um Verzeihung bat und bei dieser Gelegenheit erfuhr, dass auch die Gastgeber nicht vollzählig waren, fehlte bei ihnen doch das Spitzenbrett.

 

 

Damit standen noch vor der Ausführung des ersten Zuges gleich drei Ergebnisse fest und Robert und Zarko waren immer noch nicht da – 2:1 Aus Sicht des SC Garching.

 

 

Dann endlich ging es los! Luka, frischgebackener Großmeister, hatte es mit einem blutjungen FM annährend meines Jahrgangs zu tun, weshalb es nicht weiter verwunderte, dass Weiß nicht gerade die modernste Variante aufs Brett brachte, diese jedoch dennoch ein gewisses Maß an Verständnis erforderte. Ich fand mich ungewohnterweise am fünften Brett wieder und wurde von meinem jugendlichen Gegner mit dem „beschleunigten Drachen“ förmlich herausgefordert, während Yakiv zeitgleich auf den „Pirc“ losging.

 

 

Sogar Nikola saß am Brett und spielte. Allerdings handelte es sich dabei um eine freie Partie, um die das vierte Brett der Garchinger, der bekanntlich kampflos gewonnen hatte, ihn gebeten hatte.

 

 

Etwa 20 Minuten nach Beginn des Wettkampfes trafen endlich auch Robert und Zarko ein. Sie warfen einen Blick in die Runde, aber nicht auf den Spielbericht, stürmten an das jeweilige Brett, legten umgehend los und befanden sich von da an in der irrigen Annahme, dass wir 0:2 hinten lägen.

 

 

Während Zarko seinen Gegner auf 1. e4 mit 1. … e5!?! überrascht zu haben schien, spulte doch unser Topspieler die Theorie im Spanier nur so herunter, wohingegen der Garchinger reichlich Zeit investierte, wurde Robert von einem weiteren erfahrenen FM mit 1. d4 Sf6 2. Sc3!?! kalt erwischt, weshalb er sich, kaum angefangen, eine Auszeit nehmen musste, um seine Strategie festzulegen.

 

 

An den bereits länger bespielten Brettern hatte sich zwischenzeitlich wesentlich mehr getan. Luka hatte sich entschlossen, gegen das weiße Bollwerk anzurennen, ich hatte für alle überraschend auf den guten alten „Maroczy“ zurückgegriffen und wandelte, ohne mir dessen bewusst zu sein, immer noch auf den ausgetretenen Pfaden der Theorie, und Yakiv konnte sich bereits über einen merklichen Vorteil gegen einen weiteren der zahlreichen Garchinger FMs freuen.

 

 

Plötzlich der erste kritische Moment! Zarko, der dank seiner exzellenten Theoriekenntnisse den anfänglichen Zeitnachteil längst wettgemacht hatte, vertiefte sich in die Stellung, was entweder bedeutete, dass er den „Austreter“ suchte oder aber, was eher unwahrscheinlich schien, „out of book“ war.

 

 

Für die restlichen Bretter war dies ein Ansporn, sich noch mehr ins Zeug zu legen, was sich dahingehend äußerte, dass Luka über die f-Linie einen Angriff aufziehen wollte, ich eine Qualität gewann und Yakiv gar einen Figurengewinn für einen starken Angriff verschmähte. Lediglich Roberts Stellung wollte partout nicht gefallen. Ihm war der Übergang zum „Franzosen“ komplett missglückt, weil er in einem Abspiel gelandet war, in dem er überhaupt nicht wusste, wie vorzugehen ist.

 

 

Nach geraumer Zeit machte Zarko endlich wieder einen Zug und läutete damit eine Wende im Wettkampf ein, denn Luka verlor just zu diesem Zeitpunkt einen Bauern, ich offenbarte ein derart ungenügendes Verständnis der Stellung, indem ich mit sinnentleerten Läuferzügen glänzte, dass meinen Mitspielern gefühlt die Tränen in die Augen schossen, und Yakiv hatte den gegnerischen König einen Zug vorm Matt, das der Gegner mit einigen Schachs hinauszuzögern versuchte, und Robert stand nur noch hinten drin.

 

 

Endlich die erste Entscheidung am Brett! Wie sich herausstellen sollte, hatte Yakivs Gegner ausnahmsweise etwas weiter als unser Spitzenspieler der U-20-Bayernliga gerechnet. Die zunächst verzweifelt anmutenden Schachgebote mündeten in einem überraschenden Dauerschach. Bitter, war diese Partie doch die einzige, in der wir überwältigend gestanden hatten – 2,5:1,5 für den SC Garching.

