U20-Landesliga: 3. Runde

Die Schlacht an der Günz

 

 

Sowohl für den VfL Leipheim, beim letzten Mal noch hinter uns strahlender Vizemeister, als auch für uns hätte der Start in die Nachholsaison der U20-Landesliga nicht wesentlich schlechter angehen können, weshalb das direkte Aufeinandertreffen in der dritten Runde für reichlich Spannung zu sorgen versprach.

 

Dieser hohen Erwartung wurde die Begegnung tatsächlich vollauf gerecht, denn in einem kompromisslos geführten Wettkampf gelang es unserem Vierer, den Nordschwaben beide Punkte zu entreißen. Damit haben wir die Chance gewahrt, diese Spielzeit wenigstens mit dem zweiten Platz zu beenden, ist doch nach den erneuten Siegen der SG Aschheim/Feldkirchen/Kirchheim das Erringen der Meisterschaft äußerst unwahrscheinlich geworden.

 

 

Zum Vortag hatten wir einige Änderungen vornehmen müssen, Privatleben und Studium forderten eben auch ihren Tribut, sodass für Katarina und Alexander Vollmer Paul und Alexander R. jun. ins Team kamen. Mit den zuletzte genanneten Spielern, Lukas, Raphael und meiner Wenigkeit machten wir uns mit der bewährten Bahn in die nordschwäbische Schachmetropole auf.

 

Dort angekommen wurden wir zwar wie gewohnt freundschaftlich empfangen, doch gab man uns angesichts des nominierten Kaders unmissverständlich zu verstehen, dass man nicht gedachte, uns an den Brettern pardon zu gewähren. Natürlich ließen sich unsere Recken dadurch nicht einschüchtern, vielmehr diente ihnen alles an Ansporn, was sich in der Folge eindrucksvoll zeigen sollte.

 

Denn mit dem Andrücken der Uhren legten alle einen Kampfgeist an den Tag, den die Gegner in dieser Form nicht erwartet haben dürften. Lukas begann in unserer unnachahmlichen Form, den „Skandinavier“ seines Gegenübers zu bearbeiten, Paul vertraute nach längerer Spielpause gegen den Teilnehmer an der Deutschen U16-Meisterschaft, Laurin Lohmann, auf den soliden „Franzosen“, Raphael sprang, mit seinen bis dato erzielten 2/2 im Rücken, seinen Gegner mit dem „Schottischen Gambit“ an und unser Junior, Alex R. ist immerhin noch U12-Spieler, entkorkte einen „Sizilianer“, der nicht gerade dafür bekannt ist, dass man sich versteckt und klammert.

 

Aber die Leipheimer hielten voll dagegen und machte sich alsbald bemerkbar, warum sie auch in dieser Spielzeit zu den Topfavoriten der Landesliga zählten. So hatte Lukas nach einigen Ungenauigkeiten seine liebe Not, einen Vorteil nachzuweisen, und Paul musste die volle Bandbreite seiner Kreativität abrufen, um die Stellung im Gleichgewicht zu halten. Dafür hatte sich Raphael in seinem Übermut in der Eröffnung zwei Bauern abnehmen lassen und Alexanders Köngisstellung war derart löchrig, dass sie förmlich dazu einlud, ans Mattsetzen zu denken, weshalb auch des Gegners Dame bedrohlich im schwarzen Lager umherspazierte.

 

Und während Raphael durchaus so etwas wie Kompensation vorzuweisen hatte, schien es bei Alexander nur eine Frage der Zeit sein, bis eine bedingungslose Kapitulation unterzeichnet werden müsste.

 

Mit diesen Eindrücken widmete ich mich wieder dem Training unserer beiden eifrigen Unterstützer aus dem „Ländle“, nämlich „EliBaer96“ und „KingJonathan“, die in der „Quarantäneliga“ nicht nur viele Punkte geholt, sondern auch einige lesenswerte Berichte für unsere Homepage verfasst haben, und eigens weges des Wettkampfes angereist waren.

