Nachdem wir per Freiplatzantrag doch noch eine Einladung zur Deutschen Vereinsmeisterschaft der U20 bekamen, galt es für unsere sieben Spieler – Zarko, Uli, Eli, Erik, Robert, Mehran und Sofie – in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester, ihr Können auf deutscher Ebene unter Beweis zu stellen. Wie sich in den vier Tagen jedoch herausstellen sollte, war die, für Weihnachten typische, Freude am Verschenken wohl leider noch etwas zu groß, um letztendlich unser Potenzial voll ausschöpfen zu können.
Tag 1 (Runde 1)
Unsere ersten Gegner konnten sich ebenfalls eines Freiplatzes erfreuen – SF HN-Biberach 1978. Da wir mit sieben Spielern antraten, musste einer aussetzen. In diesem Fall wollte Eli (ich) die Chance nutzen, um hoffentlich ausgeschlafen ins Turnier zu starten, da sich bei ihm leider bereits vor dem Turnier eine leichte Insomnie entwickelt hat, die ihm im Verlauf des Turniers noch zum Verhängnis werden sollte.
Der erste Spieler unserer Mannschaft, der einen Punkt nach Augsburg brachte, war Robert, der mit einer mächtigen Bauern-Lawine förmlich seinen Gegner überrollte. Bald darauf konnte Mehran, der schon vor dem Turnier lautstark seine Liebe für die sizilianische Drachenvariante verkündete, mit ebendieser Eröffnung seinen Gegner bezwingen. Erik hat seine Partie nochmal spannend werden lassen, indem er seine Mehrfigur tragisch verlor, ließ sich aber natürlich nicht davon aus der Bahn werfen und holte den dritten Sieg in unsere Reihen. Mit den drei darauffolgenden Remis von Sofie, Uli und Zarko gewannen wir die erste Runde deutlich.
Tag 1 (Runde 2)
Die zweite Runde ging gegen die zweitgesetzten Schachfreunde Brackel 1930. Zarko, der überzeugt war, dass wir nach unserem starken Auftakt auch ohne unser erstes Brett gewinnen konnten, legte sich diesmal zur Ruhe. Doch leider fing nun die Zeit des Verschenkens unsererseits an. Robert, der bereits in der ersten Runde auch in den Analysen bewies, dass er vor allem im Mittelspiel sehr starkes Schach spielt, musste leider erkennen, dass sein Wissen in der Eröffnungstheorie noch nicht ausgeprägt genug war, um die Eröffnung zu spielen, für die er sich entschied. Nachdem sein Gegner in eine Nebenvariante abwich, fand er leider nicht den richtigen Plan und musste bald aufgeben. Ganz anders lief es bei Uli, der das erste Brett der Dortmunder sehr schön besiegte und für Punkteausgleich sorgte. Eli hat unter enormen Zeitdruck in einer ausgeglichenen Stellung, die er in seiner Müdigkeit falsch bewertete, unnötig seine Dame für Turm und Läufer hergegeben und somit den Gegnern einen ganzen Punkt geschenkt. Nachdem die Partien von sowohl Erik als auch Sofie im Remis endeten, sah es dennoch eindeutig nach einer unentschiedenen Runde aus, stand Mehran doch klar auf Gewinn. Leider kam es nicht wie gewollt und Mehran fand aufgrund seiner immer weniger werdenden Zeit im Endspiel nicht den richtigen Weg zum Sieg und bat seinem Gegner Remis, um die Partie nicht sogar noch zu verlieren. 3½ : 2½ aus Sicht der Dortmunder und unser erstes Geschenk war vergeben.
Tag 2 (Runde 3)
Nach der Niederlage am Vortag spielten wir diesmal in (nomineller) Bestbesetzung gegen den Lübecker SV von 1873, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Doch ein Sieg wollte diesmal keinem unserer Spieler gelingen. Zarkos Gegner konnte mit sehr aktivem Spiel früh einen Bauern für sich gewinnen und nutzte seine Initiative, um die Partie für sich zu entscheiden (0:1). Uli, bekannt für seinen Kämpfergeist, nutze die Chance eines positionellen Vorteils nicht und entschied sich stattdessen dafür, seinen Gegner verfrüht anzugreifen, was sein Gegner richtig parierte und mit einer besseren Stellung belohnt wurde, die Uli nicht mehr bezwingen konnte (0:2). Auch Eli hatte die Chance positionell gut zu stehen, wollte den Gegner aber lieber taktisch verlocken einen Fehler zu begehen. Leider übersah er, dass sein geplanter Trick nicht funktioniert und wurde mit langzeitiger Passivität bestraft. Als er endlich die Möglichkeit hatte die Initiative zurückzugewinnen, bat er aus Erleichterung sofort Remis, bereute dies aber gleich, als er noch während des „Remis-Bietens“ erkannte, dass er taktisch einen kleinen, aber klaren Vorteil haben könnte (½ : 2½). Erik stand die gesamte Eröffnung über sehr gedrückt und übersah, wie er taktisch eine Figur entscheidend gewinnen konnte. Da sein Gegner jedoch seinen riesigen Vorteil nicht richtig Nutzen konnte, befreite sich Erik und die Partie endete im Unentschieden. Robert hatte leider früh eine Qualität eingestellt, die ihm im Endspiel die Partie kostete. Bei Mehran tauschten sich früh viele Figuren ab und die beiden Spieler einigten sich darauf, dass das entstandene Endspiel Remis ist. Das Ergebnis war somit eine 1½ : 4½ Niederlage.
