Bayerischer Showdown mit Happy End
(Besser spät als nie Teil 1)
Zum Abschluss der U20-Bayernliga 2020/21 stand am Samstag, dem 18.9.21 eine Doppelrunde in der heimischen Drei-Auen-Schule an. Nachdem wir an den ersten beiden Spieltagen der in diesem Jahr sehr kleinen Runde gegen Gräfelfing und Fürth jeweils 5,5-0,5 gewonnen hatten, waren unsere Gegner nun die wesentlich stärker einzuschätzenden Teams aus Regensburg und Ergolding.
Trotzdem trat unser Team, bestehend aus Zarko Vuckovic, Uli Weller (mir), Yakiv Gubariev, Arthur Wachtel, Robert Vuckovic und Elisha McPherson ganz klar mit dem Ziel an, nach dem Erfolg bei der Deutschen U20-Meisterschaft im Sommer nun auch erstmalig den Bayerischen Titel zu holen. Zu erwähnen ist noch die im Vergleich zur Deutschen andere Bedenkzeit. Auf bayerischer Ebene wird mit 1:40 + 0:20, also ohne Zeitgutschrift pro Zug gespielt, was zu einigen langen Zeitnotphasen führen sollte.
10:00 Uhr, Augsburg – Regensburg
Bei Zarko mit schwarz verlief die Eröffnung erstmal noch relativ normal, es entstand eine ruhige Stellung. An Brett 2 wähle ich mit dem Wiener Gambit eine etwas unpopuläre Eröffnung, konnte damit meine Gegnerin aber überraschen. In der Folge wurden recht schnell die Damen getauscht und ich bekam eine angenehme Stellung. Yakiv wählte an Brett drei eine sehr solide Variante der Französischen Verteidigung und gab das dabei Läuferpaar im Gegenzug für einen gegnerischen Doppelbauern ab. Arthur spielte eine eher seltene Variante gegen Sizilianisch und erreichte dadurch einen Maroczy-ähnlichen Aufbau. An Brett 5 kam bei Robert ebenfalls der Sizilianer aufs Brett, auch hier hatte Weiß augenscheinlich Raumvorteil, was Robert aber zu Recht keine allzu großen Sorgen bereitete. Eli Spielte gegen 1.c6, tauschte auch schnell die Damen und bekam eine ausgeglichene Stellung.
In der Folge entwickelten sich, wie schon angesprochen auch durch Zeitnot viele Stellungen ausgesprochen interessant und unerwartet. Nicht jedoch bei Robert, der sich das Läuferpaar und damit einen Stellungsvorteil sichern konnte, aktiv weiter Druck machte und schließlich mit einem schön vorgetragenen Angriff die Partie entscheiden konnte. Wirklich stark gespielt, 1-0 für uns.
Auch die nächste Entscheidung fiel zu unseren Gunsten, nämlich an Brett 4 bei Arthur. Obwohl er sich im Zentrum auf eine sehr ungünstige Komplikation einließ, schaffte er es in der Folge einen Materialverlust abzuwenden. Dennoch hatte er die schlechtere, weil inaktivere Stellung, allerdings nur, bis seine Gegnerin einen vergifteten Bauern schlug und dadurch in einer Fesselung stand, die sie einen ganzen Turm und damit die Partie kostete. Etwas glücklich, aber 2-0 für uns.
Die übrigen 4 Partien gingen alle sehr nahe an die gesamte Distanz von 4 Stunden, deswegen war es schwer den Überblick zu behalten. An vielen Brettern musste deswegen Außenstehende die in Zeitnot ausgeblitzten Züge mitschreiben. Ich glaube zuerst ging meine Partie mit einem Remis zu Ende. Eigentlich hatte ich mir einen klaren Vorteil erspielen könne, ich hatte einen Mehrbauern im Zentrum und wenig später bekam ich zwei Leichtfiguren für einen Turm. Zwar musste ich anschließend einen Springer zurückgeben, hatte in der entstehenden Stellung aber zwei Bauern und einen Läufer für den Turm, dazu das Läuferpaar und eine schöne Bauernwalze. Leider stellte ich mich zu dumm an, diese positionell gewonnene Stellung zu verwerten und musste am Ende sogar noch nach einer Reihe schlechter Entscheidungen um das Remis kämpfen. 2.5-0.5 für uns.
Als nächstes endete Yakivs Partie, auch auf dramatische Art und Weise. Nachdem er sich zunächst in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel gegen einen gefährlichen Freibauern verteidigen musste, verlor er nach und nach den Boden unter den Füßen und hatte schließlich eine passive Stellung mit zwei Minusbauern. In Zeitnot konnten wir dann allerdings zum zweiten Mal in diesem Match davon profitieren, das die Gegnerin, nach souveränem Spiel zuvor, quasi einzügig einen Turm einstellte. Dieses Geschenk nahm Yakiv natürlich dankend an und gewann schließlich die Partie. Richtig Glück gehabt, aber das 3.5-0.5 und damit der wichtige Sieg für uns!!!
