4. Wertinger Jugend-Schnellschachturnier

Die Jugend der Schachfreunde rückt aus!

 

Da wir uns mit unserer Jugendarbeit im Verein und den drei betreuten Schach-AGs für die schachliche Ausbildung vieler Kinder und Jugendlichen verantwortlich zeigen, war es nun wieder an der Zeit, das erworbene Wissen zu vertiefen, wofür das Rapidturnier in Wertingen beste Voraussetzungen bot. Denn die qualitativ hochwertige Gegnerschaft würde schonungslos aufdecken, was noch nicht ganz verstanden worden war und woran man intensiver arbeiten müsste.

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Also machten wir, das waren fünf Eltern und ich, uns mit insgesamt 15 Kindern auf den Weg in das schöne nordschwäbische Städtchen und sorgten mit unserem Eintreffen für eine Hochstimmung beim Veranstalter. Denn das Turnier verzeichnete mit insgesamt 103 Teilnehmern eine Rekordbeteiligung! 

 

U10 – „Die jungen Wilden“:
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 Mit Behzad, HedwigJakob, Katarina, Leo, Maxim, Paula und Thomas fand sich nicht nur der Großteil unserer Schützlinge im selben Turnier wieder, besonders erfreulich war vor allem, dass unsere Mädels fast die Hälfte unserer Gruppe ausmachten! Und während Jakob und Katarina damit rechnen durften, ein Wörtchen um die begehrten Plätze auf dem Treppchen mitzureden, durften sich alle anderen auf viele Abenteuer in ihrem jeweils ersten Turnier freuen. 🙂

 

Wertingen2Für Behzad war der Start ins Turnierleben anfangs nicht gar so erfolgreich, denn er musste gleich zu Beginn zwei Niederlagen hinnehmen, weil er es mit der Entwicklung nicht gar so genau nahm. Doch er lernte schnell, streute wie ein Profi ein Remis ein, um den freien Fall zu stoppen und holte aus den letzten vier Begegnungen zwei volle Punkte. Damit erreichte er 2,5/7, was angesichts seiner Gegnerschaft sehr respektabel war, denn er führte die Gruppe der 2,5-Pünkter nach Wertung an.

 

Wertingen 8Nicht ganz so gut verlief Hedwigs Premiere, auch wenn die Partieanlage mehr hätte erwarten lassen. Denn oftmals stand sie recht gut, gab sich aber bzgl. des Schlagens der gegnerischen Figuren etwas zurückhaltend, sodass ein gebotenes Zurückschlagen eher im Notfall vollzogen wurde. Trotz dieser erschwerten Bedingungen kam sie zu ihren Punkten und vermied es, die „rote Laterne“ zu erhalten.

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Wertingen 4Ganz gegensätzlich präsentierte sich Jakob, der im Stile eines Dampfzuges über seine Gegner hinwegrollte. Das hätte vermutlich das ganze Turnier hindurch so weitergehen können, wenn in der 5. Runde kein außerplanmäßiger Halt eingestreut worden wäre, indem er mit einer klaren Gewinnstellung versehen, er hatte bereits deutliches Mehrmaterial, den amtierenden Schwäbischen Meister der U10 Jan Martin mit beiden Türmen auf seine zweite Reihe hätte kommen lassen. Jan ließ sich nicht lange bitten und fügte so Jakob die erste Niederlage bei. Doch von dieser vom Partieverlauf her gesehen unerwarteten Niederlage erholte er sich in kürzester Zeit derart gut, dass er die nächsten beiden Runden für sich entschied und so mit 6/7 das Turnier nach Wertung gewann! Sehr schön!

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Einen nicht gar so guten Tag erwischte Katarina, die nach zwei Siegen zu Beginn bereits in der 3. Runde etwas überraschend ihre erste Niederlage hinnehmen musste. Davon doch etwas irritiert, konnte sie zwar die nächsten beiden Begegnungen für sich entscheiden, wobei der jeweilige Punktgewinn ziemlich wackelig zustande kam. Die logische Folge war, dass Katarina in der Vorschlussrunde einen weiteren Punkt abgeben musste. Um das Turnier dann wenigstens versöhnlich ausklingen zu lassen, ging sie in der letzten Runde übertrieben forsch zu Werke, wurde ausgekontert und beendete damit das Turnier mit 4/7. Es kann eben nicht immer sehr gut laufen.

 

Mit Leo betrat ein Spieler die Turnierarena, um den ich mir ob seines zumeist geringen Zeitverbrauchs große Sorgen machte. Allerdings vermochte er mich gleich in der Startrunde positiv zu überraschen, indem er sich im Kampf gegen seinen Vereinskameraden Maxim ausreichend Zeit nahm, die Vorzüge seiner Stellung erfasste und höchst konzentriert die Vorteile einsammelte, bis er das Brett letztlich als Sieger verlassen konnte. Von diesem Erfolg regelrecht euphorisiert, denn ein Sieg gegen Maxim gelang ihm in der Vergangenheit nur höchst selten, verfiel er in seine „Lichtgeschwindigkeit“, welcher er nicht nur eine Niederlage zu verdanken hatte. Dass er am Ende auf 3/7 kam, ist zweifelsohne ein Erfolg, doch wäre hier mehr drin gewesen.