 

 

Völlig genervt von meiner Unfähigkeit, mit einer Mehrqualität Vorteil zu erzielen, entschloss ich mich, selbige unter Gewinn eines Bauern zurückzugeben. Müßig zu erwähnen, dass ich hierfür mühelos die denkbar schlechteste Variante gefunden hatte, weshalb mir die daraus resultierende Stellung überhaupt nicht gefallen wollte. Ich rammte also die Ellenbogen in den Tisch und versuchte, den Mist, den ich angerichtet hatte, wieder geradezubiegen.

 

 

Mittlerweile verwalteten Luka, der gerade einmal läppische drei Bauern weniger hatte, und Robert Ruinen, sodass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis sie die Waffen strecken würden. Selbst Zarko, unser Erfolgsgarant in unzähligen Wettkämpfen, stand anrüchig und so schien eine krachende Niederlage unausweichlich.

 

 

Tatsächlich dauerte es nicht lange und Robert hisste die gefürchtete Sturmflagge mit dem weißen Adler auf weißem Grund. Auch Lukas Partie hatte ein Ende gefunden. Allerdings verließ er freudestrahlend das Brett, was allgemein für eine gewisse Verwirrung sorgte. Was war geschehen? Völlig in den Seilen hängend hatte er ein letztes Mal alles aufgeboten, und das war wahrlich nicht mehr viel, um den gegnerischen Monarchen zu behelligen, was offenbar einen derart großen Eindruck beim ansonsten souveränen Gegner hinterlassen hatte, dass Mehrbauer um Mehrbauer fiel und letztlich eine Punkteteilung erfolgte – 4:2 aus der Sicht der Gastgeber.

 

 

Nun spielten also nur noch Zarko und ich. Einst zwei gefährliche „Wölfe“ jetzt eher herumtapsenden „Wölfchen“ gleichend. Trotz dieser offenkundigen Harmlosigkeit zum Siegen verdammt.

 

 

Meine gesteigerten Anstrengungen hatten dank gütiger Unterstützung des Gegners Früchte getragen, sodass ich kurz vor dem Gewinn eines zweiten Bauern stand. Hier ließ ich mich in freudiger Erwartung eines baldigen Sieges verleiten, den dem Untergang geweihten Bauern zu rasch vom Brett zu nehmen, was mich plötzlich vor die grausame Wahl stellte, einen Läufer oder einen Turm abzugeben. Sollte ich mir etwa wie zwei Wochen zuvor bei der Bay. Schnellschach-Mannschaftsmeisterschaft den hässlichen „Mantel des Versagens“ umhängen müssen? Es sah ganz danach aus.

 

 

Wenigstens über Zarkos Stellung erstrahlte die Sonne! Sein Gegner hatte nicht nur eine vorteilhafte Abwicklung ausgelassen, sondern auch fahrlässig in ein Turmendspiel abgewickelt. Fahrlässig deswegen, weil er vor einigen Jahren ein theoretisches Turmendspiel gegen mich souverän verloren hatte.

 

 

Tatsächlich scheint der Garchinger an dieser Schwäche zwischenzeitlich nicht gearbeitet zu haben, denn binnen weniger Züge kollabierte seine eigentlich ausgeglichene Stellung und Zarko durfte den Anschlusspunkt für uns verbuchen – nur noch 4:3 aus der Sicht des SC Garching.

An meinem Brett tobte der Kampf in einem Endspiel mit ungewöhnlicher Materialverteilung. Meinem Turm und meinen drei Bauern, darunter ein entfernter Freibauer auf der a-Linie, standen je ein Turm, Springer und Bauer entgegen.

 

 

Anstatt es wenigstens zu versuchen, Kapital aus dem eigenen Bauern zu schlagen, entschloss sich mein Gegner, selbigen für ein baldiges Remis zu opfern. Angesichts des Wettkampfstandes ein nachvollziehbares Vorgehen.

 

 

Glücklicherweise fokussierte er sich zu sehr darauf, sodass urplötzlich ein Turmtausch möglich war, der mir einen unaufhaltbaren Freibauern bescherte, was zur sofortigen Kapitulation führte – 4:4!!

 

 

 

Fazit:

 

 

In Anbetracht dessen, dass wir im Vorfeld derart vielen Widrigkeiten ausgesetzt waren und in Unterzahl hatten antreten müssen, ist dieses Unentschieden Gold wert.

 

 

Dies umso mehr, da wir es immer noch in eigener Hand haben, die Meisterschaftsfrage mitzugestalten. Denn eines steht fest, obwohl wir ein Aufsteiger sind, ist doch unser Saisonziel der Aufstieg in die Oberliga.

 

 

Alle Aufstellungen, Paarungen, Ergebnisse und Partien gibt es wie gewohnt im Ligamanager. Viel Spaß! J


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