Schwabenliga 2 Nord: Burlafingen – Schachfreunde III
An einem kalten, verschneiten Dezembertag befahl der Spielplan unsere Dritte auf weite Fahrt nach Burlafingen bei Neu-Ulm. Die Gastgeber waren freundlich, aber auch im Spiellokal war es kühl, denn Energie musste gespart und Frischluft dennoch zugeführt werden.
Mit zwei Punkten aus drei Wettkämpfen spürten wir schon ein wenig Druck. Da war es günstig, dass wir an den vorderen Brettern diesmal gut besetzt waren und zum ersten Mal in dieser Saison mit vier Spielern antreten konnten, die eine DWZ über 1800 haben. Allen voran Max an Brett 1, der auch mal für die Erste spielt, tat unserer Aufstellung gut. Weil Burlafingen ein paar Personalprobleme hatte, waren wir plötzlich sogar leicht favorisiert – das war zuvor nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
Eine schnelle Entscheidung gab es beim stellvertretenden Mannschaftsleiter Christian an Brett 2. Er war gut aus der Eröffnung gekommen, hatte aktive und schön harmonierende Figuren, gewann bald einen Bauern und kurz darauf sogar mit einigen taktischen Wendungen die Qualität. Danach war für seinen Gegner nichts mehr zu holen (1:0). Alex D. an Brett 7 hatte die Eröffnung mit Weiß passiver gespielt als gewünscht, platzierte seine Dame aber zentral ins gegnerische Lager, sodass Schwarz vorerst nicht rochieren konnte. Weiß dagegen hatte bereits lang rochiert und die f-Linie halb geöffnet. Schwarz gab daher einen Bauern ohne Kompensation. Darauf konnte er zwar kurz rochieren, aber das half nicht, denn er lief geradewegs in einen Mattangriff (2:0).
An Brett 1 entwickelte sich eine taktisch geprägte Partie. Max hatte zwischenzeitlich einen Bauern mehr, dafür aber einen zentralen isolierten Doppelbauern, der immer schutzbedürftig war. Die Rochaden auf entgegengesetzten Flügeln brachten zusätzliche Schärfe ins Spiel. Ganz anders sah es bei Günther an Brett 3 aus. In einer geschlossenen Stellung versuchte er die Bauernkette am Damenflügel zu knacken, während sein Gegner dieses Vorhaben am Königsflügel anging, wohin beide auch ihren König gebracht hatten. Günther war dabei erfolgreicher, weil schneller und drang über die c-Linie ein. Bei Lukas an Brett 4 wurde früh viel getauscht. Bauern waren aber noch zahlreich auf dem Brett. Lukas hatte zunächst einen schlechteren Läufer als sein Gegner, dieser hätte zudem vielleicht einen Vorposten auf der einzigen offenen Linie postieren können. Aber entscheidender Vorteil war nicht zu erkennen und dem Burlafinger ging auch die Zeit zur Neige. An Brett 5 hatte sich Alex R. sen. leichten Vorteil erspielt, da seine Figuren gut zusammenwirkten und Alex auch Raumvorteil hatte. Bis zu einem Punkt schien aber noch ein gutes Stück Weg zurückzulegen. Bei Jonas zog sich die Eröffnung an Brett 6 in die Länge. Seine Gegnerin suchte vergebens nach einer Schwäche in Jonas’ Stellung und musste selbst mit einem schlechten Läufer zurechtkommen, der am Damenflügel hinter eigenen Bauern eingekeilt war. Raphaels Partie an Brett 8 schien diejenige zu sein, in der am frühesten eine Vorentscheidung für uns gefallen war. Raphaels Dame hatte am Damenflügel seines Gegners aufgeräumt. Dabei wurde ein Turm vom Brett geputzt und Raphael hatte eine Qualität und einen Bauern mehr. Der große materielle Vorteil täuschte aber, denn die Position war nicht leicht zu spielen. Sein Gegner hatte deutlichen Entwicklungsvorsprung und vor allem konnte Raphael lange nicht rochieren. So musste er sich anhaltend mit seiner Verteidigung beschäftigen.
Nicht viel Zeit verging, bis zwei Partien remis gegeben wurden, was für uns eine gute Entwicklung war. Alex R. hatte gesundheitliche Probleme und willigte in eine Zugwiederholung ein, auch wenn die Mittelspielstellung vielleicht mehr hergegeben hätte. Lukas hatte seinen schlechten Läufer befreien können und keiner der beiden Spieler hatte ernsthafte Gewinnaussichten (3:1). Auch Raphaels Partie ging ihrem Ende zu, allerdings mit ungünstigerem Ausgang für uns. Raphael hatte mehrere Bauern und Felder vor seinem König schwächen müssen. Sein Gegner drang schließlich auf der vorletzten Reihe ein und eine Figur ging verloren. Der materielle Vorsprung verwandelte sich in einen Rückstand und die schwarze Stellung war eine Ruine (3:2).
Dennoch schien für uns alles in Butter. Bei allen drei Partien, die noch liefen, lagen die Chancen eher auf unserer Seite. Günther war zwar fast schon in Zeitnot, aber er hatte ein „octopus knight“ auf e6 gestellt, das seinem Gegner erhebliche Probleme machte. Trotz der immer lauter tickenden Uhr fand er dann für seinen zweiten Springer eine Kombination, die ihm einen zentralen Bauern einbrachte und die Abwicklung in ein gewonnenes Bauernendspiel ermöglichte. Darauf gab der Gegner auf (4:2).
Max hatte mittlerweile die gegnerische Rochadestellung gestürmt und einer seiner Bauern stand auf b7, unmittelbar vor dem gegnerischen König, dem auch kaum andere Figuren zur Hilfe eilen konnten. Zwar waren auch zwei schwarze Schwerfiguren auf den weißen König gerichtet, aber das war am Ende nicht gefährlich und Max’ Dame machte dem Dasein des gegnerischen Königs ein Ende (5:2).
Jonas hatte nach geduldigem Aushalten nun auch endlich die Initiative ergreifen können, als die Partie schon an der Schwelle zum Endspiel war. Der schlechte Läufer war seiner Gegnerin zum Verhängnis geworden. Durch ihn konnte Jonas mit einem Turm am Damenflügel eindringen. Weiß gab noch die Qualität, aber das rettete die Partie nicht mehr (6:2).
Der klare und auch in dieser Höhe verdiente Sieg in der Kälte war für uns ein Befreiungsschlag. Für den Klassenerhalt fehlen zwar noch mindestens zwei Punkte, aber dem Rest der Saison können wir nun deutlich optimistischer entgegensehen. Im neuen Jahr treten wir zunächst gegen Bäumenheim an und ein weiterer Sieg gegen die bisher wenig erfolgreichen Nordschwaben sollte das klare Ziel sein.
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