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Komplett anders als bei Leo verlief es bei Maxim. Er war nach der Niederlage gegen Leo sichtlich irritiert, rettete sich in der 2. Runde nur mit größter Mühe ins Remis, besann sich dann aber wieder seiner Qualitäten und holte aus den verbliebenen fünf Begegnungen ganze drei Zähler. Damit erreichte er am Ende nicht nur 3,5/7, sondern auch einen soliden Mittelplatz. Auf alle Fälle stimmt die Richtung.

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Die dritte „Amazone“ am Start war unsere Paula, die bisher nur in Mannschaftskämpfen zu bewundern war. Nun traute sie sich erstmals als „Einzelkämpferin“ und bewies, dass ihr hevorragendes Abschneiden am Spitzenbrett beim diesjährigen „Augsburger Jugend-Amateur-Turnier“ kein Zufall war. Sie begann sehr gut und man konnte sie immer wieder an den vorderen Brettern erblicken, wo sie dann allerdings der Erfahrung der Gegner Tribut zollen musste. Dennoch holte sie insgesamt 4/7 und war gleich nach Katarina das zweitbeste Mädchen. Ein gelunger Auftritt!

Auch für Thomas, Hedwigs jüngerem Bruder, war es das erste Turnier. Gleich seiner Schwester Wertingen 16konzentrierte er sich mehr auf seinen Aufbau und darauf, wie er richtig reagieren könne und vernachlässigte dabei einige sehr gute Möglichkeiten. Das ganze gipfelte darin, dass er bei einem vermeintlichen Dauerschach, das der Gegner mit einem Turm „forcierte“, den schachbietenden Turm etliche Züge lang nicht schlug. Trotz dieser defensiven Taktik holte er sich gleich 2/7 und wird beim nächsten Mal sicher öfter zuschlagen und entsprechend mehr Punkte holen!

 

U12 – „Die angehenden Routiniers“:

 

Hier brachten wir mit Konstantin, Mehran, Paul, Robert und Simon fünf Spieler an die Bretter, die sich zwar bereits alle im Schulschach bewährt haben, die aber in Einzelturnieren seit Monaten ihrer Form hinterherliefen (Robert) oder aber noch nie an einem Einzelwettkampf teilgenomen haben (Konstantin, Mehran, Paul und Simon). So gesehen durfte man auf das Abschneiden dieser jungen Herren sehr gespannt sein.

 

Einen sehr guten Start erwischte Konstantin, der gleich mit 2/2 loslegte und erst in der 3. Runde vom erfahrenen Klosterlechfelder David Haas gestoppt werden konnte. Davon ließ er sich jedoch nicht beeindrucken, gewann in der 4. Runde wieder und bekam es in der 5. Runde ausgerechnet mit Robert zu tun. Hier entstand ein spannender Kampf mit etwa gleichen Chancen, den Konstantin durch einen Fehler Wertingen 10seines Vereinskameraden, Robert schlug in beidseitiger Zeitnot mit der Dame einen gedeckten Bauern, für sich entscheiden konnte. Leider verlor er dann wieder und in der Abschlussrunde, in der er wirklich alles unternahm, um seine bessere Stellung zum Gewinn zu führen, war ihm aber leider kein Sieg vergönnt, sodass er schließlich das gute Turnier mit 4,5/7 beendete. Mit etwas mehr Training wird ganz sicher ein Pünktchen mehr rauszuqutschen sein!

 

Wertingen 14Anders dagegen verlief es bei Mehran, in der Mannschaft stets eine Bank, der irgendwie nie so richtig ins Turnier zu finden schien. Es begann schon damit, dass er in der 1. Runde, ausgerechnet gegen Simon spielend, den Gegner unnötig ins Patt setzte. Darauf folgte eine wahrlich unnötige Niederlage und von da an ein stetiges Auf und Ab. Letztlich erzielte er 3/7 und blieb damit weit unter seinen Möglichkeiten! Meim nächsten Mal wird das ganz sicher besser!.

