EU-Meisterschaft der U14

Nichts für schwache Nerven

 

 

In den Sommerferien, genau genommen vom 18. bis zum 27. August, fanden im tschechischen Kouty nad Desnou die EU-Meisterschaften der Altersgruppen U8 bis U14 statt. Mittendrin unser Zarko, der erfreulicherweise eine Nominierung seitens der BSJ erhalten hatte und dort in einem kleinen, aber feinen Feld um Punkte und eine gute Platzierung kämpfte. Beides gelang ihm so gut, dass er am Ende mit 6/9 einen verdienten 3. Platz in der Jungenwertung belegte, womit er ein weiteres Mal sein Können unter Beweis stellte, wenngleich sogar noch etwas mehr drin gewesen wäre. Glückwunsch! 🙂

 

Anfangs hatte es allerdings noch so ausgesehen, als wenn das Turnier unter keinem guten Stern stände, denn schon die Abfahrt am vereinbarten Treffpunkt in Buchloe sollte sich verkehrsbedingt um ca. zwei Stunden verzögern. Dieses Problem des zähen Verkehrsflusses setzte sich auf der Reise nach Osten fort, sodass man erst sehr spät in der Nacht den Zielort erreichte. Daraufhin fiel Zarko äußerst müde ins Bett, nur um nach gefühlten zwei bis drei Stunden, in Wirklichkeit hatte er viel länger geschlafen, schon wieder geweckt zu werden und zum Frühstücken zu gehen.

 

Diese gewisse Restmüdigkeit war dann wohl auch der Grund dafür, warum Zarko in der ersten Runde mit Weiß seine Leib-und-Magen-Variante, das Spielen gegen das Zweispringerspiel im Nachzug, etwas seltsam behandelte, sodass von dem erhofften größeren Vorteil relativ wenig übrigblieb. Doch als Zarko seinen Gegner etwas strenger befragte, da verlor dieser gleich den Überblick und die Partie – 1/1.

 

Woher ich das alles mit der Partie so genau weiß, obwohl ich nicht zugegen war? Nun, das lag an der hervorragenden Organisation der Tschechen, die nicht nur für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und sehr gute Spielbedingungen gesorgt hatten, sondern auch alle Partien der Meisterschaft live im Internet übertrugen. Und was eigentlich als toller Service für das Publikum gedacht war, das sollte sich bald als wahre Belastungsprobe für das Nervenkostüm der Zuschauer erweisen, denn von nun an sollte man so manchem Drama beiwohnen.

 

Bereits die zweite Runde sollte für den ersten richtigen Aufreger sorgen, denn Zarko wähnte sich in seinem Sizilianer dermaßen sicher, dass er etwas  überhastet reagierte und in einer scharfen Variante plötzlich mit einer Minusfigur dastand. Kompensation? Fehlanzeige! Das heißt, er hatte eine etwas bessere Entwicklung, hatte wenigstens einen Bauern für den Klotz und verfügte über eine Bauernphalanx im Zentrum, doch das war entschieden zu wenig. Dennoch warf er alles nach vorne, sah imponierend aus, und veranlasste die Nerven verlierende Gegnerin eine Figur für zwei Bauern zurückzugeben, wonach die bessere Figurenstellung den Ausschlag gab und Zarko gewann – 2/2.

 

Da die ersten beiden Runden trotz schwachen Spiels glimpflich verlaufen waren, meist ein Indiz für einen späteren Turniersieg, blickte man der Begegnung gegen die Turnierfavoritin, einer WFM aus Bulgarien, nach erfolgter Vorbereitung freudig entgegen. Tatsächlich wurde sie etwas von Zarkos Eröffnungswahl überrascht, stand zunächst etwas seltsam und verbrauchte eine Unmenge an Zeit. Allerdings sollte es sich rächen, dass die Vorbereitung nur übers Internet vonstatten ging, sodass Zarko in Unkenntnis eines wichtigen Plans – Er spielte das System das erste Mal! – daneben griff und sie wieder rausließ. Aber da war ja noch die Bedenkzeit, man spielte mit 90 Minuten + 30 Sekunden Aufschlag pro Zug, die die Gegnerin ab dem 24. Zug bei ca. einer Minute verharren ließ! In dieser Phase drückte Zarko mit aller Gewalt, erspielte sich zwei Mehrbauern, aber an einen Durchbruch war nicht zu denken. Deswegen entschloss sich Zarko zu einem zweifelhaften Bauernopfer, das ihn in der Folge sogar einen weiteren kosten sollte und fortan musste er sich verteidigen. Letztlich ging die Partie im 65. Zug Remis aus, wobei ich der junge Dame höchste Anerkennung zolle, über vierzig Züge lang am zeitlichen Abgrund zu balancieren und dabei in gedrückter Stellung so stark zu agieren – 2,5/3!

