Schwäbische U16-Mannschaftsmeisterschaft 2015; Finale

Von Freunden geschlagen

 

 

Seitens der Schwäbischen Schachjugend hatte man uns das Vertrauen ausgesprochen, das letzte Drittel der U16-MM auszurichten, sodass unserer Jugendmannschaft ein Heimspiel ermöglicht wurde. Gut, im Schach bemisst man diesem Umstand nicht gerade die größte Bedeutung, aber vielleicht würde ja das Heimrecht im anstehenden Kampf gegen die Auswahl des SK Buchloe doch irgendwie zum Tragen kommen. Außerdem durften unsere Jungs, Zarko, Erik, Jakob und Paul, ausschlafen, während die Mittelschwaben bereits am Morgen ran mussten.

 

Doch allen vermeintlichen Vorteilen zum Trotz unterlag unser Vierer mit 1:3 und durfte daher zusehen, wie der Titel des Bezirksmeisters nach Buchloe geholt wurde. Unseren Buchloer Freunden wünsche ich viel Erfolg auf bayerischer Ebene und ich hoffe, dass sie ihrer Erfolgsgeschichte noch das ein oder andere Kapitel anfügen werden. 🙂

 

Nachdem sich am Vormittag Buchloe gegen den SK Kriegshaber mit 3,5 : 0,5 deutlich durchgesetzt hatte und damit die beiden Spitzenteams nicht nur nach Mannschafts-, sondern auch nach Brettpunkten gleichauf lagen, hieß es am Nachmittag, den Meister auszuspielen. Zwar wurden wir, obwohl nicht in Bestbesetzung antretend, Robert war als Abwehrchef beim Fußball im Abstiegskampf unabkömmlich und Mehran hatte sich nicht rechtzeitig rückgemeldet, als klare Favoriten angesehen, standen uns doch mit Jakob und Paul zwei starke Ersatzspieler zur Verfügung, was ich jedoch anders sah. Zu nah befanden sich die Spieler hinsichtlich ihrer Stärke, sodass mir der Ausgang des Kampfes vollkommen unklar war.

 

Als es dann losging, da gönnte ich mir einige Minuten des Zuschauens und stellte dabei erfreut fest, dass unser Haufen offensichtlich besser eingestellt worden war. So hatte Zarko, er schaut mir entschieden zu oft über die Schulter, am Spitzenbrett gegen Ulis Alapin eine Variante aufs Brett gebracht, die sein Freund offensichtlich noch nicht gekannt hatte, sodass er nicht nur früh ausglich, sondern auch die Initiative an sich riss. Auch bei Erik sah alles sehr gefällig aus, wenngleich mir nicht ganz klar war, ob die beteiligten Spieler wirklich wussten, um was es in der Stellung geht. Bei Jakob, der es ausgerechnet mit der erfahrenen Dilan zu tun bekam, verlief die Eröffnung ausgesprochen ruhig und es schien, als wenn beide Seiten auf einen Fehler der Gegenseite lauerten. Blieb nur noch Paul, dessen frühzeitiges Anspringen des Gegners äußerst vielversprechend aussah, zumal solche Angriffsstellungen genau sein Ding sind.

 

Entspannt verließ ich den Turniersaal und begab mich in den Nebenraum, wo wir Betreuer in gelöster Stimmung diverse Themen besprachen und uns dabei nach vollbrachter theoretischer Gründung einer alternativen Bahngesellschaft für die Strecke Ichenhausen über Augsburg nach Buchloe an das theoretische Ins-Leben-rufen einer Fluglinie wagten. Doch bevor wir auch hier konkrete Fortschritte zu erzielen wussten, kam Paul strahlend herein und vermeldete seinen Sieg – 1:0.

