Deutsche Jugendmeisterschaft 2015 (U14); 8. Runde

Kein echter Kampftag

 

 

Als ich am Abend die Auslosung der 8. Runde anschaute, da dämmerte mir schon, dass sich unser Team „Wellovic“ auf eine recht entspannte Vorbereitung freuen durfte. Denn während Uli gegen Zarkos Gegner aus der dritten Runde antreten durfte, bei dem es in diesem Turnier einfach nicht rund laufen wollte, stand bei Zarko eine Begegnung mit einem Jungen aus NRW an, der einen zu großen Respekt vor den Künsten unseres Jungmeisters hatte.

 

Diese Einschätzung wurde nach einem Blick in die jeweilige Partiesammlung bestätigt, denn Ulis Gegner hatte im Laufe des Turniers bereits zwei üble Niederlagen mit seiner Stammverteidigung hinnehmen müssen, sodass kaum zu erwarten war, dass er auf selbige zurückgreifen würde – Eine Katastrophe für jeden Turnierspieler. Deswegen war eine gezielte Vorbereitung nahezu unmöglich. Bei Zarko musste in manchen Varianten etwas nachgebessert werden, indem man soliden Varianten nach Möglichkeit mehr Schärfe verlieh, ohne dabei das Risiko zu hoch zu schrauben, war doch ein „Abklammern“ zu befürchten.

 

Uli; 8. Runde (Brett 10); „Leichtes Spiel!“:

 

Obwohl wir uns vorsichtshalber etwas gegen den speziellen Sizilianer zurechtgelegt hatten, kam aufgrund der Verunsicherung des Gegners selbiger tatsächlich nicht aufs Brett. Stattdessen suchte der Gegner mittels einer Zugumstellung sein Heil im Benoni, musste aber schnell feststellen, dass sich die in die Verteidigung gesetzten Hoffnungen nicht einmal im Ansatz erfüllten.

 

Der „Riese aus Buchloe“ agierte umsichtig und absolut stellungskonform, sodass er den Gegner ziemlich einschnürte und bei der sich ersten bietenden Gelegenheit taktisch zuschlug. Bei diesem Überfall gewann er einen Bauern, der zwar einen klaren und nachhaltigen Vorteil garantierte, dessen Realisierung aber unter normalen Umständen noch ein hartes Stück Arbeit gewesen wäre. Allerdings steckte dem Gegner der bisherige Turnierverlauf zu sehr in den Knochen, weshalb er nicht immer die zäheste Fortsetzung finden und Uli damit einen mühelosen bescheren sollte. 🙂

 

Zarko; 8. Runde (Brett 12); „Ungebrochener Widerstand!“:

 

Als wenn wir es gewusst hätten, hatten wir am Vorabend genau an jenem Sizilianer herumgedoktert, mit dem Zarko in der vierten Runde Schiffbruch erlitten hatte. Wobei Schiffbruch angesichts des Verlaufs der entsprechenden Partie etwas übertrieben ist, vielmehr galt es, das Verständnis etwas zu vertiefen, wonach sich die richtige Zugfolge quasi von allein ergibt.

 

So schwante dem Gegner nach Zarkos 11. … Lf5 wohl schon, dass die Eröffnungswahl nicht ganz glücklich war und er schwenkte auf Verteidigung um. Vielleicht hätte er schon an dieser Stelle gerne ein Remisangebot unterbreitet, aber die im Turnier geltende „Sofia-Regel“, wonach man erst ein Remis anbieten durfte, wenn beide Seiten bereits 20 Züge gemacht hatten, hinderte ihn daran.

 

Anders lässt es sich nicht erklären, dass nicht nur gleich im 21. Zug die Friedenspfeife rübergereicht wurde, sondern nach einer Ablehnung bereits fünf Züge später ein erneutes Remisgebot erfolgte. Überhaupt schien sich Zarko zu undeutlich ausgedrückt zu haben, denn nach nur wenigen weiteren Zügen erfolgte ein drittes Angebot für eine Punkteteilung.

 

Wie dem auch sei, Zarko versuchte zunächst alles, doch an diesem Tag wollte es ihm einfach nicht gelingen, die richtigen Antworten für die Erfordernisse der Stellung zu finden, weshalb er vor dem Kippen der Partie selber Remis bot, das quasi im Aussprechen angenommen wurde.

 

Kommentar des Trainers:

 

An diesem Tag hatte mir gut gefallen, dass sowohl Uli als auch Zarko trotz aller Müdigkeit nach wie vor kämpferisch eingestellt waren, wobei mir Ulis Behandlung des ihm recht unbekannten Stellungstyps aufgrund allgemeiner Überlegungen besondere Freude bereitete. In dieser Verfassung kann es noch ein richtig gutes Turnier werden. 🙂

 

Die entsprechenden Partien könnt Ihr hier nachspielen und Euch eigene Gedanken zum Verlauf machen.

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