U20-Bayernliga; 3. Runde

Ein freudloser Sieg

Das vergangene Wochenende bot viele sportliche Glanzlichter, wobei unser Nachwuchs den Anfang machte, indem er gegen den Sechser des VfL Leipheim einen deutlichen und zu keinem Zeitpunkt gefährdeten Sieg einfuhr, der ihm die Tabellenführung bescherte.

Ungeachtet dessen wollte in unseren Reihen keine rechte Freude darüber aufkommen, denn wie wir an jenem Samstag erfahren mussten, war dies wohl unsere letzte Begegnung mit den Nordschwaben, mit denen uns trotz aller Rivalität eine innige Freundschaft verbindet. Doch dazu später mehr.

 

Durch geschickte Verlegungen im Vorfeld und der Spielbereitschaft der Nordschwaben war es uns möglich, noch vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs eine Runde in der Bayernliga zu spielen. Alexander R. jun., Arthur, Behzad, Katarina, Raphael und Robert sollten jene Punkte holen, die der Mannschaft die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung wahren sollten.

 

 

Trotz höchster Spritpreise entschlossen wir uns, mit Pkws anzureisen, ersparte uns das nicht nur etwas Zeit, vielmehr konnten unsere Recken sich noch jene wertvollen Minuten zusätzlichen Schlafs sichern, die sie in den entscheidenden Momentan hellwach agieren lassen sollten.

 

Bestens gelaunt und höchst motiviert trafen wir derart früh im Leipheimer „Schachzentrum“ ein, dass wir zunächst vor verschlossener Tür standen. Dies bedeutete jedoch nicht, dass die dortigen Verantwortlichen zwischenzeitlich tatenlos gewesen waren, im Gegenteil, später konnten wir feststellen, dass der Spielsaal angenehm beheizt war, was im hohen Norden keineswegs selbstverständlich ist, vielmehr dürften noch die letzten taktischen Anweisungen ergangen sein. 😉

 

Als dann auch die Gastgeber eintrafen, da wurde schnell klar, dass die Leipheimer nicht die Absicht hatten, in die Rolle eines guten Gastgebers zu schlüpfen und offensichtlich beabsichtigten, uns mit leeren Händen nach Augsburg abziehen zu lassen. Doch diesen Gefallen wollten wir ihnen nicht tun! 🙂

 

Gleich nach dem Andrücken der Uhren wurde klar, dass die Nordschwaben äußerst fleißig waren, was zur Folge hatte, dass einige unserer Recken mit ungewohnt geringen Vorteilen aus den Startlöchern kamen. So wählte Arthur zwar gegen den „Russen“ einen aggressiven Aufbau mit heterogenen Rochaden und kündigte damit an, dass ein Remis für ihn keine Option sei, aber von Vorteil konnte keine Rede sein.

 

Roberts Gegner hatte sich den „Alapin“ gar besonders genau angeschaut, was zur Folge hatte, dass die schwarzen Figuren zunächst etwas arg unkoordiniert standen. Überhaupt scheint der „Alapin“ in den nördlichen Gefilden hohes Ansehen zu genießen, denn er kam auch bei Katarina und Alexander R. jun. aufs Brett. Doch anders als bei Robert, transformierten sich hre Stellungen von einem „Sizilianer“ in einen „Franzosen“, in dem sie sich der meisten Eröffnungssorgen entledigt hatten.

 

Behzads Stellung wollte schon früh nicht gefallen, denn er hatte unsere Behandlung gegen den „Skandinavier“ vergessen und stocherte eher planlos umher, ohne jedoch dadurch in Nachteil zu geraten. Erstaunlich!

 

Bliebe damit noch Raphael, der den „offenen Sizilianer“ auspackte und durch Zugumstellung in einem „Sveschnikov“ landete, wobei ihm offensichtlich bewusst war, welche Pläne es hier zu verfolgen galt. Ein untrüglicher Beweis hierfür war, dass er den e4-Bauern zu jenem Zeitpunkt nicht eingestellt hatte. 😉 

 

Von da an sollte es noch eine geraume Zeit dauern bis das erste Ergebnis einging, welches da von Katarina kam. Sie hatte sich umsichtig verteidigt, hatte immer wieder auf die Basis der wichtigsten Bauernkette geschielt, ohne wirklich etwas zu drohen, als ihr Gegner plötzlich mit einer ungewöhnlichen Idee aufwartete, die ihn gleich zwei Bauern kostete, ohne dass er eine realistische Chance auf einen Königsangriff erhielt – 0:1 aus Leipheimer Sicht.

