Mit einem überzeugenden 6:2‑Erfolg gegen die SG Augsburg hat sich die 5. Mannschaft der Schachfreunde Augsburg am letzten Spieltag die Meisterschaft in der Kreisliga 2 gesichert.
Ein Spieltag voller Improvisation – und voller Erfolg
Kein einziger Stammspieler konnte antreten: Einige waren terminlich verhindert, andere bereits in höheren Mannschaften festgespielt. Damit es bei der Mannschaftsplanung nicht langweilig wird, mussten wir kurzfristig auch noch einen krankheitsbedingten Ausfall kompensieren, welcher die Aufstellung weiter durcheinanderbringen sollte hatte. Die Fünfte trat somit komplett „ersatzverstärkt“ an – und lieferte dennoch eine sehr geschlossene und überzeugende Mannschaftsleistung zum erfolgreichen Abschluss der Saison ab. Im folgenden eine Zusammenfassung in der Reihenfolge der Beendigung der Partien.
Brett 4:
An Brett 4 durfte ich (Vasko) mich mal wieder mit Weiß versuchen und ich hatte meinen Gegner im Vorfeld gebeten, er möge doch bitte etwas schlechter spielen als bei der unlängst absolvierten 13. Offenen Neusäßer Stadtmeisterschaft. Hier hatte er mir mit seinem Sieg in der letzten Runde zum Rating-Preis verholfen (vielen Dank nochmal dafür!). Den Gefallen tat er mir dann auch umgehend, indem ich in der Eröffnung bereits klaren Vorteil erzielen konnte, da sein König das Rochade-Recht verloren hatte und meine Figuren bereits sehr gute Felder ihr Eigen nennen durften. Doch kein Vorteil kann so groß sein, dass ich ihn innerhalb von 2 Zügen nicht wegschmeißen kann. Zumindest hatte ich nach diesen fragwürdigen Zügen die etwas bessere Bauernstruktur und konnte die offene und halboffene Linie mein Eigen nennen. Kurze Zeit später unterlief meinem Kontrahent dann ein Fehler bei dem er innerhalb von 3 Zügen ein Figur verlieren würde. Während ich in meiner Denkwolke noch die letzte Sicherheitsüberprüfung vornahm, streckte mein Gegner die Hand und gab auf. Damit hieß es 1:0 für uns.
Brett 6:
Kurz nach Beendigung meiner Partie wurde auch schon das nächste Ergebnis gemeldet. Nikoloz, der mittlerweile die Kunst beherrscht aus Stein Wasser zu pressen (https://schachfreunde-augsburg.de/berichte/wasser-aus-stein-an-brett-acht/), richtete gemeinsam mit seinem Gegner die Figuren her. Bei meinem letzten Rundgang konnte ich eine vorteilhafte Stellung mit Mehrfigur für Nikoloz feststellen, so dass ich schon freudig gratulieren wollte. Doch am Ende wurde ein friedliches Remis vereinbart. Zwar hatte unser Niko weiterhin materiellen Vorteil, doch der Gegner konnte mit seinen Schwerfiguren mehrere Drohungen aufstellen und befand sich in einem sehr gefährlich anmutenden Angriff. Bevor dieser ggf. ebenfalls die Kunst des Wasserpressens vorführen durfte, konnten wir uns über einen weiteren halben Punkt freuen 1,5:0,5.
Brett 3:
An Brett 3 gab es ein reines Damen-Duell und einen Kampf der Generationen. Unsere Alex durfte sich mit der Grand Dame des Augsburger Schachs Lorenz Oda messen. Bei meinen wiederkehrenden Rundgängen konnte ich eine sehr ausgeglichene Stellung feststellen bei der Alex m.E. keinerlei Probleme hatte Ausgleich zu erzielen und ggf. auf Basis Ihrer guten Bauernstruktur und strategisch gut platzierten Figuren perspektivisch auf Gewinn zu spielen. So kam es dann auch, dass bei meinem letzten Rundgang Alex 2 Mehrbauern Ihr Eigen nennen durfte. Der Vorteil wurde dann technisch sauber verwertet. Gratulation und 2,5 zu 0,5 für uns.
Brett 5:
In Sichtweite von mir operierte (mal wieder) unser Leonas aka „Mr. 100%“, der sich anschickte auch in der 9.Partie der Saison einen vollen Punkt auf den Spielberichtsbogen zu verewigen. Gegen seinen erfahrenen und starken Gegner würde das sicherlich kein leichtes Unterfangen werden. Doch schon bei meinem ersten Rundgang zauberte mir ein Blick auf das Brett ein Lächeln ins Gesicht. Leonas hatte es geschafft bereits materiellen Vorteil zu erlangen und seine Figuren drückten, so dass es nur eine Frage der Zeit schien bis die gegnerische Stellung zusammenbricht. Doch bei meinem zweiten Rundgang war ein Stirnrunzeln das Ergebnis und ich musste mich längere Zeit in die Stellung eindenken. Was war passiert?!?!? Leonas erfahrener Gegner bediente sich der Taktik „Feuer mit Feuer zu bekämpfen“, hatte einen sehr gefährlichen weit vorgerückten Freibauern und seine Schwerfiguren schienen auf dem Brett Tango zu tanzen. Doch auch Tanzen will geübt sein und so führte ein falscher Schritt…ähm Zug dazu, dass der mögliche große weiße Vorteil doch nicht aufs Brett kam und Leonas unter aktivem Spiel sich den Punkt doch noch sicherte. Freudig singend „ 9 aus 9!“ und 3,5:0,5 für uns.
