Den Angstgegner ausgeschaltet!
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Für das 6. Spiel der bisher so erfolgreichen Saison in der Regionalliga am Sonntag, dem 8.5.22 ging es für uns zum letzten Auswärtsspiel in den Münchener Osten nach Haar. Die Tabellensituation versprach ein Topduell, da wir bei unserem Verfolger antraten, und obwohl wir nominell deutlich überlegen waren, hatten unsere beiden vergangenen 4:4-Unentschieden gegen Haar gezeigt, dass man diese Mannschaft nicht auf die leichte Schulter nehmen durfte. Trotzdem war das Ziel von unserem Team, bestehend aus Filip, Alex Colovic, Alex Vuckovic, Zarko, Thomas, mir (Uli), Adnan und Arthur, natürlich die 2 Punkte nach Augsburg mitzunehmen.
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Pünktlich um 10:00 Uhr ging es dann los. An Brett 1 wählte Filip mit weiß eine etwas ruhiger Variante des Engländers, in der sich beide Seiten erstmal entwickelten. Alex Colovic sah sich mit schwarz 1.d4 gegenüber und wählte einen Aufbau mit Doppel-Fianchetto. Alex Vuckovic war im Angriffsmodus unterwegs und machte zum frühestmöglichen Zeitpunkt, im 5. Zug, die lange Rochade. Dass auf dem Weg dorthin das „Jobava-London-System“ aufs Brett kam, ist allerdings mindestens ein mittelschwerer Schönheitsfehler. Auch Zarkos Gegner eröffnete mit 1.d4, ließ sich aber in der Folge recht schnell bei magerer Kompensation den C- und D-Bauern abnehmen. Thomas spielte gegen die moderne Verteidigung und schaffte es schnell dem g7-Läufer seinen Kollegen auf h6 entgegenzustellen, um wenig später mit h4 früh am Königsflügel anzugreifen. Ich hatte mir zuvor gegen den Alapin-Sizilianer eine Variante angeschaut, war allerdings noch nicht ganz sattelfest und gab meinem Gegner kurzzeitig die Möglichkeit die Initiative zu ergreifen. Da er stattdessen direkt einen Bauern nahm, hatte ich bei aktivem Spiel dann sogar eine überraschend objektiv gute Stellung. Adnan und sein Gegner bewegten sich sehr lange auf den Theoriepfaden im Sweschnikow-Sizilianer, wobei natürlich eine dynamische Stellung entstand. Und an Brett 8 musste sich Arthur gegen eine Art geschlossener Sizilianer mit c4 beweisen.
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Nach ca. 2 Stunden (glaub ich) fiel die erste Entscheidung an Brett 5 bei Thomas. Sein Gegner musste bereits nach 16 Zügen aufgeben, da die schwarzen Ideen am Damenflügel noch mehrere Werktage gebraucht hätten, während Thomas mit voller Kontrolle über das Zentrum und halboffener g-Linie zum Sturm auf den schwarzen König blies. Letztendlich entschied das schöne Opfer Sf5+! die Partie.

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Die nächste Entscheidung fiel wenig später bei Zarko. Nachdem er aus der Eröffnung heraus einen Mehrbauern zu verzeichnen hatte, war es nur noch eine Frage der Konsolidierung und Technik, diesen zu verwerten. Und sowas lässt sich ein bald nicht mehr nur gefühlter FM nicht nehmen und beendete die Partie nach nur 25 Zügen mit einer hübschen Taktik. 2:0 für uns!

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Es sollte allerdings wieder spannend werden, da Arthur leider eine Niederlage einstecken musste. Gegen den massierten weißen Aufbau im Zentrum hatte Arthur Pläne für Gegenspiel am Damenflügel, allerdings übersah er dabei einen Figurenverlust aufgrund eines taktischen Tricks mit Fesselung. Sein Gegner leider nicht, er griff zu und konnte die Partie nach Hause bringen. Schade, nur noch 2:1 für uns.

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Nach ca. 3 Stunden einigten sich Adnan und sein Gegner auf Remis. Der Damenflügel war blockiert, zudem waren neben den Schwerfiguren ungleichfarbige Läufer auf dem Brett, sodass Adnan mit seinem Raumvorteil nicht viel anfangen konnte. Es blieb weiter hochspannend, 2.5:1.5 für uns.
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Die nächste Entscheidung fiel bei Filip. Im Mittelspiel konnte er seine Stellung Stück für Stück verbessern und zeigen, dass er der bessere Spieler ist. Nachdem die schwarzen Figuren zurückgedrängt wurden, fielen auch schon die ersten Bauern und kurz darauf konnte Filip mit einer schönen Springergabel eine Qualität gewinnen. Der Rest war dann Formsache und Filip konnte einen vollen Punkt beisteuern. 3.5:1:5 für uns, der Sieg war greifbar nahe.

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Meine Partie endete als nächstes. Nachdem ich kurz nach der Eröffnung meinen Bauern bei aktiver Stellung zurückgewinnen konnte, hatte ich überraschend früh Angriff gegen den weißen König. Allerdings verpasste ich es mehrfach, den Angriff in eine positionell gewonnene Stellung umzuwandeln, sodass die Stellung wieder Richtung Ausgleich zu kippen drohte. Zum Glück konnte ich vor dem Übergang ins Endspiel mit einem coolen Zug einen Bauern gewinnen. In diesem Endspiel konnte ich dann meine Figuren früher als der Gegner aktivieren, ich gewann einen zweiten Bauern und wenig später die Partie. 4.5:1.5, Auswärtssieg!
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Die letzten beiden Partien spielten unsere Alexe. Alex Vuckovic konnte den zwischenzeitlichen Vorteil aus der Eröffnung nicht halten und die Partie drohte zu verflachen. Dann allerdings übersah der Schwarzspieler einen Trick von Alex, der den schwarzen König entblößte. Der Angriff auf den weißen König am Damenflügel kam nie so richtig ins Rollen, die Partie ging in ein Turmendspiel mit 2 Mehrbauern für Alex über, welches er auch sauber verwerten konnte. 5.5:1.5 für uns!
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Auch Alex Colovic arbeitete sehr lange im Endspiel. Nachdem der Gegner das Mittelspiel eigentlich ziemlich unter Kontrolle hatte, traf er im Endspiel einige schlechte Entscheidungen, was Alex souverän ausnutzte. Am Ende hatte er 2 Mehrbauern konnte den Punkt zum 6.5:1.5 verbuchen!

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Fazit: Obwohl es zwischendurch spannender aussah, hat sich der klare Favorit klar durchgesetzt, dem Aufstieg sollte jetzt nichts mehr im Weg stehen. Dieser kann schon am nächsten Spieltag eine Woche später gegen den SC Sendling klargemacht werden, wie ein Blick in den Ligamanager bestätigt.
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