Deutsche U16-Mannschaftsmeisterschaft: Tag 2


Nach der durchaus ansehnlichen Leistung des Vortages galt es nun, an ebendiese anzuknüpfen und wenn möglich beide Mannschaftskämpfe zu gewinnen. Dieses Ziel konnte nur bedingt erreicht werden, denn am Ende standen wieder ein Sieg und eine Niederlage zu Buche, womit sich die Aussichten ein wenig verschlechterten.


 

Runde 3: Einen Gang hochgeschaltet


In der ersten Runde des Tages begegnete unsere Auswahl der des SK Bebenhausen, die als fünfte der Setzliste angereist waren. Ungeachtet dessen gingen unsere Spieler forsch an die Bretter: Zarko begegnete dem Aufbau seines Gegners aggressiv, beging allerdings wenige Ungenauigkeiten und stand unter schwerem Druck, auch wenn er sich langfristig Spiel gegen einen Isolani erhoffen konnte. Robert griff mit einem geschlossenen Sizi an und geriet schnell in Vorteil, da sein Gegner mit den gängigen Motiven nicht tiefgehend vertraut zu sein schien. Paul spielte eine Theorievariante im Franzosen und erlangte schnell Ausgleich, und Eli versuchte, seinen Gegner mit einem Rossolimo-Aufbau zu überraschen.


Nach etwa einer Stunde hatte sich die Situation erheblich verbessert: Zarko war es gelungen, sich zu befreien, sodass er starkes Spiel gegen die feindlichen Bauern erhielt. Robert stand nach einigen taktisch fragwürdigen Aktionen seines Gegners klar auf Gewinn in einer Stellung, die aus schwarzer Sicht quasi aufgabereif war. Paul hatte einen starken Angriff nicht komplett konsequent zu Ende gespielt, sodass er nur eine Qualität für einige Bauern gewann, während er gegen zwei sehr aktive Springer stand. Eli stand etwas instabil, nachdem er eine Figur für unklare Kompensation geopfert hatte und angesichts eines Ansturms zu einer Königswanderung bewegt worden war, konnte sich jedoch konsolidieren und einen gefährlichen Freibauern bilden.


Der erste Punkt wurde kurz darauf von Robert beigesteuert. Nachdem die Stellung schon lange unhaltbar war, ließ es sich sein Gegner nicht nehmen, sich mattsetzen zu lassen. Bald folgte Zarko, dem dank einer schönen Kombination entscheidender Materialgewinn gelungen war. Seinem Gegner genügte dies, und die Aufgabe folgte.


Pauls Stellung hatte sich eher negativ entwickelt, weshalb es gerade recht kam, dass sein Gegner einen taktischen Schlag erlaubte, mit dem Paul in ein gewonnenes Endspiel hätte übergehen können. Er sah die richtige Idee, wählte jedoch leider die falsche Zugfolge, sodass die Stellung bald darauf komplett verloren war und er aufgeben musste.


Eli hatte die zuvor geopferte Figur zu schaffen gemacht, und auf der Wanderung war sein König verwundbar geworden. Dies veranlasste seinen Gegner, sofort zuzuschlagen, in einer Stellung, in der er mit einer ruhigeren Herangehensweise sehr gut auf Sieg hätte spielen können. Nun hatte Eli jedoch eine überraschende Verteidigung, nach der das bestmögliche Resultat für den Gegner ein Remis durch Dauerschach war. Nachdem dieser seine Gelegenheit nicht ergriff, wickelte Eli ganz ruhig in ein gewonnenes Bauernendspiel ab, welches er souverän gewann und damit den 3:1-Endstand herstellte – ein Ergebnis, das angesichts des Gesamtverlaufes durchaus in Ordnung geht, auch wenn in diesem Fall leider unser Paul der Leidtragende war.

 

Runde 4: Ein schwerer Rückschlag


In der Nachmittagsrunde trafen wir auf den Delmenhorster SK, was auf den ersten Blick nicht nach unserer bislang schwierigsten Begegnung aussah. Dies änderte sich jedoch, als Zarko nach weniger als einer Stunde sichtlich unzufrieden aus dem Turnierareal kam. Was war passiert? Zarko hatte in gegnerischem Angriff eine komplizierte Variante durchgerechnet, konnte die Endstellung jedoch nicht gut einschätzen und verwarf sie daher. Er entschied sich stattdessen für eine Alternative, die sofort verlor, sodass er nach gerade einmal elf Zügen die Waffen strecken musste. Sehr bitter sowohl für die Mannschaft als auch für Zarko persönlich, wobei man ihm in Anbetracht der Stütze, die er für die Mannschaft ist, schlecht einen Vorwurf machen kann.


In der Zwischenzeit hatte sich Robert im Rubinstein grundsolide aufgebaut und ausgeglichen. Mehran griff seinen Kontrahenten im schottischen Gambit scharf an, und Paul stand in einem Sizilianer mindestens auf Ausgleich. Der frühe Partieverlust musste also keineswegs zwingend zur Niederlage führen.


Leider hatten in der Folge sowohl Robert als auch Paul schlimme Aussetzer, die von den jeweiligen Gegnern ausgenutzt wurden: Ersterer übersah ein Scheinopfer, welches einen Bauern kostete und die gesamte Struktur zum Einsturz brachte, Letzterer vergaß an einer kritischen Stelle zwischenzuschlagen und verlor so einen ganzen Läufer. Andererseits griff Mehran weiter an und stand klar besser.


Es dauerte nicht mehr lange, bis Paul aufgab, mit der Minusfigur war die Stellung schlicht nicht mehr spielbar. Mehran konnte indes seinen Angriff in Mehrmaterial konvertieren, welches seinen Gegner zur Aufgabe bewog.


Robert spielte mit Abstand am längsten und zog alle Register, doch musste im Endspiel seinen Springer für einen Bauern geben, wonach auch keine Hoffnung auf Remis mehr bestand. Wenig später resignierte er, womit das Ergebnis von 1:3 aus Augsburger Sicht feststand.

 

Zwischenfazit:


Während in der dritten Runde vieles gut lief, war in der vierten gewissermaßen der Wurm drin. Vor allem, wenn betrachtet wird, dass drei von vier Partien im Wesentlichen wegen vermeidbarer Fehler verloren gingen, ist diese Niederlage ärgerlich. Nun gilt es, in den übrigen Partien zu sehen, was möglich ist, mit klarem Kopf heranzugehen und einfach so gut wie möglich Schach zu spielen.


Alle Tabellen, Spielpläne, Infos zum Turnier sowie die gespielten Partien findet ihr hier.

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