Etwas Dominanz zeigen
Die jüngst zu Ende gegangenen Mannschaftsmeisterschaften im Schnellschach hatten offenbart, dass sich zwar einzelne Spieler in Topform befinden, andere jedoch dringend einen Schluck aus der „Praxispulle“ nehmen sollten.
Und da die Dunkelziffer der Problemfälle bekanntlich wesentlich größer ist, warben wir eifrig in unserer „Zitadelle“ für diese Meisterschaft, ohne dafür 95 Thesen, warum man mitspielen sollte, ans Tor nageln zu müssen.
Es meldeten sich insgesamt neunzehn Spieler, von denen letztlich aber leider nur elf mitspielten, weil die Lesekompetenz innerhalb unserer Reihen nicht so ausgeprägt ist und uns vor allem die Krankheitswelle nach wie vor zu schaffen machte.
Doch selbst mit dieser reduzierten Teilnehmerzahl stellten wir in Dillingen nicht nur das größte Kontingent unter den insgesamt 37 Spielern, wir wussten auch durch Klasse zu überzeugen, wovon der Gewinn des Titels und der Vizemeisterschaft ein beredtes Zeugnis ablegen.
Wie eingangs erwähnt, wollten sich zunächst neunzehn Schachfreunde ins idyllische Dillingen aufmachen, aber dann wurde leider einem Fahrer der Umstand zum Verhängnis, dass die Meisterschaft erstmals nach Elo ausgewertet werden sollte.
Diese an sich löbliche Neuerung des neuen Spielleiters hatte nur den Nachteil, dass man sich, sofern nicht bereits Inhaber einer solchen, rechtzeitig um eine FIDE-ID hätte kümmern müssen. Eindeutig der Fehler des Schreibers dieser Zeilen, wofür an dieser Stelle nochmals um Nachsicht gebeten wird.
Ein Unglück kommt selten allein, sodass nach einer kurzfristigen Erkrankung eines weiteren Fahrers sich gleich sieben Schachfreunden erst in einem Jahr eine erneute Gelegenheit bieten wird, um Schwabens „Schnellschachkrone“ zu kämpfen.
Der aufmerksame Leser wird nun feststellen, dass die Zahlen nicht übereinstimmen, ergibt doch 19 – 7 nach Adam Riese nicht 12, sondern 11. Tatsächlich war es meine Wenigkeit, die am Turniertag erwachte, feststellte, dass eine Teilnahme zwangsläufig einen schachlichen Offenbarungseid nach sich ziehen müsste und sich deswegen darauf beschränkte, nur als Chauffeur zu fungieren. Traurig, aber wahr.
Aber genug des Wehklagens, wenden wir uns lieber jenem Ereignis zu, das sowohl für Ernüchterung als auch, und diese überwog eindeutig, Freude Anlass bot. Insbesondere bei jenen Teilnehmern, die unsere Vereinsfarben vertraten, die da namentlich Adnan B., Alex R. jun., Domenico, Katarina, Kevin, Michael, Raphael, Simon, Vincent, Vincenzo und Zarko waren.
Der Start verlief selbstredend unterschiedlich, wobei insbesondere jene, denen in den ersten beiden Runden wenig bis nichts gelingen wollte, ausgesprochen froh darüber waren, dass mit mir noch eine Person anwesend war, der sie ihr Leid klagen und von der sie etwas Trost empfangen konnten.
Unabhängig davon hatte es allen Schachfreunden gefallen, weshalb wir uns bemühen werden, unsere „Truppenstärke“ beim nächsten Mal deutlich zu erhöhen. Schließlich wollen wir Schachfreunde doch nur spielen! 😉
Einzelbetrachtung:
– Adnan B.:
Für Adnan begann alles zunächst standesgemäß, indem er zwei Jugendspieler Lehrgeld bezahlen ließ. Dann traf er jedoch auf Zarko bzw. mit Michael auf dessen jüngere Version, holte mit Mühe 0,5/2, was ihn offensichtlich aus der Bahn warf. Ausgerechnet in dieser Phase musste er auch noch gegen Altmeister Baierlein (SC Friedberg) ran, verlor hier ein weiteres Mal und musste damit alle Ambitionen auf einen Spitzenplatz begraben. In der Endabrechnung bedeutete dies 4/7 und der 13. Platz.
– Alex R. jun.:
Alexander ist ein Mitglied unseres U14-er-Triumvirats, welches neben ihm auch noch Michael und Vincent umfasst. Entsprechend hoch waren daher seine Erwartungen, die er dieses Mal jedoch nicht einmal im Ansatz zu erfüllen vermochte. Gerade einmal 2/7 und Platz 36 zeigen schonungslos auf, wie schlecht es bei ihm lief.
– Domenico:
Lange hatte man Domenico im Training gesehen, zu sehr hatten die beruflichen Anforderungen an ihm genagt, weshalb es umso erfreulicher war, ihn wieder am Brett zu sehen. Und wie! Nach anfänglichen Schwierigkeiten, unter anderem musste er in der dritten Runde der sagenumworbenen Spielstärke des Altmeisters Baierlein (SC Friedberg) Tribut zollen, knüpfte er nahtlos an seine alte Spielstärke an, holte 5/7 und belegte damit den 5. Platz.
