Am 07. März 2026 führte uns die zentral ausgestragene U20-Endrunde nach Regensburg. Die mathematische Möglichkeit für den zweiten Platz und somit einem Stichkampf gegen die Sachsen um einen Platz bei der DVM bestand noch, sodass das Ziel klar zwei Mannschaftssiege, sowie ausreichend Brettpunkte war. Am Morgen ging es gegen die Ergoldinger, welche uns letztes Jahr an die „David gegen Goliath“-Geschichte erinnern konnten und am Nachmittag gegen die direkten Konkurrenten sowie Ausrichter Bavaria Regensburg.

Runde 6: Ergolding – SF Augsburg
Brett 6: Daniel
Daniel fand sich über den Grand-Prix Sizilianer in einer verbesseerten Version der Französisch-Struktur wieder. Mit bereits bis nach b4 und a4 vorgeschobenem Damenflügel, entschied er sich dazu, den Königsflügel mit dem f7-f6-Hebel zu öffnen. Infolgedessen öffnete sich das Zentrum für Figuren beider Seiten, gelang es Weiß jedoch an ausschlaggebender Stelle den Turm mit Angriff auf die siebte Reihe zu bringen, sodass Daniel in den Komplikationen den Mattangriff nicht mehr verteidigen konnte. 0-1

Brett 4: Alex
Alex erwiderte die Englische Eröffnung mit 1…e5 und 2…Lb4 und nachdem Alex im Botvinnik-Aufbau (mit Bauern auf g3, e4 und c4) die Chance verpasst hat seinen fairen Anteil des Zentrum unter guten Bedingungen einzunehmen, ergriff sein Gegner die Gelegenheit das Läuferpaar zu gewinnen und mit dem f2-f4 Hebel einen Zentrums- und somit Aktivitätsvorteil zu zementieren. Alex verteidigte sich jedoch zäh und opferte einen Bauern um wieder aktivere Figuren zu bekommen und gewann im Endspiel das Materiali wieder zurück, wonach beide die Stellung wiederholten. 0,5-1,5

Brett 5: Michael Steinberger
Michael Steinberger strebte gegen den Kan-Sizilianer einen Maroczy-Aufbau an, jedoch gelang es seinem Gegner eine gute Version der Dinge zu bekommen, sodass Schwarz mit dem d6-d5 Bauerndurchbruch enorme Aktivität bekam. Dies wurde in einem Angriff gegen Michis König transformiert, welcher dann nur noch mit Materialeinbußen verteidigt werden konnte. 0,5-2,5

Brett 3: Michael Schrimpf
Im Vier-Springer-Sizilianer tauschten sich bei Michael Schrimpf die meisten Figuren ab, sodass er im daraus resultierenden Doppelturmendspiel mit etwas schwächeren Bauern zu kämpfen hatte. Seinem Gegner gelang es mit einem Bauernzentrum eine Chance zu kreieren, da diese jedoch ungenutzt blieb, verteidigte Michael Schrimpf im routinierten Style bis nur noch Könige übrig blieben. 1-3

Brett 1: Quang
Bei mir fand sich über die Halbslawisch-Zugfolge eine QGA-Stellung (Queen’s Gambit Accepted bzw Angenommenes Damengambit) am Brett. Nach unpräzisem Spiel beider Seiten gelang ich in ein Endspiel mit Mehrbauern, aber dafür etwas unkoordinierten Leichtfiguren und leicht schwachen Bauern. Mein Gegner verpasste die Möglichkeit zu aktivem Gegenspiel, wodurch ich durch ebenso aktive Figuren den Mehrbauern verwerten konnte. 2-3

Brett 2: Vincent
Vincent wiederholte seine Antwort auf den Italiener, während sein Gegner die Verbesserung im Vergleich zur letzten Saison spielte. Vincenet lief große Gefahr in einem Endspiel mit schlechter platziertem Läufer, sowie unbeweglicheren Bauern zu landen. Sein Gegner fasste die Dame mit der Intention einen schlechten Zug zu spielen, jedoch bemerkte er rechtzeitig, dass dieser Zug die Dame einstellt, wonach er durch die berüht-geführt-Regel gezwungen war einen suboptimalen Zug zu spielen. Nach verpassten Chancen beiderseits liquidierte sich die Stellung in ein Turmendspiel mit so gut wie nicht existenten Chancen für Vincent. Er schaffte es jedoch Wasser aus Stein zu pressen und gleichte den Mannschaftsscore aus. 3-3