 

Plötzlich ging die Türe auf und ein strahlender Alexander vermeldete, dass er gewonnen habe. Was war geschehen? Nun, die gegnerische Dame hatte zwar eine beeindruckende Drohkulisse aufgebaut, doch als sie zu einem geschickten Zeitpunkt angegriffen wurde, da suchte man vergebens nach einem sicheren Rückzugsfeld – 0:1 aus Leipheimer Sicht! 🙂

 

Ein ungemein wichtiger Sieg! Nicht, dass wir an den verbliebenen Brettern schlechte Stellungen zu verwalten gehabt hätten, doch waren diese in höchstem Maße unklar. Raphael hatte zwischenzeitlich eine Qualität gewonnen, musste aber permanent darauf achten, den richtigen Zug zu machen, boten doch die vorher verlustigten Bauern dem Gegner ausreichend Kompensation, und Paul war zwar in seinem Element, als der Gegner auf der halboffenen f-Linie mit einem Springer auf f7 schlug, da rochierte unser „Tal in der Westentasche“ nach einem Zwischenschach auf e3 einfach kurz (!!!), von einer übersichtlichen Stellung konnte jedoch keine Rede sein. Lediglich Lukasens Stellung verbesserte sich zusehends, sodass hier ein voller Zähler am Firmament erschien.

 

Doch ehe wir den Punkt am Spitzenbrett verbuchen durften, mussten wir an Raphaels Brett den Ausgleich hinnehmen. In der äußerst komplizierten Stellung hatte unser „Denglishmann“ das hohe Niveau für einen Moment nicht halten können, was zu einer Verpuffung der Initiative führte, die angesichts des materiellen Rückstandes schnell eine Niederlage folgen ließ – 1:1.

 

Es sollte jedoch nicht lange dauern und Lukas sorgte für die erneute Führung. Einmal in Vorteil geraten, ließ er nichts mehr anbrennen, vergrößerte geduldig die positiven Merkmale seiner Stellung, die sich urplötzlich als derart überwältigend aufsummiert hatten, dass des Gegners Stellung quasi wie ein Kartenhaus zusammenbrach – 1:2 aus der Sicht der Leipheimer.

 

Dass in dieser Situation mit Paul ausgerechnet unser nervenstärkster Spieler noch am Brett saß, das war ungemein beruhigend. Sicher, er hatte seine hochtaktische Partie, in der er zwischenzeitlich wahrscheinlich auf Gewinn gestanden hatte, in ein komplziertes Endspiel verwandelt, in dem er stark mit dem Verlust liebäugeln musste, aber er spielte eben noch und der Gegner steuerte einer Zeitnot entgegen.

 

Diese nutzte er dazu, den Ausstoß des Pulverdampfes zu erhöhen, was den Gegner um die benötigte Pause nach einer überstandenen Zeitnot beraubte. Diese fehlte ihm sehr, hätte er doch ansonsten erkannt, dass sich die Waage mittlerweile stark zu seinen Gunsten geneigt hatte, als paul im die Punkteteilung anbot. Laurin rechnete, rechnete und rechnete, verbrauchte dabei nahezu die gesamte neu hinzugewonnene bedenkzeit nach der Zeitkontrolle und willigte schließlich ins Remis ein – 1,5:2,5 aus Leipheimer Sicht.

 

Damit war der Sieg perfekt und wir holten uns damit eine kleine Genugtuung für die jüngst erlittenen Niederlagen in anderen Altersklassen. Aber da man bekanntlich an einer starken Konkurrenz wächst, bedanken wir uns für die entsprechenden Lehrstunden und hoffen inständig, dass der laut angedachte Wechsel der Leipheimer zum Schachverband Württemberg ausbleiben wird. Doch das ist eine andere Geschichte!

 

 

Fazit:

 

Eine kämpferisch aufgelegte Truppe sicherte sich zwei wichtige Punkte im Kampf um die Vizemeisterschaft, vor allem unterstrich sie eindrucksvoll, dass sie sich vor niemandem in der Liga verstecken muss. Sehr schön. 🙂

 

Alle Ergebnisse, Partien und Tabellen gibt es wie gewohnt im Ligamanager. Viel Spaß beim Schmökern. 🙂

 


Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert