LL Süd, 6. Runde Haunstetten 1- SFA 1, 05.02.2023
In der sechsten Runde der Landesliga Süd wollten wir unseren starken Lauf beibehalten und mit einem weiteren Sieg erfolgreich auf die Zielgerade der Saison einbiegen. Wir mussten dabei auch nur innerhalb von Augsburg, nämlich zum TSV Haunstetten anreisen, für ein Auswärtsspiel natürlich sehr bequem. Die Vorzeichen standen also gut, allerdings nur bis zum Samstagabend, an welchem mit Alex Vuckovic und Adnan Abdic gleich 2 Spieler gesundheits-, bzw. arbeitsbedingt kurzfristig absagen mussten. Da am Sonntag die Zweite und die Dritte ebenfalls ein Spiel hatten, war es nicht mehr möglich die Lücken zu schließen und um wenigstens die Änderungen in den anderen Mannschaften zu minimieren, mussten wir bereits zum zweiten Mal in dieser Saison zu sechst antreten, ein Déjà-vu.
Unser Dreiviertelachter bestand aus Filip, Alex Colovic, Zarko, Vadim, mir und Yakiv. Die Bretter 1 und 2 konnten wir durch das nominelle Aufstellen von Nikola und Luka freilassen, daraus folgte, dass wir an den Brettern 3-8 jeweils ca. 200-300 DWZ-Punkte mehr hatten und die Chancen auf eine Aufholjagd immer noch sehr gut standen.
Weiterlesen: Einerseits-AndererseitsAber nun zum Schachlichen. An Brett 3 hatte Filip Weiß und spielte einen geschlossenen igelartigen Aufbau. Alex an Brett 4 durfte sich gegen Italienisch beweisen. Zarkos Eröffnung war zwar nominell sizilianisch, allerdings wollte durch den Einschub von c3 und d5, sowie dem Bauertausch auf c5 doch keine wirkliche Schärfe entstehen. Auch Vadim spielte mit Schwarz sehr solide und erreichte mit dem Nimzoinder eine ausgeglichene, allerdings nicht einfach aus Vorteil zu spielende Stellung. Im Gegensatz dazu wollte mein Gegner um jeden Preis die Theorie vermeiden und auch ich war damit einverstanden, denn nach 1.e4 e5 2.Sf3 De7!? war ich wenige Züge später direkt am Drücker. Bei Yakiv blieb die Partie länger in gewohnten Bahnen, obwohl er sich gegen das nicht alltägliche Jobava London System beweisen musste.
Als erstes endete Alex‘ Partie. Sein Gegner nutze die Möglichkeit, die Stellung im Zentrum komplett zu schließen (Bauern e4 d3 c4 vs. e5 d6 c5). Da dabei auch einige Leichtfiguren vom Brett verschwanden, der schwarze Hebel mit f5 nicht sonderlich wirkungsvoll war und Weiß keine Schwächen hatte war die Punkteteilung am Ende wohl oder übel das korrekte Ergebnis. Damit 0.5-2.5
Als nächstes wurde ich fertig. Nachdem ich früh in der Eröffnung bereits die h-Linie und damit den Königsflügel unter Kontrolle gebracht hatte, haderte ich zwischenzeitlich mit meiner Entscheidung das Zentrum geschlossen zu haben. Glücklicherweise gab es ja dann noch den Damenflügel und nachdem mein Gegner mir durch einen Überseher auch noch 2 Tempi auf dieser Seite schenkte war seine Stellung mehr als nur eingeengt. Kurz darauf konnte ich eine Qualität gewinnen, dabei meine dominante Stellung beibehalten und nach ein paar Abtauschen später schließlich den vollen Punkt einfahren. Nur noch 1.5-2.5.
Danach endete Zarkos Partie. Ähnlich wie Alex schaffte er es leider nicht, den Gegner vor genügend große Probleme zu stellen, obwohl die Partie bis zum bitteren Ende König gegen König ausgekämpft wurde. Schade, nächstes Mal vielleicht mit mehr Figuren probieren 🙂 2-3
Einige Zeit später wurde Yakiv fertig. Nachdem er das Zentrum und den Königsflügel komplett abgeschlossen hatte, ging es darum welchem der Spieler der Durchbruch am Damenflügel besser gelingen würde. Hier setzte sich dann Yakivs Erfahrung durch, denn indem er geduldig spielte und die richtigen Figuren tauschte, konnte er schließlich einen Fehler von Weiß provozieren, welcher Schwarz einen Mehrbauern einbrachte. Kurz darauf brach dann die weiße Stellung zusammen. Eine starke Energieleistung, 3-3.
Daraufhin folgte Filips Partie, die in einem Remis endete. Im Gegensatz zu den anderen Punkteteilungen war diese Partie nicht ganz so trocken, allerdings boten sich die taktischen Möglichkeiten eher für den Haunstetter, der sogar zwischendurch objektiv auf Gewinn stand. Die komplizierte Stellung wickelte er dann zu unserem Glück in ein sicheres Remis ab. Filip machte zwar noch einige Versuche aber im entstehenden Endspiel war dann das Unentschieden das richtige Ergebnis. 3.5-3.5, trotzdem Kompliment fürs ambitionierte Verkomplizieren der Stellung.
Vadims Partie war somit die entscheidende. Allerdings war hier, wie so oft heute einfach im Gewinnsinne nicht viel drin. Dafür war das Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern, bzw. später das Turmendspiel einfach zu trocken. Natürlich schade, dass es zu mehr nicht gereicht hat, auf der anderen Seite aber auch ohne wirkliche Fehler gespielt, ähnlich wie bei Alex und Zarko. Endstand damit 4-4.
Fazit:
Einerseits gut dass wir zu sechst das 4-4 geholt haben, andererseits hätten wir nominell vielleicht sogar trotzdem gewinnen müssen. Einerseits waren die Remispartien fast fehlerfrei gespielt, andererseits hätten wir vielleicht die Gegner mit schärferen Varianten vor mehr Probleme stellen können. Einerseits ist das Unentschieden ein Dämpfer in der Tabelle, andererseits liegen wir immer noch mit einem Mannschaftspunkt Vorsprung an der Tabellenspitze wie ein Blick in den Ligamanager verrät. Einerseits ist dieser Bericht mal wieder viel zu spät, andererseits ist dadurch vielleicht die Vorfreude auf das Heimspiel gegen MSA Zugzwang 2 am kommenden Sonntag präsenter! Einerseits…
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