Nach der Teilung der Mannschaftspunkte schien der zweite Platz erstmal unmöglich, jedoch haben die nominell stark favorisierten Regensburger gegen Würzburg eindeutig 4,5-1,5 verloren, sodass wir durch etwas Schützenhilfe unserer Reisepartner noch eine Chance auf die DVM hatten. Trotz unseres Fauxpas blieb das Ziel weiterhin ein Sieg in der letzten Runde.
Runde 7: SF Augsburg – Bavaria Regensburg
Brett 2: Vincent
Vincent machte seinem Gegner eine Kampfansage im Vorstoß-Franzosen und bekam nach unpräzisem Spiel des Nachziehenden exzellente Angriffschancen. Perfekt nach dem von unserem Großmeister Nikola gepredigtem Motto „invite everyone to the party“ wirkte jede weiße Figur im Angriff mit, sodass sein Gegner sich zur Aufgabe gezwungen sah. 1:0

Brett 1: Quang
Ich spielte eine scharfe theoretische Variante im Franzosen, jedoch schien das ein Bluff von mir gewesen zu sein, da sowohl mein Gedächtnis als auch meine schachlichen Fähigkeiten nicht ausreichten, um den Anfang der „Tabiya“ (Fachjargon für die Startstellung einer Eröffnungsvariante, da die vorherigen Züge beim Spielen einer Variante bekannt sein sollten). Nach falscher Stellungseinschätzung beider Seiten, einigten wir uns auf ein Remis, nachdem die Punkteteilung aus schachlicher Sicht für Schwarz gut war und aus Mannschaftskampf-Perspektive zufriedenstellend für Weiß war. 1,5 – 0,5

Brett 3: Michael Schrimpf
Michael Schrimpf kämpfte gegen präzises Eröffnungswissen seines Gegners und fand sich schnell in passiver Stellung mit Minusbauern wieder. Unüberraschend fand er aus solcher Situation keinen Ausweg. 1,5 – 1,5

Brett 6: Daniel
Daniel erreichte aus dem Caro-Kann eine vorteilhafte Vorstoß-Französisch Struktur, jedoch öffnete sein Gegner mit dem typischen f7-f6-Hebel und nach exf6 mit dem e6-e5-Hebel die Stellung, sodass ein taktisches Gemetzel entstand. Daniel hatte kurzzeitig eine Qualität mehr, doch die gegnerischen Figuren waren aktiver – das Gegenspiel kostete ihn zuerst die Qualität zurück, dann eine Figur für die zwei verbleibenden Bauern vor dem gegnerischen König, wonach sein Gegner jegliche Rettungsversuche durch eine Taktik beendete. 1,5 – 2,5

Brett 4: Alex
Um den Stichkampf für die DVM noch zu erreichen mussten nun zwei volle Punkte her, jedoch schien das an dem Punkt nur noch eine mathematische Möglichkeit zu sein – auch hier fing es mit der Caro-Kann-Verteidigung an, jedoch mit ganz anderem Charakter, da Alex hier das Läuferpaar für das Zentrum getauscht hat. Es folgten Abtäusche mit insgesamt 12 Schlagzügen hintereinander und die Kontrahenten fanden sich in einem Damenendspiel mit Läufer (Weiß) gegen Springer (Schwarz) und einigen leicht angreifbaren Bauern. Wenig später verschwanden auch die letzten Schwerfiguren und Alex Gegner schaffte es einen Bauern zu gewinnen. Obwohl Alex Stellung mir Chancenlos erschien, belehrte er mir seiner schachlichen Resilienz, einigten sich beide auf ein Remis, drohte nämlich eine vollständige Liquidierung des Bretts. 2-3

Brett 5: Michael Steinberger
In einer Nebenvariante des Chigorin-Spaniers fanden sich Michael Steinberger und sein Gegner in einer typischen KID-Struktur (King’s Indian Defense bzw. Königsindische Verteidigung). Weiß konnte hier den typischen f7-f5-Hebel mit einem Bauern auf g4 verhindern, sodass Michael sein Spiel am Damenflügel suchte. Er schob seinen B-Bauern bis zur dritten Reihe, wonach der Damenflügel liquidierte. Nachdem die DVM-Qualifikation nicht mehr möglich war, war Michi in ausgeglichener Stellung mit einem fairen Unentschieden zufrieden.

Fazit:
Insgesamt hatten wir als U20-Mannschaft eine durchwachsene Saison – zum Start waren wir gemeinsam mit Nürnberg und Regensburg einer der Mitfavoriten auf die Top-2-Platzierung – jedoch ist bei einer Niederlage gegen beide, sowie zusätzliche Niederlage gegen Erlangen keine Teilnahme an der DVM zu erwarten. Mit 7 aus 14 Mannschaftspunkten, können wir uns über dem dritten Platz, sowie den im Nachhinein gesicherten Klassenerhalt in Runde 6 gegen Ergolding freuen, im nächsten Jahr eine weitere Chance zu nutzen.
An dieser Stelle nochmal ein herzliches dankeschön an unsere Spieler, Stefan und Samuel für das Fahren nach Würzburg bzw. Regensburg, sowie Vasko für das Organisieren der Spieltage.


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