Ikarus im Alten Zollhaus

Kreisliga 1: SK Kriegshaber III – Schachfreunde IV

Gleich zu elft trafen wir uns in Kriegshaber vor dem Alten Zollhaus. Sicher ist sicher, wir wollten nichts anbrennen lassen, denn schließlich ging es in der Spitzenpartie der Kreisliga 1 darum, wer ganz oben bleiben würde. Tatsächlich war es so, dass wir am Freitag noch größere Aufstellungssorgen hatten. Dann konnte aber unerwartet unsere Jugendphalanx aus Katarina, Vincent und Alex R. jun. antreten. Ein herzliches Dankeschön geht daher an Gunter, der bereitstand und wieder nach Hause gehen musste, und Alex R. sen., der als Mannschaftsleiter da war, obwohl er gar nicht spielte. Stefan bildete hingegen unsere Ein-Mann-Fankurve. Davon, ob es ihm gelang, uns nach vorne zu peitschen, soll später die Rede sein.

Da auch unser Gastgeber, der uns freundlich empfing, einige Ausfälle zu kompensieren hatte, sah es auf dem Papier gar nicht so schlecht für uns aus, favorisiert waren wir aber sicher nicht. Dass es so schnell bergab gehen würde, hatten wir jedoch auch nicht erwartet. An den Spitzenbrettern ging es bei Günther (Brett 1) und Vincent (Brett 2) noch recht solide los. Paul, der nach langer Zeit erfreulicherweise mal wieder für die Schachfreunde ans Brett kam, wählte an Brett 3 ein Gambit, riss die gegnerische Rochadestellung auf und richtete eine Dame-Läufer-Batterie auf den weißen König. Hier war früh Feuer im Spiel. Jonas (Brett 4) kam hingegen nicht so gut in die Partie. Sein Läuferpaar fand bei geschlossenem Zentrum keine Diagonalen, während der weiße Läufer des Gegners von h2 übers ganze Brett strahlte.

Auch Dominic (Brett 5) sah sich zeitig in die Verteidigung gedrängt. Die schwarzen Schwerfiguren drückten auf den König und die weißen Figuren waren dadurch weitgehend gebunden. Ich übersah im zwölften Zug an Brett 6 einen taktischen Trick meines Gegners, der ihm nicht nur einen Zentrumsbauern für nichts einbrachte, sondern auch meinen Damenflügel dauerhaft lähmte. Dort konnte Weiß auch noch ganz bequem eine offene Linie mit Türmen bestücken. Katarina (Brett 7) warf auch diesmal die Bauern am Königsflügel nach vorne und hatte dort Raumvorteil, während der Gegner auf zwei schöne Läufer setzen konnte. Die wildeste Partie entwickelte sich bei Alex R. jun. (Brett 8). Jedesmal, wenn man an dieses Brett kam, schien die Stellung nur noch weiter eskaliert zu sein. Auf den zentralen Linien hatte jeder einen Freibauern, hinter und vor denen alle möglichen Türme standen, der Weiße machte sich über die schon halb zerstörte Rochadestellung von Alex her, während dessen Springer die Bauern am Damenflügel abräumte.

So richtig vielversprechend sah es für uns also nicht aus. Und es wurde leider nicht besser. Jonas geriet am Damenflügel in einen Angriff, bei dem er einen Bauern verlor, schwache Bauern behielt und weiter unter Druck stand. Sein Gegner spielte das konzentriert runter und die Stellung war bald verloren (0:1). Günther stand nach Jonas’ Analyse in einer ruhig scheinenden Mittelspielstellung etwas besser. Er begann dann schneller zu ziehen, um Zeitnot frühzeitig abzuwenden, und übersah leider ein zweizügiges Mattmotiv (0:2). Bei Katarina hatte sich längere Zeit ein Gleichgewicht der Kräfte eingestellt. Dann konnte sie einen Freibauern bilden, aber ein Springer von ihr geriet in eine Fesselung (0:3). Ich versuchte noch Gegenspiel zu bekommen, aber mein Gegner brachte die Partie souverän zu Ende und nutzte seinen Vorteil trocken aus (0:4). Das Desaster nahm seinen Lauf.

Immerhin schaffte Paul schon einmal einen Ehrentreffer für uns. Er hatte eine Qualität gewonnen, dafür aber drei Bauern geben müssen und sein Königsangriff war weitgehend verpufft. Im Zentrum hatten sich verschiedene Figuren seines Gegners breitgemacht. Da stellte dieser die Dame ein (1:4). Dominics Gegner hatte zentral zwei verbundene Bauern weit nach vorne gedrückt, was sehr gefährlich aussah. Dominic konnte allerdings letztlich in ein Springerendspiel abwickeln, das ihm noch Chancen auf Tricks bot. Aber die größere Anzahl an Bauern gab doch den Ausschlag (1:5).

Bei Alex war die Partie längst jenseits von Gut und Böse. Die Freibauern hatten auf beiden Seiten die vorletzte Reihe erreicht. Weiß gelang es, eine Dame zu holen. Doch Alex demonstrierte mit vorbildlicher Technik, wie man gegen zwei Damen angeht: Die erste schlug er im Tausch, die zweite fesselte er. Hoffen wir mal, dass er lernt, im Real Life mit den Damen etwas galanter umzugehen. Im Schach war seine Methode aber sehr wirkungsvoll. Am Ende entschied ein weiterer unaufhaltsamer Freibauer, für den der vorhin erwähnte berserkende Springer am Damenflügel den Weg freigemacht hatte (2:5).

Vincent hatte sich im Mittelspiel gegen seinen sehr erfahrenen Gegner zwar einige Bauernschwächen eingefangen, doch im Turmendspiel hatte nur er Aussichten auf den ganzen Punkt. Nachdem er den Turm hatte tauschen können, spielte er im Bauernendspiel auf zwei Flügeln, tauschte den einen ab und sein König konnte den anderen erobern (3:5). Nach diesem Abschluss schien auch unsere Ein-Mann-Fankurve mit unserem Auftritt versöhnt.

Zwischendurch hatte es nach einer Klatsche ausgesehen und so war das Ergebnis für uns schmeichelhaft. Allerdings hätten auch wir in zwei Partien mehr herausholen können. In der Kreisliga 1 bleibt es weiter eng und an den letzten beiden Spieltagen brauchen wir gegen die recht starken Mannschaften aus Lechhausen und Aichach noch mindestens einen Punkt, um sicherzustellen, dass wir nicht noch auf Platz 7 durchgereicht werden. Das ist aber sicher kein aussichtsloses Unterfangen.


Kommentare

2 Antworten zu „Ikarus im Alten Zollhaus“

  1. Avatar von Die 1-Mann Fankurve
    Die 1-Mann Fankurve

    Es ist wie immer eine Freude, deine Berichte zu lesen, Alex!
    Die Fankurve ist versöhnt, dass ihr aus den nach 2,5 Stunden in Aussicht stehenden 0.5 Brettpunkten auf wundersame Weise noch 3.0 gemacht habt, und weil höchst unterhaltsames Schach geboten wurde, zumindest an Brett 8. Deswegen wurdet ihr nach Spielende nicht ausgebuht. (Aber verloren ist der Kampf leider trotzdem)

    1. Avatar von Alex Dommnich
      Alex Dommnich

      Danke schön, Stefan! Ohne deine Aura der 2040 DWZ-Punkte wären es wohl auch nicht mehr als 0,5 Brettpunkte geworden. Daher hoffe ich, dass du am 29.04. noch nichts vorhast. 😉

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