Kreisliga 1: Caissa II – Schachfreunde IV
In der Kresslesmühle gab es den erwarteten Kampf auf Augenhöhe. Während draußen die Stadt zugeschneit wurde, kamen die Spieler an vielen Brettern ins Schleudern und Partien nahmen unerwartete Wendungen.
Samuel (Brett 6) überfiel seinen Gegner im Hurrastil, nahm mit allerlei Figuren den rochierten König unter Beschuss, der immer weniger Schutz fand, und beendete die Partie siegreich, bevor Rutschgefahr entstand (0:1).
Conrad (Brett 8) spielte ruhiger und stellte sich mit Schwarz erst einmal solide auf. Nach und nach übernahm er die Initiative und gewann eine Qualität. Nach einigen Tauschaktionen schien das Mehrfigurenendspiel gewonnen, aber der Gegner opferte einen Turm und Conrads Stellung brach unerwartet zusammen (1:1).
Ich hatte an Brett 7 mit Weiß einen Maroczy-Bind und mein Gegner hatte zunächst wenig Raum. Als er sich befreien konnte, wurde er übermütig und schlug mit einem Springer einen gedeckten Zentrumsbauern, aber vergaß dabei ein taktisches Detail, das er, wie er sagte, zuvor noch gesehen hatte (1:2).
Raph spielte an Brett 5 eine sehr solide Partie und erlangte nach und nach positionellen Vorteil. Im Doppelturmendspiel hatte er eine Druckstellung. Mit einer Taktik konnte der Gegner aber plötzlich einen Turm gewinnen (2:2).
Nach dieser recht wilden ersten Phase des Mannschaftskampfes sah es gut für uns aus. An den ersten vier Brettern schienen wir überall vorteilhaft zu stehen. Aber jetzt wurde es erst richtig glatt …
Zunächst brachte Lukas (Brett 4) jedoch einen sauberen Start-Ziel-Sieg nach Hause. Nachdem er einen Zentrumsbauern erobert hatte, verteidigte er sich gegen den Königsangriff seines Gegners souverän. In den folgenden taktischen Verwicklungen hatte er den besseren Durchblick. Das war eine sehr schöne und reife Partie (2:3).
An Brett 1 hatte Hermanns Gegner für einen Bauern Kompensation, weil seine Figuren wirkungsvoller standen. Allerdings sah das nicht schlecht für uns aus, denn es schien absehbar, dass Hermann sich würde befreien können. Mit einem Hebel auf den vor dem König stehenden Bauern knackte der Gegner aber die weiße Stellung und die Partie ging taktisch verloren (3:3).
Michi (Brett 2) hatte seinen Gegner von Beginn an massiv unter Druck gesetzt, sodass dieser sich nicht zu Ende entwickeln konnte. Mit zwei Türmen und mehreren Leichtfiguren belagerte er einen gegnerischen Doppelbauern, der zunehmend verzweifelt verteidigt wurde. Offenbar suchte Michi immer weiter nach Wegen, die Stellung zu verbessern, ließ seinen Gegner dabei aber entkommen und die Initiative entglitt ihm. Ein Bauer ging verloren, die schwarzen Figuren standen immer noch gut, aber siegversprechend war die Stellung nicht mehr. Im Springerendspiel kam es bei wieder ausgeglichenem Material zum Remis (3,5:3,5).
An Günthers Brett 3 kulminierte der ganze Abend, dort vollzog sich an einem Brett, was zuvor an den übrigen sieben passiert war: Vorteilhafte Stellungen wurden zu Verlustpositionen, Initiative wurde errungen und ging verloren, die Wendungen waren teils grotesk. Bei noch vollem Brett hatte Günther zunächst mit einem Springer auf g7 einen Bauern abgestaubt. Dieser Springer verharrte dort sehr lange tatenlos. Der Gegner hatte dafür zunächst nichts vorzuweisen. Er suchte sein Heil in einem Angriff am Damenflügel, wohin er rochiert hatte, und sprengte diesen recht spektakulär. Mit Dame und Turm stellte er auf der zweiten Reihe tödliche Drohungen auf, nachdem er a- und b-Bauern abgeräumt hatte. Dadurch verschaffte er sich zu den beiden Freibauern auf diesen Linien auch noch einen gedeckten im Zentrum. Die Partie schien hoffnungslos verloren, aber angesichts des Standes im Mannschaftskampf kämpfte Günther weiter. Alle tauschbaren Figuren verschwanden vom Brett – bis auf den Springer auf g7 und sein schwarzes Gegenstück. Mit null gegen drei Freibauern stellte Günther aber taktische Drohungen auf, die seinen Gegner nervös machten. Dieser spielte – angesichts der Stellung verständlicherweise – zudem auf Gewinn, anstatt in ein sicheres Remis zu steuern. Nach einem missglückten Springermanöver stand Weiß plötzlich wieder klar auf Gewinn. Er holte sich eine Dame und räumte nach und nach die schwarzen Bauern ab (3,5:4,5).
Das Ende des Abends war sicher glücklich. Betrachtet man aber den Verlauf aller Partien, war unser Sieg nicht ganz unverdient. Hoffentlich sind alle unfallfrei nach Hause gekommen, nachdem das auf dem Brett nicht überall geklappt hatte!
Am nächsten Spieltag haben wir spielfrei. Dann kommt es zum Derby gegen Kriegshaber III, wo sich die Aufstiegsfrage vielleicht schon entscheiden wird.


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