Am Spitzendbrett ging die Partie wenig später zu Ende. Zarko hatte leider in ungewohnter Zeitnot in kurzem Abstand 2 Bauern nacheinander verloren. Natürlich kämpfte er, auch wegen der ungleichfarbigen Läufer noch eine gefühlte Ewigkeit weiter, leider sollte es am Ende doch nicht zu einem Punktgewinn reichen. 3.5-1.5 für uns.
Bei Eli sah es zwischendurch aus, als würde ein sehr remisliches Läuferendspiel entstehen. Allerdings hatte sein Gegner noch ein paar Gewinnversuche, die ihm einen Freibauern und den aktiveren König bescherten. Und gerade als die Stellung dann doch gewonnen war, fand schwarz die Gewinnidee nicht mehr und Eli konnte sich über den halben Punkt freuen. Endstand 4:2
Fazit: Der erstmalige Sieg auf bayerischer Eben gegen Regensburg tut sehr gut, allerdings schaut das Ergebnis überzeugender aus als es zwischenzeitlich auf den Brettern aussah. Trotzdem natürlich eine sehr starke Leistung!
15:00 Uhr, Ergolding – Augsburg
Gegen Ergolding ging es dann in der letzten Runde um den Meistertitel, wobei uns dafür schon ein unentschieden reichen würde. Wir bekamen auch fast alle sehr früh schon Remisangebote, allerdings war Yakiv der Einzige der es annahm.
Die erste wirkliche Entscheidung fiel bei Arthur. Dieser spielte seinen Franzosen und erreichte eine relativ dynamische Stellung. Dabei blitzten er und sein Gegner die Züge fast alle, ohne lange nachzudenken raus, Zeitnot schien sich hier auf jeden Fall nicht anzubahnen. Im Eifer des Gefechts (und aufgrund der Abifahrt und Schlafmangen am Vortag) stellte Arthurs Gegner dann jedoch ein recht simples Grundreihenmatt ein. 1.5-0.5 für uns.
Auch Robert wusste zu überzeugen. Mit dem bekannten geschlossenen Sizilianer sowie frühem h4 konnte Robert die h- Linie öffnen und die schwarzfeldrigen Läufer abtauschen. Eine Traumstellung also, die zu einem sehenswerten Angriff führte, der sich fast schon von selbst spielte. Logischerweise dauerte es bis zum Ende der Partie nicht mehr lange. Robert war damit mit souveränen 4/4 Topscorer in unserer Mannschaft, herzlichen Glückwunsch! 2.5-0.5 für uns.
An Brett 1 ließ Zarko aus einem Sizilianer des Gegners eine Französisch-ähnliche Stellung entstehen. Durch die vielen Bauernhebel konnte er immer wieder Druck im Zentrum und am Damenflügel aufbauen. Schließlich ergab sich dann auch der Durchbruch, welcher Zarko 3 Freibauern auf der d- und c-Linie einbrachte, welche wohl nicht so einfach zu stoppen gewesen wären. Da der Gegner aber 2 Minusbauern ohne Kompensation dafür hatte, gab er die Partie auf, bevor die Bauern so richtig ins Rollen geraten konnten. Stark gespielt, 3.5-0.5 für uns.
Eli konnte sich in der Eröffnung eigentlich eine gute Stellung mit Läuferpaar erarbeiten, bekam dann aber bald Probleme am Königsflügel. Nachdem kurzzeitig Eli einen taktischen Schlag verpasste, war es wenige Züge später sein Gegner, der Eli einen taktischen Schlag verpasste und eine Qualität gewann. Das Endspiel war dann leider nicht zu halten und der schwarze König wurde bald im Mattnetz gefangen. 3.5-1.5 für uns, Kopf hoch!
Meine Partie endete Remis. Ich durfte mich mit Schwarz gegen Maroczy beweisen, was mehr oder weniger gut funktionierte. Am Ende lief es darauf hinaus, das Weiß immer etwas besser stand, ohne jedoch einen konkreten Durchbruch zu haben. Schließlich verflachte dann die weiße Initiative, es wurden einige Figuren getauscht und sich dann auf Remis geeinigt. Endstand 4-2
Fazit: Geil, endlich auch Bayerischer Meister geworden! Insgesamt sehr verdient nach den Mannschaftsleistungen. Im Dezember geht’s dann mit der Deutschen weiter, da ist das dann Ziel, den Titel zu verteidigen.
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