Nach der Niederlage am Vortag spielten wir diesmal in (nomineller) Bestbesetzung gegen den Lübecker SV von 1873, um den Anschluss an die Spitze nicht zu verlieren. Doch ein Sieg wollte diesmal keinem unserer Spieler gelingen. Zarkos Gegner konnte mit sehr aktivem Spiel früh einen Bauern für sich gewinnen und nutzte seine Initiative, um die Partie für sich zu entscheiden (0:1). Uli, bekannt für seinen Kämpfergeist, nutze die Chance eines positionellen Vorteils nicht und entschied sich stattdessen dafür, seinen Gegner verfrüht anzugreifen, was sein Gegner richtig parierte und mit einer besseren Stellung belohnt wurde, die Uli nicht mehr bezwingen konnte (0:2). Auch Eli hatte die Chance positionell gut zu stehen, wollte den Gegner aber lieber taktisch verlocken einen Fehler zu begehen. Leider übersah er, dass sein geplanter Trick nicht funktioniert und wurde mit langzeitiger Passivität bestraft. Als er endlich die Möglichkeit hatte die Initiative zurückzugewinnen, bat er aus Erleichterung sofort Remis, bereute dies aber gleich, als er noch während des „Remis-Bietens“ erkannte, dass er taktisch einen kleinen, aber klaren Vorteil haben könnte (½ : 2½). Erik stand die gesamte Eröffnung über sehr gedrückt und übersah, wie er taktisch eine Figur entscheidend gewinnen konnte. Da sein Gegner jedoch seinen riesigen Vorteil nicht richtig Nutzen konnte, befreite sich Erik und die Partie endete im Unentschieden. Robert hatte leider früh eine Qualität eingestellt, die ihm im Endspiel die Partie kostete. Bei Mehran tauschten sich früh viele Figuren ab und die beiden Spieler einigten sich darauf, dass das entstandene Endspiel Remis ist. Das Ergebnis war somit eine 1½ : 4½ Niederlage.
Tag 2 (Runde 4)
Nach den beiden Niederlagen hätte so manch eine Mannschaft das Turnier innerlich bereits abgehakt und jegliche Ambitionen fallen gelassen. Doch so eine Mannschaft sind wir natürlich nicht! Auch wenn der Titel nun so gut wie unerreichbar war, blieben wir positiv und versuchten einfach wieder so weit wie möglich nach vorne zu kommen, um unsere Ehre zu retten. Folgerichtig gewannen unsere ersten 5 Bretter und wir überwältigten unsere Gegner der USV TU Dresden mit 5½ : ½! Ein erfreulicher Sieg, der uns wieder Kraft gab. Mit dieser Runde entschieden wir ebenfalls, dass bis zum Turnierende jeder Spieler einmal aussetzen würde, damit alle gleichviel spielen und lernen würden (diesmal setzte Robert aus).
Tag 3 (Runde 5)
Der hohe Sieg tat gut, wenn vielleicht auch etwas zu gut, denn nun fingen wir wieder an Punkte zu verschenken – diesmal war der SK Lehrte von 1919 der glückliche Empfänger, unseres wahrscheinlich größten Geschenkes des Turniers. Zunächst sah noch alles gut aus, denn Uli konnte seinen Gegner in 25 Zügen Matt setzen (1:0). Robert versuchte leider vergebens den Plan einer anderen Eröffnung in seiner Eröffnung anzuwenden und musste früh mit einem ganzen Punkt zahlen (1:1). Eli, hatte sich noch kurz vor dem Turnier ausführlich mit der auf sein Brett gekommene Eröffnung in einem YouTube-Video auseinandergesetzt (https://www.youtube.com/watch?v=sUAcs7RmHz4&t=). Somit erreichte er früh einen materiellen Vorteil und wickelte in ein klar gewonnenes Endspiel ab. Allerdings blieb der verdiente Sieg aus, da er mittlerweile, aufgrund der eingangs erwähnten Insomnie, einfach zu erschöpft war, um präzise zu rechnen. In der Zeitnot verlor er somit seine Nerven und führte seinen 38. Zug um einen Bruchteil einer Sekunde zu spät aus, wodurch er auf Zeit verlor und seinem Gegner (und letztendlich der gesamten gegnerischen Mannschaft) den Sieg wahrlich schenkte. Zarko, Mehran und Sofie kamen leider nicht über ein Remis hinaus und die Begegnung endete 3½ : 2½ aus Sicht der Gegner.
