Monatseröffnung Mai 2026
Wenn Schachfreunde zusammenkommen, um ein paar Runden zu blitzen, wird es natürlich schnell tiefschürfend. Da werden dann nicht nur Mittelspielstrategien diskutiert und Läufer befragt, als wären sie die Weisen aus dem Morgenland, sondern es kommen auch philosophische Themen auf den Tisch und aufs Brett. Durften wir kürzlich noch Mariannes und Alex’ Philidor-Darbietungen lauschen, so hatten diesmal Kevin und Vincent mit einer axiologischen Debatte die Bühne.
Nach sieben Runden hatten die – dem Maifeiertag geschuldet bloß – fünfzehn Teilnehmer (Tornike und Vasko teilten sich einen Startplatz) es nämlich nicht geschafft, einen Sieger auszuspielen. Vincent und Kevin lagen nicht nur nach Punkten und zwei Feinwertungen gleichauf, sondern sie hatten gegeneinander auch remis gespielt. Auf dieses Ergebnis einigten sie sich in einem Turmendspiel, in dem Kevin den einzigen verbliebenen Bauern besaß, beide aber nur noch wenig Zeit hatten (wir blitzten mit 3+2).
Damit kamen wir nunmehr in den Bereich der Axiologie, also der Lehre um den Wert von Dingen. Was ist denn unabhängig vom tatsächlichen Ergebnis einer Schachpartie nun mehr wert – wenn einer sich einen Mehrbauern erarbeitet hat oder der andere die Stellung dennoch im Ausgleichsbereich hat halten können? Wenn einer zum anderen sagt: „Du willst also, dass ich es dir zeige“, nämlich die Endspieltechnik, und es dann – zugegeben mit nur noch ein paar Sekündchen auf der Uhr – nicht zu zeigen vermag? Oder wenn der andere sich gegen den Älteren, viel Erfahreneren heroisch wehrt, sich nicht unterkriegen lässt, bis zum Ende leidenschaftlich kämpft, technisch seinerseits sauber? Die Antwort bleibt jedem selbst überlassen und die beiden werden das vielleicht auch unterschiedlich sehen. Die Reihenfolge in der Abschlusstabelle unten ist jedenfalls reiner Zufall und drückt keine Wertzuschreibung aus … (Kevin hatte aber Schokoriesen und feine Gummibärchen für alle mitgebracht, was hier auch nicht unberücksichtigt bleiben sollte.)



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