 

Wertingen 9Ganz entspannt ging Paul in sein erstes Turnier, erwischte einen sehr guten Start und stellte seine Gegnerschaft mit seinem kompromisslosen Angriffsstil immer wieder vor Probleme. Daran änderte auch nichts, dass er bereits aus der Eröffnung heraus etwas unorthodoxe Ziele verfolgte, den für Paul ist das Angriffsobjekt in Form des gegnerischen Königs klar. Und so kam es, dass die meisten Gegner diesem Druck nicht standzuhalten vermochten, weswegen sich Paul letztlich über 4,5/7 und ein gleichfalls erfolgreiches Turnier freuen durfte. Auch hier ist die Punktegrenze bei weitem noch nicht ausgereizt, vor allen Dingen, wenn man den Angriff etwas gründlicher vorbereiten würde!

 

Bei Robert war es leider so, dass er nach wie vor nicht zu seiner alten Form finden konnte, auch wenn ihm ein Traumstart mit 2/2 beschieden war. Zu sehr wirkte sein Spiel schematisch, oftmals fehlten ihm die Ideen und manchmal war er zu unkonzentriert – siehe Partie gegen Konstantin. So kam es, dass er in der 3. Runde eine klare Niederlage hinnehmen musste, die er aber routiniert mit zwei weiteren Siegen beantwortete. Mit dem Einsteller gegen Konstantin und einem Fehler der gleichen Art in der Schlussrunde, beraubte er sich mit 4/7  selber eines größeren Erfolges, dürfte aber mit der Rückkehr seines alten Spielwitzes wieder zu den Favoriten zu zählen sein!

 

Angesichts des Umstandes, dass Simon aufgrund des Stundenplans den Schachunterricht nicht besuchen Wertingen 15kann, war ich bei ihm besonders gespannt, wie er abschneiden würde. Er erspielte insgesamt 3/7 und belegte damit einen Mittelplatz, was nicht nur wegen des Trainingsrückstands, sondern auch wegen seiner starken Gegnerschaft – siehe Buchholz – definitiv als Erfolg zu werten ist. Auch hätte er mit einem Sieg in der Schlussrunde, was angesichts der Stellung durchaus im Bereich des Möglichen gewesen war, eine noch bessere Platzierung erreichen können, was er beim nächsten Turnier auch zweifelsohne tun wird!

 

 U14 – „Alte Hasen“:

 

Hier vermochten wir nur zwei Vertreter zu entsenden, viel mehr Jugendliche diesen Alters haben wir momentan auch nicht, doch durfte man sich auf ihren Auftritt freuen. Denn Erik, dessen Fortschritte sich in immer mehr Siegen in Einzel- und Mannschaftswettbewerben zeigen, durfte damit rechnen, ganz vorne mitzuspielen, und Ronja bekam endlich die Gelegenheit, in die Praxis des Schachspiels einzutauchen.

 

Und glücklicherweise kam es bei Erik genau so, wie erwartet, denn er legte wie die Feuerwehr los, Wertingen 12unterlag lediglich in den Runden vier und sechs und konnte ansonsten alle anderen Begegnungen für sich entscheiden. Dafür wurde er mit 5/7 und einem ungeteilten 3. Platz belohnt! Dies wird er ganz sicher noch übertreffen können, wenn er seiner Verteidigung dieselbe Aufmerksamkeit zuteil werden ließe, mit der er seinen Angriff bedenkt, denn beide Niederlagen resultierten gerade daraus, dass er seine haltbaren Stellungen nicht gut zu verteidigen wusste. Aber das wird sich mit weiteren Trainingseinheiten ganz sicher ändern!

 

Wertingen 11Zweifelsohne hatte sich Ronja ihr erstes Schachturnier anders vorgestellt, ich übrigens gleichfalls, den trotz eines gesunden Aufbaus und umsichtiger Spielweise  musste sie leider immer wieder aufgeben. Lediglich in einer Runde stellte sie ihre Gegnerin vor derart viele Probleme, dass diese die Zeit überschritt. Woran kann es gelegen haben, dass in der Endabrechnung nur 2/7 zu Buche standen? Am Aufbau? Am Spiel? Keineswegs, denn beides passte im Prinzip sehr gut. vielmehr bestand das Dilemma darin, dass sich Ronja zu oft weigerte, eine Figur zu schlagen, sei es, dass es diese gratis vom Gegner gab oder aber etwas zurückgeschlagen werden sollte. Doch dieser Makel wird schnell zu beheben sein, sodass wir uns auf weitere und erfolgreichere Resultate von ihr freuen dürfen!

 

Insgesamt betrachtet, war es eine sehr schöne Veranstaltung, die mit der großen Fahr- und Hilfsbereitsschaft der Eltern begann – herzlichen Dank dafür! – und mit einer netten Gruppe an jungen Spielern endete, die sich nicht nur sportlich sehr korrekt verhalten hatten, sondern auch untereinander stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte ihrer Vereinskameraden fanden. Unter diesen Voraussetzungen wird es eine wahre Freude sein, zum letzten Rapidturnier nach Rain am Lech zu fahren, wo neue Erfahrung gesammelt werden kann.

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Alle Ergebnisse findet ihr hier.

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