Tag 3 (Runde 6)
Natürlich war die Enttäuschung groß, aber der Teamgeist blieb dennoch intakt. Diesmal gönnten wir unserem Brett 2 (Uli), der ein wunderbares Turnier spielte, die wohlverdiente Pause während der Begegnung mit den Karlsruher Schachfreunden. Erik spielte eine dubiose Variante des Königinders und musste nach 26 Zügen die Waffen strecken. Robert hatte leider in der Eröffnung vergessen, wie er korrekterweise den Aufbau seines Gegners am besten bestrafen sollte und stellte früh einen Bauern ein, wodurch er letztendlich die Partie verlor. Eli war nach seiner unnötigen Niederlage am Vormittag regelrecht blutgierig, griff früh seinen Gegner an und unterschätze im Angriffswahn leider die Wichtigkeit eines Vorbereitungszuges, wodurch sein Gegner schnell in ein für ihn besseres Endspiel abwickeln konnte, in welchem er den für den schnellen Angriff weit vorgezogenen Bauern gewinnen konnte. Doch Eli blieb (zum ersten Mal im Turnier :)) wachsam und erkannte, dass er die Stellung lehrbuchmäßig remis halten konnte, indem er dem gegnerischen Freibauern und König keine „Einbruchsfelder“ gab. Somit sah nach einiger Zeit auch der Gegner ein, dass es unmöglich für ihn war, seinen Mehrbauern zu verwerten und die Partie endete remis. Sofies Gegner entschied sich für ein dubioses Figurenopfer und gab die Partie sieben Züge nach dieser Entscheidung auf. Sowohl Mehran als auch Zarko konnten ihre spannenden Endspiele in einen ganzen Punkt verwandeln und die Begegnung endete 3½ : 2½ für uns.
Tag 4 (letzte Runde)
Der letzte Kampf des Turniers ging gegen die Schachfreunde Essen-Katernberg. Mehran spielte mit 4½ geholten Punkten und keiner einzigen Niederlage ein klasse Turnier und beließ es bei diesem starken Ergebnis, indem er zu guter Letzt aussetzte. Zarko verlor leider ungewohnt schnell die Partie (0:1). Insgesamt spielte er mit 3/6 Punkten ein solides Turnier, wenn auch unter seiner gewohnten Leistung. Eli hatte sich noch am Vorabend die lange Nacht zu Nutzen gemacht, um sich so gut wie möglich vorzubereiten. Allerdings spielte sein Gegner eine unerwartete Variante, weshalb Eli, der in seiner Müdigkeit keinen taktischen Kampf wagen wollte, die sogenannte „Fort-Knox-Festung“ aufbaute, die sein Gegner lange vergeblich zu knacken versuchte. Als es ihm dann schließlich doch gelang, bewerteten beide Spieler die resultierende Stellung als remis. (½ : 1½). Die 2½ Punkte, die er insgesamt holte, hätten genauso gut 4½ Punkte sein können, wenn er ein bisschen konzentrierter und ausgeschlafener an die Sache gegangen wäre, um seine Stellungen zu konvertieren – doch geschehen ist geschehen. Sofies Gegner übersah eine recht einfache Taktik und verlor die Partie nach nur 12 Zügen (1½ : 1½). Somit beendete Sofie das Turnier mit 4 Punkten und keiner einzigen Niederlage! Uli überraschte seinen Gegner mit dem offenen Sizilianer und wurde verdient mit einem weiteren Sieg belohnt (2½ : 1½). Seine insgesamt 4½/6 Punkte sprechen für seine großartige Leistung in diesem Turnier! Bald verkündete Robert sein Ergebnis – Remis (3 : 2). Insgesamt holte er leider nur 1½ Punkte, wobei dieses Ergebnis wahrlich wenig über seine Spielstärke aussagt, da er die meisten Partien aufgrund von künftig vermeidbaren Missverständnissen in den Eröffnungen verlor und seine Stärke im Mittelspiel gar nicht erst zeigen konnte. Letztendlich reichte bei Erik ein Remis, um den Sieg nach Augsburg zu bringen, wonach es jedoch überhaupt nicht aussah. Doch Erik, wie wir ihn kennen und lieben, steht ja bekanntlich gerne auf Bruch, bevor er Wunder wirken lässt. Und so gewann er sogar beinahe die Partie, musste sich dennoch „nur“ mit einem Remis zufriedengeben und sorgte für einen 3½-Sieg. Seine insgesamt 3½/6 geholten Punkte sind ebenfalls eine klasse Leistung! Das Turnier beendeten wir knapp (aufgrund der Feinwertung) hinter dem SK Lehrte auf unserem Setzlistenplatz (5). Bei insgesamt 16 Teilnehmern sicherlich kein schlechtes Ergebnis, wenn auch nicht sonderlich über unsere Spielstärke aussagend.
Fazit:
Dieses Turnier hat bewiesen, dass wir auf jeden Fall zu den besten Mannschaften Deutschlands gehören. Dieses Jahr beendeten wir zwar nicht mit dem erhofften Erfolg, aber das Potenzial ist auf jeden Fall da. Ich denke ich verspreche nicht zu viel, wenn ich sage, dass 2020 ein sehr erfolgreiches Jahr für die Schachfreunde Augsburg wird :).
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