Ein rechtzeitiger Warnschuss
Zur großen Überraschung des Veranstalters und zur großen Freude der Sportler strömten am Freitag sage und schreibe 35 Teilnehmer, für Augsburger, ja sogar für Schwabens Verhältnisse eine recht üppige Anzahl, in den kleinen Pfarrsaal, der den SC Lechhausen beheimatet. Darunter mit Jakob, Mehran, Robert, Sofie, Zarko und mir auch gleich sechs Schachfreunde, die die Chance nicht ungenutzt hatten verstreichen lassen wollen, sich auf die neue Saison einzustimmen.
Leider sollte sich am Ende lediglich Mehran als ausreichend gewappnet für anstehende Aufgaben zeigen, während der Rest von uns doch mehr oder minder deutliche Schwächen offenbarte. Dies wird wahrscheinlich sogar der Grund dafür gewesen sein, dass M. Romfeld (TSV Haunstetten) mit 6,5/7 das Turnier überlegen gewann, womit er zudem den beeindruckenden Beweis dafür lieferte, dass man Schach auch im hohen Alter auf hohem Niveau spielen kann. Herzlichen Glückwunsch, Michael! 🙂
Als wir in Lechhausen eintrafen, da nahmen wir jene räumliche Enge wahr, die keineswegs Unbehagen, sondern vielmehr wohlige Wärme ausstrahlte. Es war einfach Leben in der Bude und das war gut so. Entsprechend entspannt, ja beinahe harmonisch, war die Stimmung und jeder sah dem Turnier entgegen.
Optimistisch und erfolgreich wie sonst auch bestritt Jakob seine erste Runde, sodass ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass selbst eine längere Sommerpause unserer Frohnatur nichts anhaben könne. Doch danach lief es alles andere als rund für unseren Jungmeister. Die Niederlage gegen den späteren Turniersieger in der zweiten Runde fiel noch nicht ins Gewicht, aber als dann drei weitere folgten und er in den zweifelhaften Genuss eines Freiloses kam, da wurde klar, dass es bis zum 30. September – Saisonstart in der Kreisliga II – noch viel zu tun gibt. Ein Sieg in der Schlussrunde ließ ihn das Turnier mit 3/7 beenden (24. Platz). Das wird schnell wieder!
Einen gleichfalls erfolgreichen Einstand feierte Mehran, der im Duell der Spitzenbretter die Oberhand behalten hatte. Wobei angemerkt werden muss, dass die Wahrscheinlichkeit ein anderes Ergebnis vorgesehen hatte, denn während Mehran am Spitzenbrett unserer neuformierten Dritten in der Kreisliga III antritt, ziert dessen Gegner ein Spitzenbrett in der Schwabenliga I. In der Folge schlug sich Mehran blendend, erkämpfte sich gegen ausschließlich Spieler aus der Schwaben- bzw. Regionalliga insgesamt 2,5/6 und hielt sich lediglich in der 7. Runde an einem schwächeren Spieler schadlos. 3,5/7 und der 18. Platz spiegeln nicht ganz seine tolle Leistung wider. Stark!
Robert durfte gleich zu Beginn des Turniers einen Vater-Sohn-Konflikt austragen, wobei ihm die Auslosung die schwarzen Steine beschied. Es sah zunächst nach einer klaren Geschichte für den nominell favorisierten Papa aus, doch als es dann darum ging, eine Figur einzusammeln, da wurde mir unvermittelt gewahr, dass dieses Vorgehen unweigerlich zum Matt führen würde. Wohlgemerkt zum Matt meines unrochierten Königs! Die anschließende Schlacht vermochte Robert dann nicht mehr ausgeglichen zu gestalten und verlor dieses Mal noch. Von diesem Kampf sichtlich geschwächt verlor er auch gleich die nächste Partie, nur um dann 3/3 folgen zu lassen. Die Aufholjagd war dann wohl doch etwas zu anstrengend, sodass er das Turnier mit 4/7 und dem 16. Platz abschloss. Teils wirklich beeindruckende Partien!
Mit Sofie haben wir auch in der ersten Mannschaft eine Amazone, wobei sie sich noch etwas an die schwäbische Zähigkeit, die anscheinend in der Form im Münchner Raum nicht besteht, gewöhnen muss. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sie nach einem gelungenen Start von 2/3 alle restlichen Partien verlor, was in der Endabrechnung enttäuschende 2/7 und den 33. Platz hieß. Aber für die Bayerische Schnellschachmannschaftsmeisterschaft am kommenden Wochenende war das zweifelsfrei ein gutes Training, sodass sie dort gänzlich anders auftreten werden wird!
Die 2/2 zu Beginn ließen die Hoffnung aufkommen, dass Zarko wieder einmal einem starken Turnier entgegensteuert. Dies wäre wohl auch sicher geschehen, wenn er in den Runden drei und vier nicht zwei vermeidbare Niederlagen, eine davon gegen meine Wenigkeit, hätte hinnehmen müssen. Von da an ließ er die ihm eigene Turnierhärte etwas vermissen, holte aber trotzdem noch 2/3, womit er insgesamt 4/7 erspielte und als Zehnter einlief. Schlechte Tage gehören eben zum Sport, wobei stets tröstlich ist, dass ganz sicher wieder bessere Tage folgen werden!
Mein Turnierauftritt ist schnell zusammengefasst: In der Regel stand ich zu meiner eigenen Überraschung trotz mangelnder Turnierpraxis gut, konnte aber im Laufe der Veranstaltung nie die Schwäche ablegen, den übernächsten Zug zuerst auszuführen. So manövrierte ich mich zielstrebig in Schwierigkeiten oder versaute aussichtsreiche Stellungen ins Remis. In Anbetracht dieser Umstände darf ich die 5,5/7 und den 3. Platz nicht als Erfolg werten, wäre doch bei genauerem Spiel durchaus mehr drin gewesen.
Fazit:
Ein schönes Turnier, das wir gerne wieder besuchen werden. Denn weniger die spontan ausgelobten Preise, neben einem zweiten Jugendpreis wurde noch ein Ratingpreis über (!!!) 1800 eingeführt, als vielmehr die starke Gegnerschaft und die angenehme Atmosphäre machen Lust auf ein Wiederkommen.
Hier geht es zum Bericht des Veranstalters, wo es neben der Abschlusstabelle zahlreiche weitere Photos zu sehen gibt. Viel Spaß. 🙂
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