Bayerische Meisterschaft 2013 (U12m)

Einfach nur schön

 

Wieder war ein Jahr vergangen und wieder hieß es, sich ins ferne Bad Kissingen aufzumachen, um den Meister der jeweiligen Altersgruppe zu ermitteln. Unser Zarko hatte die ganze Saison hinweg gut trainiert und sich in den Mannschaftskämpfen bzw. einem Vorbereitungsturnier nicht nur das nötige Selbstvertrauen geholt, sondern auch vor allen Dingen sein erworbenes Wissen vertieft. Daher setzte er sich zum Ziel, die letztjährige Platzierung (3. Platz; Anm. der Red.) zu toppen, was ihm mit dem Erringen der Meisterschaft auch glänzend gelang!

 

Herzlichen Glückwunsch zum Meistertitel!

 

Natürlich müssen immer mehrere Faktoren, z. B.  Motivation, Kampfgeist, Disziplin oder auch Glück, perfekt zusammenkommen, wenn man ein Turnier als 1. Sieger beendet, weshalb ich im folgenden den Verlauf der fünf Tage der Meisterschaft etwas näher beleuchten werde. Allerdings möchte ich betonen, dass diese Punkte auf alle Teilnehmer zutreffen, wenn auch mit unterschiedlicher Zusammensetzung, sodass viele junge Spieler am Ende des Turniers ziemlich müde und abgekämpft wirkten. So richtig bewusst wurde es mir durch eine Bemerkung eines Teilnehmers der U12, der während der Siegerehrung nach Aufruf eines Namens und des Vorgehens des entsprechenden Spielers sagte: „Wieder so eine Leiche!“. Als ich mich umdrehte und ihm und seinen Freunden in die Gesichter sah, da war ich froh, dass sie keinen Spiegel zur Hand hatten.Es begann alles mit einer entspannten Autofahrt nach Unterfranken, die so reibungslos verlaufen war, sodass wir bestens gelaunt in Bad Kissingen eintrafen. Wir, das waren Uli, sein Vater Olaf, Zarko und ich. Wir bezogen umgehend unsere Zimmer und hatten sogar ein wenig Zeit, um uns vor den Partien noch etwas die Beine zu vertreten, was natürlich besonders für die Jungs wichtig war, stand uns Vätern doch während der Runde viel Zeit zur Erholung zur Verfügung.

 

In der ersten Runde musste Zarko gegen einen vermeintlichen Außenseiter antreten, zumindest wenn man den Zahlen Glauben schenken wollte. Da Zarko allerdings wenig auf Zahlen gibt und letztes Jahr selber in dieser Rolle war, ohne sich als Punktelieferant zu sehen, nahm er den Gegner ernst. Und so kam es, dass er trotz geringer Zugzahl recht spät aus dem Turniersaal kam und seinen Sieg vermeldete – 1/1.

 

Aufgrund des Umstandes, dass in der Startrunde doch einige nominelle Favoriten gestolpert waren, fand sich Zarko zur zweiten Runde am Spitzenbrett wieder. Dort erwartete ihn mit Sebastian Reimann die nominelle Nr. 1  und ein altbekannter Schwabe! Da Zarko zum wiederholten Male im Turnier die weißen Steine führen durfte, ging er frohgemut in die Partie und wurde insofern etwas überrascht, dass ausgerechnet seine Lieblingsvariante aufs Brett kam. An die Stärke seiner Eröffnung glaubend, ließ sich Zarko auf ein Theorieduell ein und erreichte eine leicht bessere Mittelspielstellung. Diese bot zwar keinen allzu großen Vorteil, doch man konnte ganz bequem weiterspielen, während Schwarz doch einige genauere Züge hätte finden müssen. Und das war wohl auch vielleicht der Grund, warum sich die Partie zu Zarkos Gunsten neigte, als Sebastian eine lebenswichtige offene Linie verließ. Leider war sich Zarko der Wichtigkeit dieser Linie nicht so bewusst, weshalb es zu unnötigen Abtauschaktionen kam und beide in einem Bauernendspiel landeten, das für jenen verloren war, der zuerst etwas machte – 1,5/2.