 

Dieser Sieg wirkte auf einige unserer Spieler wie eine Aufforderung, unabhängig von der Qualität der eigenen Stellung, die Friedenspfeife zu rauchen. Während das bei Behzad noch in Ordnung war, er hatte im Vorfeld alles versucht, nahm sogar leichte Nachteile in Kauf, um das Feuer, das sich schließlich als Kerzenlicht entpuppte, anzufachen, konnte man Alexander R. jun. und Raphael relativ wenig Verständnis entgegenbringen, die beide völlig gefahrlos auf Gewinn hätten weiterspielen können 1,5:2,5 aus der Sicht der Gastgeber. 

 

Glücklicherweise spielten mit Arthur, der zum wiederholten Male ein Remisgebot abgelehnt hatte, und Robert unsere routiniertesten Spieler, die beide fernab jeder Verlustgefahr standen, sodass man sich bzgl. des weiteren Verlaufs keine Sorgen machen musste.

 

Und wieder einmal zeigten beide, warum sie die Stützen in diesem recht jungen Team sind, denn Arthur, die Hoffnung auf einen Sieg in einem Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern schon beinahe aufgebend, nutzte eine ihm sich unverhofft bietende Gelegenheit, marschierte mit dem König ins Zentrum und gewann ebenso, wie Robert kurz danach.

 

Allerdings war es bei Robert bereits abzusehen gewesen, dass er einen vollen Zähler beisteuern würde, denn nachdem er seine Eröffnungsprobleme gelöst hatte, sicherte er sich immer wieder kleinere Vorteile, die in der Summe des Gegners Stellung unhaltbar machten – 1,5:4,5 aus der Sicht der Nordschwaben. Eine überzeugende Vorstellung! 🙂

 

Doch wie eingangs erwähnt, blieb die Freude überschaubar, denn wie wir erfahren mussten, hatten die umtriebigen Leipheimer bereits Anfang des Monats einen Antrag an den Schachverband Württemberg gestellt, ihre Spiele künftig in Oberschwaben bestreiten zu dürfen.

 

Was nicht nur auf den ersten Blick betrüblich ist, stößt bei verständiger Würdigung auf Verständnis. Jahrelang hatten sich unsere nordschwäbischen Freunde bemüht, der Agonie des Kreises Nordschwaben entgegenzuwirken, nur um festzustellen, dass offenbar alles vergebens war. Wie anders ließe es sich ansonsten erklären, dass in drei nordschwäbischen Ligen gerade einmal elf Mannschaften gemeldet sind, von denen jedoch viele mit kampflosen Niederlagen glänzen?

 

Dabei ist doch gerade der Spielbetrieb das Salz in der Suppe, möchte doch schließlich jeder das Gelernte zum Wohle seines Vereins in den Wettkämpfen zeigen. Wenn das jedoch nicht möglich ist, dann suchen sich die Leute, völlig zurecht, andere Möglichkeiten, wo sie ihrem Sport nachgehen können.

 

Inwieweit diese Erschütterung Nordschwabens Wellen in die benachbarten Kreise Mittelschwaben und Augsburg oder gar den Bezirk Mittelfranken schlagen wird, das wird sich erst noch erweisen. Für die hiesigen Schwaben ist es auf jeden Fall ein herber Verlust, verlieren wir doch neben einem aktiven Verein auch eine Stütze unseres Jugendschachs. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft erahnen.

 

Fazit:

 

In dieser Verfassung ist unser Sechser ein klarer Anwärter darauf, den Titel zu verteidigen. Wenn dann noch der ein oder andere mit etwas mehr Biss zu Werke ginge, wäre der Generationenwechsel unmerklich, hätte man dann auch ein entsprechendes Brettpunktekonto. Aber das ist schon ein Jammern auf hohem Niveau. 🙂

 

Alle Aufstellungen, Ergebnisse, Informationen und vor allem Partien gibt es wie gewohnt im Ligamanager, den ich persönlich nicht mehr missen möchte. Viel Spaß beim Schmökern. 🙂

 


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