Bayrische Mannschaftsmeisterschaft U10 2022
Bei den Schachfreunden Augsburg sind die Leute nett, und so sprangen wir gerne ein, als sich abzeichnete, dass an der Bayrischen Mannschaftsmeisterschaft U10 eine ungerade Anzahl an Teams teilnehmen würde. Haufenweise gelangweilte Kids, die durch Freilos eine Dreiviertelstunde auf ihre nächste Partie warten müssten? Unmöglich konnten wir das zulassen! Außerdem gibt es in den Trainingsgruppen von Alex und Robert genug spielfreudige Nachwuchstalente, die gerne dabei sein wollten. Also meldeten wir kurzentschlossen eine zweite Mannschaft an und fuhren mit acht Kindern im Zug nach München. Das ist zu Wiesnzeiten eine gewisse Herausforderung, weshalb es eine große Hilfe war, dass Antonias Mama uns begleitete und durch den Tunneldschungel des Münchner Hauptbahnhofs und U-Bahn-Netzes anführte. Sehr nützlich war dabei auch, dass Dominik die U-Bahn-Linien wie übrigens weitgehend auch das gesamte deutsche Bahnstreckennetz (und in Kürze vermutlich sämtliche Sizilianisch-Varianten) memoriert hat. Das Navi auf dem Handy mussten wir daher nur selten konsultieren.
Ein lichtes, großes Foyer eines Münchner Gymnasiums erwartete uns und zehn weitere Mannschaften. Die Schachfreunde Augsburg waren dabei der einzige Verein mit zwei Teams, während immer wieder zu hören war, dass andere Vereine Mühe hatten, überhaupt eines zusammenzubekommen, und dies teils auch nicht schafften. Zwar durfte unsere Zweite wegen der Turnierordnung nur außer Konkurrenz antreten und findet sich daher auch nicht in der Abschlusstabelle, aber ihre Spiele wurden genauso engagiert geführt wie alle anderen – mindestens.
Gespielt wurden sieben Runden nach Schweizer System. Die Bedenkzeit war 15 Minuten plus 5 Sekunden Inkrement pro Zug. Mit unserer Zweiten nahmen zwölf Mannschaften teil.
Die erste Runde brachte gleich unsere beiden Mannschaften zusammen. Für die Erste spielten in dieser Brettreihenfolge wie auch sonst immer Antonia, Leonas, Emil und Pius; für die Zweite Dominik, David, Matteo und Ömer Ali. Hier setzten sich Dominik und Matteo durch, ansonsten gewannen die Spieler aus der Ersten – 2:2. In der Tabelle bedeutete das für die Erste aber 2 Punkte durch das Freilos, das es offiziell gab.
Auf diese Weise warmgespielt wurde die Erste in der zweiten Runde gleich mit einem der Turnierfavoriten konfrontiert. Gegen Tegernheim gab es auch nichts zu holen und Niederlagen an allen Brettern. Auch in der Zweiten konnte nur Ömer Ali seine Partie gegen Tarrasch München gewinnen.
Bevor jedoch Zweifel aufkommen konnten, ob unsere zwei Mannschaften hier würden mithalten können, begann schon die dritte Runde und mit ihr kam der Erfolg. Die Erste hätte gegen Dachau klar gewinnen müssen, doch Leonas und Emil vergaben leider klare Siegstellungen und mussten in ein Remis einwilligen. Da Pius gewann, reichte es aber für ein mehr als verdientes 2:2. Die Zweite fertigte das Team des anderen schwäbischen Teams, das den Weg nach München gefunden hatte, Dillingen, mit 3,5:0,5 ab. Damit hatte jeder Spieler zumindest auch schon einmal einen persönlichen Erfolg zu verzeichnen – gut fürs Selbstbewusstsein. Für Dominik begann in dieser Runde eine Siegstrecke, denn er gewann auch die beiden folgenden Partien – sehr bemerkenswert angesichts der guten Gegner an Brett 1. So verwunderlich war das allerdings auch wieder nicht, denn auch in den Pausen wurde er nicht müde, alle möglichen Anwesenden zu Partien herauszufordern und mit Fragen zum Schach zu löchern, während manche anderen Spieler unseres Vereins zwischen den Runden in dem großen Schulgebäude ein ideales Gelände erkannten, um Fangen zu spielen, und teils nur mit Mühe rechtzeitig wieder ans Brett geschleift werden konnten.

In der vierten Runde setzte sich die Erste mit 2,5:1,5 gegen Zugzwang München durch. Antonia gewann ihre Partie dabei souverän und mit klugem Spiel. Bemerkenswert war dabei auch, dass sie sich durch ein Missgeschick in der vorhergehenden Runde keineswegs die Ruhe nehmen ließ – eine ganz wichtige Eigenschaft beim Schach und keineswegs selbstverständlich. In der Zweiten konnte gegen Ergolding diesmal nur Dominik punkten.
