Mit großer Mühe
Nur wenige Tage nachdem man in Schwaben und Augsburg den Spielbetrieb pulversiert hatte, fand in unserer „Zitadelle“ am 19. September die erste Runde der Bayerischen U12-Mannschaftsmeisterschaft statt.
Hier hätten sich ursprünglich die Teams vom SK Kriegshaber, SK Rochade Augsburg, VfL Leipheim und uns einen Wettstreit um die ersten beiden Plätze, welche zugleich das Weiterkommen bedeuteten, liefern sollen, doch leider blieb der Vierer unseres großen Nachbarn im Westen mit der Begründung fern, dass das Hygienekonzept des Bayerischen Schachbundes nicht jenem einer Schule entspreche.
Man mag darüber denken wie man möchte und möge geflissentlich über die unterschwellige Unterstellung hinwegsehen, dass dem BSB bzw. jenen an der Meisterschaft teilnehmenden Vereinen die Gesundheit des Nachwuchses nicht am Herzen liege.
Von alledem ließ sich glücklicherweise niemand irritieren und so kam es, dass am Ende eines langen Schachtages die Nordschwaben mit uns für die zweite Runde rüsten durften, während der wackere Vierer aus dem Pfersee denkbar unglücklich ausschied.
Die Vorbereitungen für dieses Turnier waren wesentlich umfangreicher als in der Vergangenheit gewesen, sollten doch alle Gäste möglichst optimale Bedingungen vorfinden, um sich vollumfänglich auf das Schachspielen konzentrieren zu können.
Deswegen waren nicht nur sämtliche Tische und das Spielmaterial desinfiziert worden, auch wurden Trennwände von unseren Freunden der SG Augsburg 1873 entliehen, damit in unserer großen, bestens belüfteten Räumlichkeit das Risiko einer Infektion, welcher Art auch immer, möglichst verhindert wird. Aber auch die Verpflegung stellte eine gewisse Herausforderung dar, musste doch alles einzeln verpackt sein. Die Wahl fiel dann auf Pfannkuchen und Leberkäse in Brezelform, was jeweils guten Anklang fand.
Lediglich hinsichtlich der Punkte gedachten wir nicht, uns als gute Gastgeber zu erweisen, weshalb wir mit Alexander, Alexandra, Michael und Viktor einen Vierer ins Rennen schickten, der für den erwünschten Erfolg sorgen sollte, obwohl so mancher Nachwuchsstar während der sechsmonatigen Zwangspause etwas eingerostet zu sein schien.
1. Runde: SK Rochade Augsburg – Schachfreunde Augsburg
Obwohl in der Vergangenheit der Nachwuchs der SK Rochade für so manche Sorgenfalte bei einem unserer Trainer gesorgt hatte, gingen wir recht zuversichtlich in die Begegnung, wähnten wir uns doch vor allem aufgrund unserer Doppelspitze als Favoriten. Diese riss es letztlich auch heraus, doch bis es soweit war, entstand eine weitere tiefe Furche in einem Trainergesicht, nämlich dem meinigen.
Die Uhren waren nach dem Andrücken noch nicht einmal richtig warmgelaufen, da gingen unsere Helden durch unsere Amazone im Team in Führung. Alexandra war offensichtlich blendend aufgelegt und bestrafte jede Ungenauigkeit des Gegners – 0:1 aus der Sicht der Gäste.
Freude wollte dennoch nicht richtig aufkommen, denn den deutlichen Vorteilen am Spitzenbrett standen anrüchige Stellungen bei Michael und Viktor entgegen, sodass ein Gesamtremis drohte.
Wenigstens konnten wir dem Ende entspannter entgegenblicken, denn Alexander wusste seinen Vorteil zu mehren, diesen gar in einen Mehrturm umzuwandeln und schließlich souverän den vollen Zähler einzufahren – 0:2 aus der Sicht der Pferseer.
