Regionalliga Süd-West: 3. Runde; Schachfreunde Augsburg I – FC Bayern München III

Fall der Zitadelle

 

 

Es begab sich ausgerechnet zu der Zeit, als unsere Reihen durch anderweitige Verpflichtungen und diverse Krankheiten merklich ausgedünnt waren, dass sich aus der fernen Landeshauptstadt Bayern Münchens mächtige Dritte auf den Weg zu uns in die herrliche Fuggerstadt aufmachte. Wohl als dreist war unser bisheriger Auftritt als Aufsteiger den dortigen Verantwortlichen erschienen, sodass man bestrebt war, uns in die Schranken zu weisen.

 

Dieses Vorhaben sollte den Münchnern letztlich auch gelingen und so fügten sie dem Achter unserer Ersten die erste Heimniederlage seit der Vereinsgründung 2012 zu. Mit 3,5:4,5 eine höchst knappe Niederlage zwar, aber dennoch hoch genug, um den Mythos zu zerstören!

 

 

Die Lage war dramatisch, war doch bis kurz vor dem Andrücken der Uhren unklar, ob wir überhaupt vollzählig antreten werden können. Denn neben den bekannten Ausfällen waren einige aufgestellte Spieler gesundheitlich derart angeschlagen, dass bei einer weiteren Absage die Sollstärke nicht hätte gehalten werden können.

 

Daher war es dringend erforderlich, eine Strategie auszuarbeiten, die das letztlich ausgebliebene Wunder hätte bewerkstelligen sollen. Demnach hätte jeder wie gewohnt auf seine Chance lauern sollen, wobei gerade an den hinteren Brettern ein geringes Eingehen eines Risikos vorgesehen war. Denn, so zumindest die Überlegung, mit jedem Remis würde sich der Druck auf die gegnerischen Spitzenbretter erhöhen, die es mit unserem „Bermuda-Dreieck“ zu tun hatten.

 

Trotz aller Vorkehrungen gingen wir – Alexander B., Andreas, Frank, Jakob, Robert, Uli, Zarko und der Berichterstatter – nur verhalten optimistisch an die Bretter, wo wir auf eine Mannschaft in nahezu Topbesetzung trafen.

 

Allerdings wirkten die Gäste keineswegs kampfeslustig, was überaus verständlich war, hatten sie doch das unerwartete Dahinscheiden ihres Vereins- und Mannschaftskameraden Herrn Dr. Matthias Steinbacher zu beklagen. Mit einer letzten Ehrerbietung in Form einer Gedenkminute wurde der Schachfreund verabschiedet, wobei er an jenem Sonntag unterschwellig irgendwie doch zugegen war.

 

Der anschließende sportliche Teil begann äußerst vielversprechend, denn Uli konnte seinen geheilten „beschleunigten Drachen“ von der Kette lassen, Frank durfte sich an seinem Lieblingsaufbau erfreuen, dahinter verwirrte Robert seinen routinierten Gegner mit einem äußerst origenellen Aufbau, Jakobs „geschlossener Sizilianer“ missfiel dem Gegner offensichtlich, Andreas hatte zufälligerweise die Besprechung des letzten Trainings auf dem Brett und bei Alexander war gleichfalls die Welt noch in Ordnung. Lediglich Zarko und ich sahen uns je einer Vorbereitung gegenüber, was zur Folge hatte, dass Zarko in eine harmlose Nebenvariante des „Italieners“ abdriftete und ich mich auf die verzweifelte Suche nach einem Plan begab.

 

Und während ich aus der Unendlichkeit des Schachuniversums einen Zug nach dem anderen herauspickte, in der Hoffnung, dass sich mit der Zeit durch die bloße Aneinanderreihung von Zügen ein konkreter Plan oder zumindest der Hauch einer Idee ergeben könnte, vernahm ich unvermittelt, dass ausgerechnet Uli Remis gemacht hatte. Ausgerechnet deshalb, war er doch ein Eckpfeiler unserer „Bermuda-Dreieck-Taktik“!

 

Was war geschehen? Nun, Uli hatte zwar seine Variante im Vergleich zu sonst wesentlich verbessert, aber leider nur einen Zug weit, sodass er sich nach gerade einmal 14 Zügen (!!!)  in eine Zugwiederholung flüchtete – 0,5:0,5.

 

Danach geschah jedoch ergebnistechnisch lange Zeit nichts, strebten doch die verbliebenen Spieler nach Vorteilen, um vielleicht hier und da das Gleichgewicht der Kräfte zu erschüttern. Dies gelang Frank am besten, denn er hatte sich nicht nur einen gesunden Mehrbauern gesichert, er drohte zugleich, des Gegners Bauernstellung deutlich zu schädigen.

 

Doch bevor Frank Vollzug melden konnte, ging Andreasens Partie zu Ende. Diese hatte zwar ebenso wie Ulis Partie die „Vierzehn-Züge-Marke“ nicht überschritten, jedoch beide Spieler viel Zeit gekostet, weshalb man sich bei anbahnender Zeitnot in einer vermutlich leicht besseren Stellung für unseren Recken auf die Punkteteilung einigte – 1:1.