 

Die Nachmittagsrunde bescherte Zarko mit Julian Shen einen Gegner, gegen den er vor zwei Jahren verloren hatte. Sich daran schmerzlich erinnernd ging Zarko mit Schwarz entschieden gegen Julians Stellung vor und hatte auch, obwohl er weder die Eröffnung noch den daraus resultierenden Stellungstyp kannte, den richtigen Plan, an dessen Umsetzung er zielstrebig arbeitete. Als er dann aber kurz vor der Verwirklichung seiner Idee stand, da übersah er, dass er seinen Traumzug im Zentrum hätte machen können und bereitete stattdessen die Durchsetzung des Zuges e5 weiter vor. Diese Verschnaufpause wusste Julian geschickt zu nutzen, flickte seine Stellung zusammen, verhinderte e5 und bot im psychologisch wichtigen Moment Remis an, nämlich genau da als Zarko erkannte, dass er zwischendrin den Faden verloren hatte und seine Zweifel an seinem Spiel wuchsen. Nach einer gewissen Zeit des Überlegens willigte unser Zarko ein, sodass er sich mit 2/3 in der Verfolgergruppe wiederfand.

 

Da die Partie relativ schnell beendet war, nutzten wir die überraschend aufgetretene zusätzliche Freizeit, um einen schönen langen Spaziergang zu machen und uns dabei zunächst über den bisherigen Turnierverlauf und später über Privates zu unterhalten. Beiden tat diese Abwechslung gut und als wir wieder in der Jugendherberge waren, da aßen wir mit den Wellers zu Abend und begaben uns anschließend auf unsere Zimmer. Die Jungs durften lesen und eigenverantwortlich schlafen gehen, während wir Väter uns einen kurzen Männerabend gönnen wollten, zumal mir am Mittwoch und Donnerstag zwei Seminartage zur Verlängerung der ÜL-Lizenz bevorstanden. Dass das überhaupt im Rahmen der Meisterschaft möglich ist, dafür möchte ich an dieser Stelle den Verantwortlichen der BSJ sehr danken, kann man als Mitreisender oder schmückendes Beiwerk so doch die Zeit besonders sinnvoll nutzen!

Als dieser Männerabend wieder vorbei war, da wollte ich eigentlich nur einen kurzen Blick auf die Auslosung der vierten Runde werfen, als mir ein anderer Vater begegnete. Er meinte, dass ihm bestens bekannt sei, wie Zarkos nächster Gegner neuerdings zu eröffnen pflege. So kam es, dass ich anstatt ins Bett zu gehen, meinen Laptop aus dem Zimmer holte – Zarko schlief tief und fest – und bis weit nach Mitternacht einen Weg suchte, der einerseits die entsprechende Eröffnung vor größtmögliche Probleme stellen sollte und andererseits am ehesten Zarkos Spielstil entsprach.

 

Ich hatte den Eindruck, gerade eingeschlafen zu sein, als der Wecker klingelte und ich Zarko mitteilte, dass wir vor dem Frühstück noch etwas anschauen müssten. Glücklicherweise war der Junge ausgeschlafen und auch seine Auffassungsgabe am Morgen war beeindruckend, sodass nach knapp einer halben Stunde dem Weg zum Frühstück nichts mehr im Wege stand. Und von dort ging Zarko in den Turniersaal und ich in den Seminarraum.

 

Zur Pause wagte ich einen kurzen Blick und stellte zufrieden fest, dass des Gegners 1. b3 tatsächlich aufs Brett gekommen war und Zarko mit zwei Bauerninseln und Läufer geggen drei Bauerninseln und Springer, wobei noch alle Schwerfiguren auf dem Brett waren, über sehr gute praktische Gewinnchancen verfügte. Beruhigt begab ich mich wieder in den Seminarraum und erfuhr später, dass Zarko letztlich den Punkt auch wirklich eingefahren hatte – 3/4.

 

Den freien Nachmittag nutzten Uli und Zarko, indem sie als das Team „Wellovic“ am Kickerturnier teilnahmen, blitzten und andere schöne Dinge mit Olaf unternahmen, während ich spontan die Prüfung zum Schiedsrichter ablegte, welche ich auch mit Bravour bestanden habe! 🙂

Die Tabelle nach der 4. Runde bot ein seltsames Bild, thronte doch ganz oben mit Daniel Lichtmannecker nicht nur ein Spieler, der aus der U10 frisch in die U12 gekommen war, er fiel auch in der Vergangenheit nicht durch überragende Ergebnisse auf. Doch nun hatte er als einziger 3,5/4 und entsprechend wurde er von allen anderen Spielern gejagt. Und während sich Daniel gegen Sebastian zu verteidigen hatte, musste Zarko mit seinem nächsten Gegner darum kämpfen, den Anschluss nicht zu verlieren.