Brett 1:
Dass unser Leo gut blitzen kann, wissen wir alle. Allerdings scheint er neuerdings Gefallen daran zu haben mit Verspätung ans Bretter zu kommen, um gleich einen signifikanten Zeitnachteil als Hypothek mitzuschleppen (schlummert hier womöglich ein kleiner Alexander Grischtschuk in unseren Reihen? 😉) Wie auch immer, aus einer sehr ausgeglichenen Stellung, welche fast „langweilig“ zu erscheinen schien durfte ich bei meinem letzten Kiebitzen eine Mehrfigur bei Leo erhaschen. Wie das der „alte Taktiker“ angestellt hat? Fragt ihn gleich selbst im nächsten Training. Einige Züge später machte er auch den Deckel auf unseren Sieg drauf, 4,5:0,5.
Brett 2:
Dass wir nicht nur eine starke Jugend unser Eigen nennen dürfen, sondern auch über wohlverdiente und sehr erfahrene Spieler verfügen. Das zeigt in schöner Regelmäßigkeit unser Gunter, welcher sich in dieser Saison meistens mit nominell stärkeren Gegnern auseinandersetzen muss. Umso schöner ist es zu beobachten mit welcher Ruhe Gunter dabei diese Herausforderungen annimmt und seine Züge mit Elan aufs Brett bringt. Auch in diesem Wettstreit entbrannte ein positioneller Kampf ums Zentrum. Figuren wurden umgruppiert, Türme in Stellung gebracht, Könige aktiviert. Doch objektiv verließ die Partie zu keinem Zeitpunkt die Remis-Breite und so einigte man sich dann auch folgerichtig auf eine Punkteteilung und damit 5:1 für uns.
Brett 8:
Wie bereits oben erwähnt mussten wir kurzfristig einen krankheitsbedingten Ausfall kompensieren. Doch wen könnten wir denn so spontan noch mobilisieren, um bei schönstem Wetter eine Partie am Abend zu spielen? Ein Glück, wenn man Kinder hat die noch auf einen hören 😉 So kam Sofija – nachdem Sie den gesamten Tag das Rapid-Turnier in Kriegshaber gespielt hat – zu Ihrem Debüt in der Kreisliga 2.
Trotz der spontanen Nominierung zeigte sie keinerlei Nervosität und war bereit sich der Herausforderung zu stellen. In der Eröffnung konnte sie einen Bauern gewinnen, musste sich in der Folge aber den angriffen der gegnerischen Figuren erwehren. Sofija verteidigte Ihren Mehrbauern zäh und umsichtig, so dass sie es langsam aber sicher schaffte, den Druck auf die andere Seite des Bretts zu verlagern. Dabei konnte sie im Endspiel Läufer gegen Springer einen weiteren Bauern gewinnen und umschiffte auch sämtliche Gabeldrohungen sicher. Am Ende schwenkte ihr Gegner kurz vor der Umwandlung des Freibauern die weiße Fahne. Damit stand es 6:1 und Sofija feierte einen Einstand, der sich sehen lassen kann.
Brett 7:
Thomas, unser „Meister-Macher“ aus der 9.Mannschaft durfte/musste/konnte sein schachliches Können in der 5.Mannschaft unter Beweis stellen. Wie erwartet hatte er es hier mit einem Gegner zu tun, welcher einen deutlichen DWZ-Vorteil sein Eigen nennen durfte. Dass dieser sogar über 400 Punkte beträgt war dann auch eine echte Hausnummer. Doch ein Kapitän weiß, dass wie man ein Schiff auch unter schwierigen Bedingungen lenkt und so eroberte Thomas einen Mehrbauern in der Eröffnung, musste hierfür allerdings eine unschöne Bauernstruktur in Kauf nehmen. Nichtsdestotrotz hätte ich mich jederzeit für die schwarzen Steine entschieden, umso mehr als Thomas gedeckter Springer einen Vorposten bildete und sein Läufer die lange Diagonale sein Herrschaftsgebiet nennen durfte. Doch just in diesem Moment entschied sich Thomas deren beide für einen Turm und Bauer zu opfern, um mit 2 Mehrbauern und Turm gegen Läufer und Springer zu operieren. Long story short: es langte nach leider nicht und Thomas musste nach langem Kampf seinem Gegner zum Sieg gratulieren und besiegelte das Endergebnis von 6:2 für uns.
Fazit
Die 5. Mannschaft krönt eine starke Saison mit einem Meistertitel, der vor allem eines zeigt: Tiefe im Kader, Teamgeist und Einsatzbereitschaft. Ein Erfolg, der sowohl sportlich als auch menschlich Freude bereitet.
Ein herzliches Danke schön auch an unsere Kollegen der SGA, welche gerne bereit Ihr Spiellokal für den Wettkampf zur Verfügung zu stellen. Wir wünschen Euch in der kommenden Saison viel Erfolg und freuen uns auf ein Wiedersehen!


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