Was heißt hier entspannter? Michael rannte in einem reinen Schwerfigurenmittelspiel einem Minusbauern hinterher und Viktor, zuvor so ziemlich jede Regel mit Füßen tretend, hing komplett in den Seilen.
Doch ausgerechnet seine Partie sollte an Dramatik kaum zu überbieten sein. Denn Viktors König wurde Matt gesetzt, obwohl doch des Gegners König im Schach stand. Folglich musste der letzte Zug zurückgenommen werden. Der Gegner machte daraufhin einen regelkonformen Zug und rannte damit in ein Dauerschach, welches wiederum von unserem Viktor verschmäht wurde. Stattdessen gab es seine Dame, um das Matt vorerst zu verhindern und verlor in der Folge – 1:2.
Nun oblag die ganze Verantwortung unserem Michael, der mittlerweile einen weiteren Bauern eingebüßt hatte. Eigentlich eine klare Sache, sobald der Gegner seinem Monarchen ein kleines Luftloch beschert. Diese Zeit nahm sich der Gegner jedoch nicht, büßte deswegen einen Turm ein, verlor anschließend, stellte damit den Partieverlauf auf den Kopf und bescherte unserem Vierer einen glücklichen Sieg – 1:3 aus der Sicht des SK Rochade Augsburg.
3. Runde: Schachfreunde Augsburg – VfL Leipheim
Da auch die Nordschwaben ihre Begegnung gegen den Vierer aus dem Pfersse gewonnen hatten, stand das Weiterkommen für beide Teams fest, weshalb es nur noch um den persönlichen Erfolg ging.
Trotzdem – Oder gerade deshalb?!?! – gingen beide Mannschaften konzentriert – Oder nahmen sich das zumindest vor?!?!? – an die Bretter, was aber nicht verhinderte, dass es gleich zu Beginn zu einem Paukenschlag kam.
Ausgerechnet Viktor packte wegen „überhöhter Gechwindigkeit“ gleich im vierten Zug einen unmöglichen aus. Dies hätte ihm eigentlich zur Warnung gereichen müssen, doch stattdessen zog er munter im Stile einer Kalaschnikov und durfte zur Belohnung im 15. Zug dem Gegner zum Sieg gratulieren – 0:1.
Wenigstens sah es an den anderen Brettern alles andere als trostlos aus. Zwar vermochten Michael und Alexandra nur kleinere Vorteile vorzuweisen, aber Alexander hatte in der Eröffnung zu glänzen gewusst und stand überwältigend.
Dann der nächste Nackenschlag! Alexandra, mittlerweile mit einem gesunden Mehrbauern gesegnet, hatte wohl zu strategisch gedacht, weshalb sie, anstatt einen Turm zu tauschen, selbigen nur ein Feld vor zog, wo er vom gegnerischen Kollegen gratis geschlagen wurde – 0:2.
Glücklicherweise war unser „dynamisches Duo“ noch im Einsatz. Während es an Alexanders Sieg schon seit geraumer Zeit nichts zu deuteln gab, waren die klaren Chancen für Michael noch nicht so ersichtlich. Daher lavierte Michael noch etwas herum, verbesserte quasi unmerklich seine Stellung und biss bei der ersten sich bietenden Gelegenheit im Stile eines Magnus Carlsen zu – 2:2.
Fazit:
Man merkte den Kindern die lange Turnierpause durchaus an, sodass schlichtweg für mehr Wettkampfhärte gesorgt werden muss, um das große Potential abrufen zu können. Hierzu verbleibt aber leider keine Zeit, denn die nächste Runde steht unmittelbar vor der Tür.
Ungeachtet dessen steckt in dieser Mannschaft das Zeug, die zweite Runde zu überstehen und das Halbfinale zu erreichen. Was von da an noch wird passieren können, das unterliegt eigenen Gesetzen, soll heißen, dann wäre alles möglich. 🙂
Alle Ergebnisse die U12-MM betreffend können wie gewohnt dem Ligamanager entnommen werden. Viel Spaß beim Schmökern.
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