 

Da Zarko nach zwei Schwarzpartien wieder die weißen Steine zustanden, wollte er diesen Umstand nutzen, um nach dem gestrigen Sieg nachzulegen. Zumindest war das der Plan! In der Praxis sah es leider so aus, dass er im frühen Mittelspiel etwas übersehen hatte, was ihn glatt Material kostete. Doch anstatt nun auf Gewinn zu spielen, bot der Gegner mit dem Schlagen des Material absolut überraschend Remis an, ein Angebot, das man in dieser Situation einfach nicht ablehnen konnte! Mit diesem Glück gesegnet hatte Zarko nunmehr 3,5/5.

 

Die 6. Runde bescherte ihm dann den bis dato groß aufspielenden Daniel Lichtmannecker, der jedoch in der 5. Runde Sebastian unterlegen war. Gewarnt von den vergebenen Möglichkeiten der anderen Gegner, gegen die Daniel im Laufe des Turniers seine Punkte gesammelt hatte, spielte Zarko abwartend-lauernd und als sich ihm die Gelegenheit bot, in ein besseres Läuferendspiel abzuwickeln, da ergriff er die Gelegenheit beim Schopf und gewann dieses souverän – 4,5/6.

 

Vor der letzten Runde waren gleich vier Spieler punktgleich, wovon drei Schwaben waren. So hatte Sebastian, der in der vorherigen Runde sehr früh remisiert hatte, ebenso 4,5/6, wie Uli, der sich mittlerweile rangekämpft hatte, wie Pablo Wolf, der ein tolles Turnier absolvierte, und wie Zarko.

 

Leider war es nicht anders möglich, als dass Zarko und Uli die Klingen kreuzen mussten, während es Sebastian mit Pablo zu tun bekam. Allen war klar, dass nur der oder die Sieger die Meisterschaft erringen können. Entsprechend ging man zu Werke und Zarko bekam die Gelegenheit, eine nicht so geläufige, so doch interessante Variante aufs Brett zu bringen, die ihm aufgrund Ulis kleiner Unaufmerksamkeit eine ganze Figur für zwei Bauern einbrachte. Nun waren die Spieler der anderen Begegnung gefordert, denn es war klar, dass Zarko das nach Hause bringen dürfte. Doch anstatt alles zu versuchen, um die Meisterschaftzu gewinnen, begnügte man sich mit dem Treppchen, sodass Zarko nach dem Sieg als alleiniger Sieger feststand!

 

Da der 2. Platz an Sebastian ging, wird Schwaben für die nächste Bayerische in der U14 zwei zusätzliche Plätze haben, sind doch die beiden Erstplatzierten der U12 für die nächste U14 vorberechtigt. Oh glückliches Schwabenland!

 

Pablo Wolf kam als Dritter in Ziel und freute sich gleichfalls über seinen Pokal. Und Uli? Dieser hatte bange Minuten zu überstehen, fürchtete er doch, dass er die Fahrkarte zu den Deutschen nicht mehr werde lösen können. Doch letztlich war die Befürchtung umsonst, denn er belegte nach Wertung den 4. Platz, noch vor Josef-Sebastian Ott, der den letzten begehrten Platz zur Deutschen erhielt.

Alles in allem war es wieder einmal ein sehr schönes Turnier und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn es 2014 wieder heißt: „Auf nach Bad Kissingen!“

 

Alle Ergebnisse und sonstige Zahlen gibt es hier

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2 Responses to Bayerische Meisterschaft 2013 (U12m)

  1. Jörg says:

    Super-Zarko !

    Bayerischer Meister 2013 und es geht weiter…
    Toll Dich neben mir zu wissen.
    Mach weiter so.
    Und auch Gratulation und Respekt an den Papa, der Dich dahin geführt und begleitet hat.
    Mach weiter so.

  2. Peter Linder says:

    Hi Zarko, Gratulation und herzlichste Glückwünsche zur Bayerischen Meisterschaft. Super!
    Viel Erfolg bei der Deutschen und Grüße an den stolzen Papa

    Auch an Kathi Glückwünsche und Gratulation zu einem tollen Turnier am Tegernsee.

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