Kreisliga 1: Schachfreunde IV – SGA II
Am Ende sollte der Vorsitzende von Ruinen singen, als wir zusammen noch die Zitadelle aufräumten. Daraus folgt, dass es ein recht unterhaltsamer Abend war, denn nicht immer erträgt er es allzu lange, wenn sich die Vierte am Schachspielen versucht. Ob es aber ein Grabesgesang oder ein Triumphgeheule war, soll an dieser Stelle zwecks Steigerung der Spannung noch offenbleiben.
Mit der zweiten Mannschaft der SGA, Augsburgs ältesten Schachvereins (dem Vernehmen nach setzte man dort bereits matt, als die Römer in Augusta Vindelicum noch mit Tierknochen Mühle spielten), war einer der vier Achter zu Gast, die punktgleich an der Spitze der Tabelle lagen. Allerdings litten sie unter der Krankheit, die uns so oft befällt, und sie brachten nur drei Stammspieler/-innen mit.
Ohne unseren Mannschaftsleiter Alex R. sen., von dem es aber offenbar gute Nachrichten bezüglich seiner künftigen Einsatzfähigkeit gibt, doch mit einer recht guten Mannschaft traten wir an. An Brett 1 war Arthur favorisiert und er hielt sich entsprechend nicht zurück. Schon nach kurzer Zeit ging es hoch her und die Stellung war nicht leicht zu durchblicken. Unser Spitzenspieler hatte zwar zunächst eine Qualität weniger, aber eine mächtige Batterie auf einer langen Diagonale. Nicht ganz so stürmisch ging es bei Christian an Brett 2 los, doch die Eröffnung gelang durchaus, denn Weiß hatte das Läuferpaar und fügte dem Gegner zwei Isolani zu. An Brett 3 hatte Günther ebenfalls bald eine angenehme Stellung. Früh gab seine Gegnerin einen Bauern und von Kompensation war immer weniger zu sehen. Vielmehr musste ihr König auch noch in der Mitte bleiben, denn ein Läufer auf a6 hielt ihm ein Bajonett unter die Nase. Da der Damenflügel schon zu zerrupft war, schied auch eine lange Rochade aus. Vincent (Brett 4) hatte seine Leichtfiguren zentral positioniert, vor allem die Springer dominierten das Zentrum. Getauscht wurde vorerst wenig.
An Brett 5 hatte Michaels Gegner unorthodox beide Springerbauern in einer Art totalen Fianchettos nach vorne geworfen, wodurch sich imposante Schwächen auf schwarzen Felderkomplexen ergaben. Um sie auszunutzen, musste Michael aber zunächst seine eigenen Steine koordinieren. Jonas (Brett 6) hatte einen starken fianchettierten Läufer, der die Entwicklung des Schwarzen am Damenflügel erheblich behinderte. Außerdem musste dieser mit einem isolierten Damenbauern zurechtkommen, der noch auf der sechsten Reihe und damit eher schwach war. An Brett 7 sah sich Seriensieger Dominic bald mit einer schwierigen Stellung konfrontiert. Nach raschem Materialverlust suchte er Gegenspiel, indem er Schwerfiguren auf den gegnerischen König richtete, der lang rochiert hatte. Brachial, aber nicht ohne Aussichten. Alex D. an Brett 8 rechnete mit einer scharfen Eröffnung, doch stattdessen ging es bald positionell zu. Er sicherte sich das Läuferpaar und konnte einen Läufer dann so tauschen, dass sich am Königsflügel des Gegners (beide hatten lang rochiert) erhebliche Bauernschwächen auftaten. Es sah für uns insgesamt zunächst also recht gut aus.
Bei Dominic wurden allerdings zuerst die Figuren zusammengeräumt. Es war nicht sein Tag, und als sein Angriff abgewehrt wurde, gab die Stellung nichts mehr her. Seine Quote bei Mannschaftskämpfen war auch fast schon unheimlich, jetzt ist er beruhigenderweise wieder ein bisschen mehr Mensch und weniger Maschine geworden (0:1). Es dauerte nicht lange und Günther hatte seine Gewinnstellung in einen vollen Punkt verwandelt. Er hatte seine Gegnerin nie die Entwicklung abschließen lassen und glich für uns aus (1:1).
Etwa zur gleichen Zeit endeten eine Weile später ein paar weitere Partien. Christian musste sich zähneknirschend in ein Remis fügen. Er hatte zunächst zwar einen Bauern gewonnen und Druck behalten, aber der Gegner erzwang eine Zugwiederholung. Nicht viel anders lief es bei Jonas, dessen scheinbare Siegstellung nach einem Überseher in einem Unentschieden endete. Arthur hingegen ließ sich den Sieg nicht nehmen. Er hatte zunächst zwei Leichtfiguren für Turm und einen Bauern, gewann darauf diesen Bauern und schließlich sogar einen Springer, den er fing. Mit Turm und zwei Bauern gegen drei Leichtfiguren konnte der Gegner nicht mehr lange standhalten (3:2).
Vincent hatte sich die Überlegenheit im Zentrum bis ins Endspiel bewahrt. Mit gleichfarbigen Läufern und noch vielen Bauern auf dem Brett hatte er so Raumvorteil und Initiative. Technisch souverän wickelte er ab und gewann (4:2). Michael konnte die Felderschwächen des Gegners zwar nicht entscheidend nutzen, dieser aber auch nicht seinen Raumvorteil. Nach einigen Verwicklungen am Übergang zum Endspiel einigte man sich auf Remis, womit der Mannschaftskampf gewonnen war. Alex’ Gegner wehrte sich noch zäh, aber drei Mehrbauern waren trotz ungleichfarbiger Läufer zu viel.
Somit war es das verdiente 5,5:2,5, das am Ende besungen wurde. Ohne Niederlage geht es im März zum nächsten Spitzenspiel bei Kriegshaber III. Man darf gespannt sein, ob der Vorsitzende auch dort seine Gesangskunst zum Besten geben wird.
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