 

Allerdings äußerte er auch, dass sich Erik im Besitz eines gesunden Mehrbauern befinde, Zarko eine ansprechende Stellung im Franzosen habe und Jakob, gleichfalls mit Schwarz, einen Angriff gestartet habe. Während ich die Aussage über Eriks Stellung mit einer gewissen Genugtuung vernahm, machten mir die Informationen die anderen beiden Stellungen betreffend doch gewisse Sorgen. Denn eigentlich möchte man in dieser Variante gegen „Alapin“ nicht in einen Franzosen umschwenken und Jakobs Stellung hatte doch im Vorfeld keinen Spielraum für größere Aktionen geboten. Deswegen schaute ich bei Gelegenheit nochmals in den Turniersaal und sah meine Befürchtungen leider bestätigt. Schlimmer noch!

 

Zarko hatte offensichtlich seine Stellung falsch eingeschätzt und sich im Vorteil gewähnt, weshalb er kein Gespür für das drohende Unheil entwickelt hatte. Dieses brach in Form eines schönen Räumungsopfers unvermittelt über ihn herein und sein Monarch wurde unter schwersten Beschuss genommen. Zeitgleich hatte Erik eine Qualität eingeparkt und im Zuge des damit einhergehenden Frustes gleich einen weiteren schwachen Zug eingestreut, der ihn um jedwede Möglichkeit für ein Remis beraubte. Auch bei Jakob sollte sich zeigen, dass er seine Stellung mit seinem unangebrachten Aktionismus überzogen hatte und Dilan schickte sich an, das mittlerweile entstandene Endspiel sicher zu verwandeln.

 

Von da an ging es Schlag auf Schlag, wobei leider Zarko die Serie an Niederlagen einleitete, was die Kampfmoral der anderen beiden schlagartig gen Null tendieren ließ, wussten sie doch mit dieser Situation überhaupt nicht umzugehen. Nur wenig später kapitulierte Jakob, bevor Erik mit der Aufgabe seiner Partie für den Endstand von 1:3 sorgte.

 

Damit ging nach der U12 auch in der U16 unser Team an zweiter Stelle durchs Ziel, sodass in der kommenden Saison auch hier ein wenig Luft nach oben drin ist. Dazu wird allerdings erforderlich sein, dass die Spieler noch besser lernen, die erzielten Vorteile zu nutzen. Denn es wird ja eine Partie nicht dadurch gewonnen, dass man früh besser steht, man muss auch die Gegenwehr des jeweiligen Gegners letztlich auch endgültig brechen.

Wie dem auch sei, auf alle Fälle möchte ich den Buchloern nochmals herzlich gratulieren und auf dem weiteren Weg viel Glück wünschen! 🙂

 

Für alle, die es interessiert, sind hier alle Einzelergebnisse und statistisch interessanten Daten zu finden.

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2 Responses to Schwäbische U16-Mannschaftsmeisterschaft 2015; Finale

  1. Vielen Dank!
    Euch Viel Erfolg in der Bayerischen KO-Runde der U14 in Ergolding!
    Ist ja vielleicht auch besser so, da die U14- und U16-KO-Runde gleichzeitig stattfinden sollten, hättet Ihr vielleicht nicht zu beiden Kämpfen die beste Mannschaft entsenden können.

  2. Alex says:

    Hallo Jörg,

    vielen Dank für die guten Wünsche. Ich hoffe doch, dass unser Vierer den Einzug in die Endrunde schaffen wird, auch wenn wir den Kampf werden verlegen müssen, weil doch zeitgleich das Kadertraining angesetzt worden ist, zu dem sich Zarko bereits verbindlich angemeldet hat. Doch ohne das Spitzenbrett möchte die Mannschaft zurecht nicht antreten und macht vom Recht auf Verlegung Gebrauch.

    So gesehen hätten wir auch die KO-Runde der U16 bestreiten können, steht doch nirgendwo, dass die Verlegung in beiden Altersgruppen auf denselben Termin erfolgen muss. Aber ich denke, dass es besser so ist, dass wir uns mit Euch die Aufgabe geteilt haben und ich wünsche Euch gegen die favorisierten Gräfelfinger viel Glück und vor allem Erfolg.

    Viele Grüße

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