Nach der Mittagspause hatte sich die Erste im oberen Tabellendrittel festgesetzt und die ersten vier Plätze, welche die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft bedeuteten, waren greifbar. Waren. Denn in Runde 5 und 6 prüften die „Stars“ vom Tegernsee und die Gastgeber von den SF München, an die ein herzliches Dankeschön für die Gastfreundschaft, die gute Organisation und den leckeren Käsekuchen geht, unsere Kids. Das ging nicht gut aus und nach zweimal 0:4 wussten wir, wo wir stehen. Zugzwang München hingegen erlebte sein „gelbes Wunder“, denn nach der Niederlage gegen unsere Erste in Runde 4 setzte es ein 0,5:3,5 gegen unsere Zweite. Diese verlor in der 6. Runde aber mit demselben Ergebnis gegen Dachau.
Zum Schluss musste auch Augsburg I gegen Dillingen ran und Antonia gelang ein erneuter Sieg, Leonas tat es ihm gleich und auch Emil konnte den ersten ganzen Punkt vermelden. Das war ein schöner Abschluss, der für Platz 6 sorgte. In der Zweiten war die Luft etwas raus und gegen Gräfelfing setzte es ein 0:4. Hätte sie auch offiziell antreten dürfen, so wäre sie mit ihren 5 Mannschaftspunkten vermutlich auf Platz 7 oder 8 gelandet.

Herausgehoben sei an dieser Stelle das Spiel unserer Spitzenbretter Antonia (2/7) und Dominik (4,5/7), die sich beide sehr achtbar schlugen und gegen die starke Gegnerschaft ein überlegtes Schach spielten, das man sich gerne ansah. Auch Leonas (3,5/7) überzeugte durch Kampfgeist und Wachsamkeit. Für David (1,5/7), Matteo (2,5/7) und Ömer Ali (3/7) war es eines der ersten Turniere (oder das erste?) überhaupt und allen dreien war die Begeisterung fürs Schachspiel anzumerken. So hatten auch alle schöne Erfolgserlebnisse. Dass einige Partien verloren gingen, war nicht überraschend – schließlich war es die Bayrische Meisterschaft. Pius (2,5/7) und Emil (1,5/7) holten in der Ersten ebenso ihre Punkte. Mit etwas mehr Ruhe und Fokus wäre hier sicher noch etwas mehr drin gewesen, denn Schach spielen können die beiden.
Bei der Rückreise zeigten wir noch einmal, was es bedeutet, für die Schachfreunde Augsburg zu spielen: Kämpfen bis zum (letzten) Zug. Denn da wir nicht erst gegen 18:30 Uhr in Augsburg ankommen wollten, rasten wir von Moosach durch diverse U-Bahn-Stationen zum Münchner Hauptbahnhof, den bierselige Wiesnbesucher bis zum Bersten füllten. Sandra organisierte unseren Trupp in Zweiergruppen und Hand in Hand eilten wir als Zug durch die Menge, sie mit erhobener Hand vorneweg. In buchstäblich letzter Sekunde, gewissermaßen unmittelbar vor dem Fallen des Blättchens, erreichten wir unseren Zug.
Am Ende fehlte unserer Ersten nur ein Mannschaftspunkt zur Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft. Allerdings lassen die 0:4-Klatschen gegen alle drei Teams, die am Ende die ersten drei Plätze belegten (Tegernsee, Tegernheim, SF München), erahnen, dass die weihnachtliche Reise nach Berlin auch wenig vergnüglich geworden wäre, zumindest was das Schachspiel anbelangt. Die bayrische Spitze ist also noch ein bisschen entfernt, aber das ist nur ein Grund mehr dafür, sich bei den nächsten Trainingseinheiten richtig reinzuhängen. Außerdem haben alle vier Spieler der Zweiten durch konzentriertes und aufmerksames Spiel beeindruckt und teils ausgezeichnete Ergebnisse erzielt, allen voran Dominik an Brett 1. Damit ist für interne Konkurrenz gesorgt, die hoffentlich zusätzlich motiviert. Die Spielerbreite dieser Jahrgangsstufe stimmt für die kommenden Jahre optimistisch – daher scheint die Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft künftig durchaus erreichbar.
Alle Ergebnisse der einzelnen Runden sind hier nachzulesen (die der Zweiten leider nicht):
https://bayerische-schachjugend.de/bayerische-mannschaftsmeisterschaft-u10-2022/
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