– Katarina:
Unserer Amazone fehlte es merklich an Spielpraxis, sodass etliche Probleme zeitgleich auftraten. Die Folgen dessen waren fatal, weswegen letztlich nicht mehr als 2/7 und der 33. Platz heraussprangen. Hier gilt es bis zu Beginn der Mannschaftskämpfe etliche Lücken zu schließen.
– Kevin:
Als Kevin zu uns stieß, da machte er eher mit seinen schrullig anmutenden Eröffnungen von sich reden. Mittlerweile hat er uns jedoch nicht nur von diesen, naja, zumindest teilweise, überzeugt, er hat auch gezeigt, wie stark er spielen kann. Daher war es auch nicht weiter verwunderlich, dass er 5,5/7 holte, dabei Zarko quasi „en passant“ an den Rande einer Niederlage brachte und die Vizemeisterschaft holte. Herzlichen Glückwunsch!
– Michael:
Ganz seinem Naturell entsprechend bot Michael auf leisen Sohlen eine Galavorstellung. Zwar verlor er in der ersten Runde und konnte sich in der zweiten gegen Katarina nur mit Mühe behaupten, doch von da an schaltete er den Turbo ein und erst V. Lederle (SC Dillingen), ein bereits in der Oberliga bewährter Spieler, vermochte ihn zu stoppen. Ein Sieg in der Schlussrunde sorgte schließlich dafür, dass sich Michael mit 4/7 über den 15. Platz freuen durfte. Stark!
– Raphael:
An anderer Stelle wurde bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass Raphael ein ganz besonderes Talent, nämlich eine Leistung abzurufen, die irgendwo zwischen Genis und Wahnsinn angesiedelt ist. Dass er selbiges aber auch innerhalb eines eintägigen Turnieres zu bieten vermag, das war, zumindest mir, neu. Mit 3/7 (27. Platz) kratzte er dennoch an der 50%-Marke.
– Simon:
Selten sah man einen Spieler zur Mitte des Turniers hin derart erschüttert wie unseren Simon. Das war aber auch verständlich, hatte er doch in den ersten drei Runde eine lange Rochade hingelegt, wofür er in der vierten Runde mit einem Freilos „belohnt“ wurde. Doch gerade die damit einhergehende Pause gestattete es ihm, sich zu sammeln und für ein versöhnliches Finale zu sorgen, indem er 2/3 – Die Niederlage war wahrlich nicht nötig gewesen. – erspielte, damit 3/7 auf der Habenseite verbuchte und als 29. einlief.
– Vincent:
Zwar klaffen Vincents hochtrabenden Sprüchen und der Wirklichkeit noch Welten dazwischen, aber es gelingt ihm mit jedem Turnier diese immense Lücke zu schließen. Eine Niederlage gegen Kevin in der ersten Runde ließ er drei Siege en suite folgen, unterlag dann aber gegen den späteren Drittplatzierten, zeigte sich davon mit einem Sieg in der Runde danach gänzlich unbeeindruckt und trotzte dem bereits mehrfach erwähnten Altmeister Baierlein (SC Friedberg) ein Remis ab. 4,5/7 und eine Platzierung unter den Top 10 (10. Platz, noch vor FM K. Nuber (SC Dillingen) waren der Lohn für diesen Auftritt. Beeindruckend!
– Vincenzo:
Wenn jemand auf eine beeindruckende Karriere aus zwei Turnierpartien und einem Schnellschachturnier zurückblicken kann, dann darf er natürlich noch nicht zuviel von sich erwarten. Dass aber Vincenzo ungeachtet dessen über eine mehr als solide Spielanlage verfügt, das hatte er in der Vergangenheit nicht nur im Training bewiesen. So war es auch hier, wo er immer wieder aussichtsreiche Stellungen hatte, ihm letztlich aber die Erfahrung fehlte, um den vollen Zähler einzusacken. So behielt er zum Schluss die „rote Laterne“, hätte aber mindestens einen zusätzlichen Punkt verdient gehabt. Das wird noch!
– Zarko:
Ob beseelt von seinem Abschneiden am Spitzenbrett in der Schnellschach-Oberliga oder aber einfach nur stark, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall ging Zarko nur so durch die Reihen, musste sich nur im vereinsinternen Duell gegen Kevin fürs Remis strecken, vermeldete aber ansonsten Punkt für Punkt. Eine weitere beeindruckende Darbietung in seiner noch jungen Wirkungszeit, die ihm mit 6,5/7 und einem ganzen Zähler Vorsprung die Meisterschaft einbrachte. Herzlichen Glückwunsch! J
Fazit:
Man muss sagen, dass das Angebot in Schwaben immer besser wird, weshalb es nicht ganz nachvollziehbar ist, warum so verhältnismäßig wenig Teilnehmer an den Start gegangen war. Diejenigen, die am Turniertag verhindert oder gar erkrankt waren, die werden sich sicher die nächste Gelegenheit nicht entgehen lassen. Und für alle anderen gilt: Bitte die „Corona-Trägheit“ überwinden und wieder an die Bretter kommen! 😉
Einen Bericht gibt es auf der Homepage des Schachverbandes Schwaben, weshalb ich mich hier nur auf die Fortschrittstabelle beschränken möchte. Diese ist wirklich interessant.
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