 

Zarkos nächster Gegner kam aus Rumänien, hieß mit Vornamen Vlad und hatte einen Blick drauf, der vermuten ließ, dass er tatsächlich ein Nachfahre des berühmten Fürsten ist. Doch davon unbeeindruckt sprang ihn Zarko mit Schwarz mächtig an, obwohl es in dieser frühen Phase in dieser Form unangebracht war. Diesen Fehdehandschuh nahm der junge Rumäne postwendend auf und wollte unseren übermütigen Recken sofort bestrafen, was aber nicht möglich war. So entstand eine Mittelspielstellung mit früh getauschten Damen, die förmlich auf Zarko zugeschnitten war. Entsprechend gut behandelte er sie auch und überzeugte damit sogar die Jury, die diese Partie zur Partie des Tages kürte. Mit 3,5/4 war er plötzlich alleiniger Tabellenführer!

 

Zur fünften Partie ist eigentlich wenig zu sagen, denn Zarko ging gegen den Skandinavier des Gegners vorbildlich vor, zerlegte ihn nach Strich und Faden, zermalte des Gegners Königsstellung, gewann quasi im Vorübergehen zwei Bauern und ….. verlor!!

Wie das passieren konnte? Nachdem der Gegner den Augenblick der rechtzeitigen Aufgabe verpasst hatte, der Erfolg gibt ihm im Nachhinein recht, hatte sich Zarko von einem Verzweiflungszug des Gegners dermaßen aus dem Tritt bringen lassen, dass er dabei nicht nur einen Turm einbüßte, sondern auch das danach immer noch mögliche Dauerschach ausließ – 3,5/5. Eine in jeder Hinsicht unglaubliche Partie!!

 

Auch wenn sich Frau Jussupow vorort und ich aus der Ferne nach Kräften mühten, den Schock ob des Verlusts in der fünfte Runde abzumildern, so wollte es uns auch mit vereinten Kräften nicht gelingen. Zu sehr war Zarko auf „Wiedergutmachung“ fixiert und brach mit Schwarz nach nur zwölf Zügen einen überhasteten Angriff vom Zaun. Dieser ging flott nach hinten los und unser Heißsporn war plötzlich gezwungen, sich zu verteidigen. In schwieriger Stellung sorgte ein vermeintlich vereinfachender Tausch für den Verlust einer Qualität und kurz darauf der Partie – 3,5/6.

 

Wieder arbeitete man auch Hochtouren und kam zu dem Schluss, dass in dieser Situation die Rückkehr zum „Franzosen“ wohl am besten sei. Entsprechend instruiert nahm Zarko den Kampf der siebenten Runde auf und stand nach nur acht Zügen schon leicht besser!

Doch hier merkte man deutlich, wie angeschlagen unser Zarko war, denn statt in vorteilhafter Stellung auf Angriff zu spielen, er hatte einige  Züge Vorsprung, tauschte er die Damen und begnügte sich mit positionellem Vorteil. Das war vielleicht auch die bessere Entscheidung, denn hier büßte der Gegner in schwieriger Stellung einen Bauern ein und es deutete alles auf einen Sieg hin. Doch dann geschahen seltsame Dinge, sodass sich die Kontrahenten nach etlichen Irrungen und Wirrungen gütlich trennten – 4/7. Nach den Runden fünf und sechs ein gefühlter Sieg.

 

Es ist faszinierend, was die Psyche ausmacht, denn zur achten Runde erschien ein förmlich anderer Zarko, der voller Selbstbewusstsein ein ihm schlecht bekanntes System vortrug und nach 21 Zügen ein von der Intuition geleitetes Figurenopfer anbrachte. Die danach entstanden Komplikationen mit dem im Brennpunkt stehenden König hätte vermutlich ein Schachprogramm überschaut, für Zarkos Gegnerin sollten sie sich aber als unlösbar erweisen und sie unterlag – 5/8.

 

In der letzten Runde sollte es wieder der „Franzose“ richten und er tat seine Pflicht! Zarko stand schon bald besser, wickelte in ein vorteilhaftes Endspiel ab, das er zur Gewinnstellung ausbaute und hätte damit alles einwandfrei beenden können. Tja, hätte, denn er fing an unsauber zu rechnen, verspielte seinen Vorteil und bot so der Gegnerin die unverhoffte Chance zu remisieren, die sich diese jedoch glücklicherweise entgehen ließ – 6/9.

 

Fazit:

 

Es war insgesamt gesehen ein sehr schönes Turnier, das sich durch seine hervorragende Organisation auszeichnete, wofür ich mich beim Veranstalter bedanken möchte. Ebenso gebührt der BSJ mein Dank, die es nicht nur in Bayern beheimateten Jugendspielern ermöglicht, sich international zu messen, sondern sich auch an den Kosten beteiligt. Einen ganz besonderen Dank möchte ich Frau Jussupow aussprechen, die sich um alle Spieler rührend gekümmert hat und damit zweifelsohne einen großen Anteil am Erfolg hatte.

 

Abschließend möchte ich natürlich niemandem die Turnierseite vorenthalten, auf der nicht nur viele andere Informationen zu finden sind, sondern wo man auch alle gespielten Partien nachspielen kann. Viel Spaß! 🙂

 

Und wenn immer noch ein wenig Zeit und Energie vorhanden sein sollten, dann empfehle ich noch den Bericht auf der Seite der BSJ. 😉

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