 

Wenig später fand auch Franks Partie ein Ende. Dessen Gegner wollte sich scheinbar das Elend der Stellung nicht mehr antun und streckte die Waffen. Das zumindest hatte ich gedacht, bevor ich nach einem Blick auf den Spielberichtsbogen wie vom Donner gerührt ungläubig schaute. Denn dort war unerbittlich ein Remis vermerkt! Sicher, Frank hatte neben Robert und mir zu den gesundheitlich stark angeschlagenen Spielern gehört, aber die Schlussstellung hätte sich eigentlich von alleine auf Gewinn gespielt – 1,5:1,5.

 

Trotz des Gleichstandes fing sich so langsam unsere Niederlage abzuzeichnen an. Alexander und Jakob hatten sich in Schlüsselstellungen für den jeweils falschen Plan entschieden, wobei dies in Alexanders Fall lediglich die Folge hatte, dass seine anfangs vielversprechende Stellung in Richtung Ausgleich schwenkte, während Jakob dadurch zunehmend unter Druck geriet. Bei Robert war überhaupt nicht abzusehen, wohin die Reise gehen könnte und ich mühte mich, den angerichteten Schaden ob meiner Planlosigkeit einzudämmen. Da machte es auch wenig, dass Zarko nach wie vor ausgeglichen stand, sich aber dafür in seinem Element des Knetens suhlen durfte.

 

Die Zeitkontrolle raste auf alle förmlich zu, weshalb in kurzer Abfolge gleich vier Entscheidungen fielen. Es fing mit Jakob an, dessen Stellung zunehmend nachgab, bis sie plötzlich komplett zusammenbrach. Ausgesprochen schade, denn damit holte unser angehender Spitzenspieler aus drei vielversprechenden Stellungen gerade einmal einen halben Punkt, womit er sich weit unter Wert geschlagen hat – 1,5:2,5.

 

Anschließend stellte Alexander weitere Gewinnversuche ein und bot absolut berechtigt ein Remis an. Dieses hatte der Gegner kaum ablehnen können, denn jedes Spielen auf Sieg, egal von welcher Seite, hätte eher ein Spielen auf Verlust bedeutet – 2:3.

 

Damit hatten wir eine weitere Vereinspremiere, denn es spielten mit Robert, Zarko und mir erstmals drei Vuckovics, denen die Aufgabe zuteil wurde, die Niederlage abzuwenden. Durchaus möglich, aber auch wahrscheinlich?

 

Wäre nur Zarkos Stellung der Gradmesser gewesen, man hätte die Frage eindeutig bejahen können, doch das Geschehen auf Roberts Brett ließ sich am besten mit „vogelwild“ beschreiben, während ich nach wie vor schlechter stand und dafür auch noch über weniger Bedenkzeit als mein Gegner verfügte.

 

In dieser Situation entschloss ich mich zu einem taktischen Remisgebot, nachdem ich mich halbwegs befreit zu haben schien, um den Zeitverbrauch anzugleichen. Und mein turniertaktisches Gespür sollte sich als richtig erweisen, begann doch der Gegner seine Stellung noch genauer abzuklopfen, um keine falsche Entscheidung zu fällen. Er prüfte, überlegte, schaute sich die Lage an den anderen beiden Brettern an und willigte etwas überraschend ein – 2,5:3,5.

 

Warum er das getan hatte, das sollte mir umgehend klar werden, denn Roberts Partie war definitiv zu Gunsten der Münchner gekippt, wodurch sich mein „taktisches  Geschick“ als „Niederlagenbeschleuniger“ heraustellte. Eine bittere Lehre, wenngleich ich an jenem Tag vermutlich keineswegs, zumal aus jener verkorksten Stellung heraus, einen vollen Zähler hätte beisteuern können – 2,5:4,5.

 

Völlig unbeeindruckt von dieser historisch anmutenden Entwicklung zog Zarko sein Ding durch, knetete entsprechend munter weiter und nahm des Gegners Angebot, ihn quasi „en passant“ Matt zu setzen, dankend an, womit er für das Endergebnis sorgte – 3,5:4,5. Wenigstens hier hielt das „Bermuda-Dreieck“, was es versprach.

 

 

Fazit:

 

Diese knappe Niederlage hat uns nicht nur die Tabellenführung gekostet, wir befinden uns zugleich an einem Scheideweg. Entscheidend hierfür, wohin die Reise gehen wird,  ist bereits der nächste Spieltag, wenn es im Derby gegen unseren Nachbarn aus dem Pfersee um zwei wichtige Punkte geht. Gewinnen wir, dann könnte die schöne Geschichte vom „Daueraufsteiger“ weitergehen, während wir bei einer Niederlage den Blick eher nach unten richten und uns möglichst bald weitere Punkte für den Klassenerhalt holen müssten.

 

Hier gibt es alle Ergebnisse, Partien und Statistiken. Viel Spaß. 🙂

 

 

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